Spionage-Angriff auf Merkel-Mitarbeiterin

Berlin..  Eine Mitarbeiterin im Europareferat des Kanzleramts von Angela Merkel ist Ziel einer Spionageattacke mit einem Computervirus geworden – doch der Angreifer bleibt im Dunkeln. Das IT-System des Amtes sei nicht infiziert worden, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Wirtz gestern. Es habe keine Gefahr bestanden. Es gebe auch keinen Anlass, die Vorkehrungen des Kanzleramts gegen Computerspionage grundsätzlich zu überdenken.

Der Urheber des Monate zurückliegenden Angriffs mit der schwer zu entdeckenden Software „Regin“ konnte nicht nachverfolgt werden. Unklar ist auch, ob Dokumente abgefischt wurden. Entsprechende Untersuchungen der Sicherheitsbehörden blieben erfolglos.

„Regin“ wird mit dem US-Abhördienst National Security Agency (NSA) und seinem britischen Partner GCHQ in Verbindung gebracht. Es wird in den Sicherheitsbehörden aber nicht ausgeschlossen, dass auch andere Geheimdienste mit weiterentwickelten Versionen arbeiten. Das Trojaner-Programm kann Aufnahmen vom Bildschirm machen, Passwörter stehlen, Datenverkehr überwachen und gelöschte Dateien wiederherstellen.

2013 hatten Enthüllungen über das jahrelange Abhören des Mobiltelefons vom Kanzlerin Merkel durch den US-Geheimdienst NSA für schwere Verstimmungen mit den USA gesorgt.

Patrick Sensburg, Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses, glaubt allerdings nicht, dass die USA oder Großbritannien hinter dem jüngsten Spähangriff stecken. „Da es ein sieben Jahre alter Trojaner ist, kann ihn heute beinahe jeder einsetzen. Geheimdienste verwenden eigentlich modernere Trojaner“, sagte der CDU-Abgeordnete aus Meschede. „So wie Satellitenschrott im Weltall fliegt viel alter Trojanerschrott durchs Netz.“

Die „Bild“ hatte berichtet, die Referatsleiterin aus der Europapolitik-Abteilung habe ein Dokument – ein Rede-Manuskript zu Strategien der EU – auf einem privaten USB-Stick mit nach Hause genommen. Dort habe sie auf ihrem Privat-Laptop an dem Dokument weitergearbeitet und das Speichergerät wieder ins Kanzleramt mitgebracht.