„Sprechstunde keine Verkaufsstunde“

Düsseldorf..  NRW-Gesundheitsministerin Steffens (Grüne) hat die Ärzte gewarnt, durch den Verkauf von Zusatzleistungen die Beziehung zum Patienten zu belasten. „Wenn die Sprechstunde zur Verkaufsstunde wird, ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in Gefahr“, sagte Steffens. Nach einer neuen Studie der Techniker Krankenkasse (TK) bieten Ärzte in NRW besonders häufig Leistungen gegen Bares an.

Ob Schwellentherapie beim Tennisarm, PSA-Test zur Früherkennung von Prostata-Krebs oder Augendruckinnenmessung: 57 Prozent der Patienten in NRW sind laut TK von ihrem Arzt schon mal auf eine individuelle Gesundheitsleistung (Igel) angesprochen worden, die von der Krankenkasse nicht bezahlt wird. Nur in Baden-Württemberg lag die Quote mit 58 Prozent höher. Allerdings nahmen nur 65 Prozent der NRW-Patienten die angebotene Leistung als Selbstzahler in Anspruch. Der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS) hält viele Angebote für unnütz.

Nach der Forsa-Studie der TK bieten Zahnärzte, Gynäkologen und Augenärzte die Extras gegen Bargeld am häufigsten an. Ministerin Steffens verlangte, dass Ärzte, die Igel-Leistungen anbieten, „offen über Nutzen, Risiken und Chancen der Wirksamkeit aufklären“. Keinesfalls dürften Patienten unter Druck gesetzt werden, Zusatzleistungen als Selbstzahler in Anspruch zu nehmen, forderte sie.

„Patienten sollten sorgsam abwägen, ob Igel-Behandlungen oder Untersuchungen den gewünschten Nutzen bringen“, sagte der Leiter der TK in NRW, Günter van Aalst. Im Internet lassen sich unter www.igel-monitor.de Einschätzungen der gesetzlichen Krankenkassen zu mehr als 30 Igel-Leistungen abfragen. Danach ergaben Studien zum PSA-Test (Kosten: 20 bis 30 Euro) kein eindeutiges Ergebnis über dessen Nutzen. Nicht belegt sehen die Experten auch den Nutzen einer professionellen Zahnreinigung (30 bis 120 Euro). Auch die vorsorgliche Messung des Augeninnendrucks (10 bis 25 Euro) lässt aus Sicht von Kassenexperten keine zuverlässige Vorhersage über ein entstehendes Glaukom („grüner Star“) zu. Bei konkretem Glaukom-Verdacht zahlt zudem die gesetzliche Krankenversicherung.

Steffens sprach sich dafür aus, dass Patienten generell 24 Stunden Bedenkzeit eingeräumt werden, bevor sie eine Vereinbarung über Zusatzleistungen unterschreiben.