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SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW

25.05.2010 | 18:21 Uhr
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW

Berlin.Die SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles rechnet im Interview mit der FDP ab. Gleichzeitig fordert sie die Liberalen aber auf, sich Sondierungsgesprächen in NRW zu öffnen. Einen Automatismus für eine große Koalition mit der CDU werde es nicht geben.

„Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?“, empfängt Andrea Nahles den Gast. Die SPD-Generalsekretärin reagiert ungläubig, als sie die Meldung vom Rückzug Roland Kochs vernimmt. Dann hat sie freilich die Sprache wiedergefunden. Ob Koch nur darauf warte, dass die CDU in Berlin nach ihm rufe: „Gott bewahre uns davor“, stößt sie hervor. Ein Gespräch über ein größeres Rätsel als Koch: Die FDP und NRW, oder: Der Widerspenstigen Zähmung?

Frau Nahles, die SPD gibt jede Woche Ihre Termine bekannt. Sie gehen ja über die Dörfer! Wie erleben Sie die SPD?

Nahles: Wir sind nicht übermütig, aber doch spürbar selbstbewusster geworden.

Was wird an der Basis über die FDP gedacht?

Nahles: Dass sie sich zu einer marktradikalen Partei entwickelt hat, die nur noch ein Thema kennt: Steuersenkungen für Reiche.

Bedauern Sie das?

Nahles: Ja. Da ist der sozialliberale Flügel der FDP verödet. Ohne eine gemeinsame Schnittmenge können sie nicht gemeinsam regieren. Die FDP muss sich ändern. Selbst in Rheinland-Pfalz, wo wir vertrauensvoll regiert haben, würde ich über die FDP anders urteilen als noch vor fünf Jahren.

Als der FDP-Abgeordnete Fricke in der Debatte über das Euro-Hilfspaket Regeln für den Finanzmarkt gefordert hat, gab es aus der SPD höhnisches Gelächter. Warum eigentlich?

Nahles: Immer wenn es in der Frage zum Schwur kommt, schlägt sich die FDP in die Büsche. Das nahmen wir Herrn Fricke nicht ab. Er hat auf die Frage von Frank-Walter Steinmeier, ob die Regierung die Zustimmung der SPD wolle, laut „Nein“ gerufen. Und seine Fraktionsvorsitzende hat am Wochenende ja schon wieder gegen die Finanztransaktionssteuer gewettert.

Nehmen wir ein besseres Beispiel. Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger. Haben Sie mitbekommen, dass sie die FDP aufgefordert hat, sich zu öffnen?

Nahles: Ja. In der FDP gibt es durch die Initiative von Herrn Pinkwart eine Debatte über den zukünftigen Kurs der Partei - auch und gerade bei den Jüngeren. Und auf die kommt es an: auf den FDP-Generalsekretär und die jüngeren Minister. Die babylonische Gefangenschaft, in die Guido Westerwelle seine Partei geführt hat, schadet den Liberalen. Die FDP ist die autokratische Partei in Deutschland schlechthin geworden, eine One-Man-Show. Das ist nicht gesund. Das Schlimmste ist, diese Dicke-Hose-Politik der FDP nach der Bundestagswahl geht an der schwierigen Lage im Land völlig vorbei. Da bricht eine Krise aus, und die FDPler tun so, als könnten sie das Steuergeld mit dem Füllhorn verteilen.

Sigmar Gabriel spricht gern von zwei radikalen Parteien. Die eine ist die Linke, die andere ist die FDP. Will die SPD die Liberalen gewinnen oder verprügeln?

Nahles: Ich stelle Ihnen gern eine Liste der Reden von Guido Westerwelle zur Verfügung. Keiner hat so geholzt wie er als Oppositionsführer. Der Mann kann austeilen, aber er ist empfindlich beim Einstecken. So ein Verhalten habe ich schon auf dem Schulhof nicht leiden können.

Die NRW-Wahl war die letzte Wahl der Linken mit Lafontaine als Zugpferd. Glauben Sie, dass die Linke ohne ihn im Westen sich durchsetzen kann?

Nahles: Es schwächt die Linke, dass Lafontaine sich zurückzieht.Denn es gibt im Westen sehr viele, die gerade durch ihn den Weg in die Linkspartei gefunden haben. Auch die 5,7 Prozent in NRW waren nicht berauschend. Das Ziel der SPD bleibt, sie im Westen überflüssig zu machen.

Waren Sie erleichtert, dass Rot-Rot-Grün in NRW nicht passte?

Nahles: Ich war eher etwas gedämpft, weil für Hannelore Kraft die Regierungsbildung dadurch nicht einfacher wird.

Nun beginnen die Gespräche in Düsseldorf über eine große Koalition. Käme das Signal für die Bundes-SPD so gelegen?

Nahles: Wir müssen aus der Wahlniederlage im letzten Jahr die Konsequenz ziehen, dass eine große Koalition für die SPD, erst recht als Juniorpartner ein Verlustgeschäft ist. Wir erheben in NRW weiterhin den Anspruch, die Ministerpräsidentin zu stellen.

Wäre die SPD nach der Niederlage schon wieder bereit?

Nahles: Wenn Sie damit fragen, ob wir vor der nächsten Bundestagswahl eine große Koalition anstreben...

Genau das.

Nahles:... Dann kann ich das ausdrücklich verneinen. Das Wählervotum war eindeutig. Wir stehen nicht Gewehr bei Fuß, um Frau Merkel die Probleme vom Hals zu halten. Dass diese Bundesregierung viele Erwartungen enttäuscht hat, ist eindeutig. Wir haben in 2009 aber keinen Regierungsauftrag erhalten. Unsere Aufgabe ist: Opposition. Wir rechnen uns 2013 gute Chancen aus, und die werden wir auch nutzen, da können Sie Gift drauf nehmen.

Sie haben am Morgen des 10. Mai nach der NRW-Wahl im Radio gesagt, die Situation sei „die denkbar schwierigste, was eine Regierungsbildung angeht“.

Nahles: Weise von mir, nicht? (lacht)

Hatten Sie Sorge gehabt, dass sich in NRW wiederholt, was die SPD in Hessen erlebt hat?

Nahles: Nein. Hannelore Kraft hat nichts ausgeschlossen und hat eine ruhige, besonnene Art. Man hat das Gefühl, dass die Dinge bei ihr in guten Händen sind. Außerdem ist die SPD in NRW auch geschlossen.

Die CDU hat in NRW 6000 Stimmen mehr als die SPD. Wie können Sie den Anspruch aufs Ministerpräsidentenamt erheben?

Nahles: Schwarz-Gelb hat 400.000 Stimmen weniger als Rot-Grün. Das gehört auch zur Wahrheit. Das ist eine persönliche Niederlage von Jürgen Rüttgers. Der hat es am Wahlabend auch verstanden. Deswegen hat er sich versteckt. Jetzt stellt er sich blind und taub, aber die CDU in NRW scheint sich untereinander auch nicht einig zu sein. Die Bürgerinnen und Bürger haben den Politikwechsel gewählt. Wir erwarten eine ehrliche Ansage der CDU, ob sie die Niederlage anerkennt oder nicht. Und: Ohne uns geht nichts. Die Union hat nur eine Option.

Mit Verlaub: Sie reden sich da was schön. Die FDP will nicht, Rot-Rot-Grün klappt nicht. Sie haben auch nur eine Option.

Nahles: Nein. Wir haben keinen Druck, die große Koalition auf Teufel komm raus zu machen. Es wird keinen Automatismus in eine große Koalition geben.

Was ist die zweite Option?

Nahles: Man wird nach den Gesprächen noch mal überlegen müssen, ob alle Parteien bei ihrer Position bleiben.

Womit wir wieder bei der FDP wären.

Nahles: Ja, genau. Die FDP sollte noch einmal in sich gehen, ob sie wirklich Sondierungsgespräche verweigert.

Muss Jürgen Rüttgers auf jeden Fall abtreten?

Nahles: Ja.

Was ist das für eine Logik? Lieber soll die CDU die Chance bekommen, einen dynamischen Nachfolger aufzubauen?

Nahles: Es geht hier nicht um einen Posten-Poker, aber nach dieser Niederlage kann Rüttgers nicht Ministerpräsident bleiben. Wir wollen, dass Hannelore Kraft Ministerpräsidentin wird, um eine bessere Politik für NRW auf den Weg zu bringen.

Miguel Sanches

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Kommentare
27.05.2010
11:29
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von nonkoformist | #75

In diesen ganzen Komentaren und auch in den Artikeln der Pressen werden immer nur die Parteien zu Wort kommen bzw. zu Wort kommen gelassen die den Meinungsmachern genehm sind
Wo bleiben eigentlich die Stimmen und Wohlwollenden Komentare für die auch Demokra-
tischgewählten kleinen Parteien oder sind das
aller Parias bzw. die Ünberühbaren. Ich war eigent-
lich der Meinnung das es die nur in Indien gibt.
Welcher verantwortlicher Pressezar oder
führender Politiker kann mir darauf eine mir befriedigende Antwort geben???

26.05.2010
14:16
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von upupintothebluesky | #74

@ #63 von Thomas Wohlzufrieden

Sie schrieben:

Ich dachte immer, Frau Nahles vertritt den Linken Flügel. Das Sie Sprachrohr es Seeheimer Kreises ist, ist für mich gleichwohl neu und Interessant...

Sie müssen wissen:
Der Linke Flügel der SPD ist nur ein Übungsflügel der Jusos.
Spätestens mit dem dreissigsten Lebensjahr müssen die SPD-Genossen den linken Flügel verlassen.
Hat wohl irgendetwas mit alten SPD-Traditionen zu tun. ....Bebel, Lasalle oder so was ähnliches.

26.05.2010
14:15
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von besorgte Bürger | #73

CDU-SPD-Grüne-FDP! Hannelore geh auf Nummer sicher! Die haben bereits in den letzten Jahren den Sozialabbau und die Kriegseinsätze gemeinsam betrieben!

26.05.2010
13:38
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von Thomas Wohlzufrieden | #72

Ich dachte immer, Frau Nahles vertritt den Linken Flügel. Das Sie Sprachrohr es Seeheimer Kreises ist, ist für mich gleichwohl neu und Interessant...

26.05.2010
10:54
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von Beule | #71

Angesicht der Krise braucht NRW eine stabile Regierung, die auch harte und unangenehme Entscheidungen treffen kann, ohne immer gleich um ihre Mehrheit im Parlament zu fürchten.
Das vor sich Herschieben der notwendigen Sparbeschüsse in den Kommunen, Ländern und im Bund verschlimmert die Lage nur. Hier gilt es sich der Verantwortung (auch als Bürger) zu stellen.

26.05.2010
09:33
Blockierter Kommentar.
von moron4711 | #70

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.05.2010
09:01
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von nicht pro links | #69

Frau Nahles muss schon ziemlich naiv sein, um solche Forderungen aufzustellen. Die FDP und eine neoliberale Poliktik sind doch ihr größter Feind?! Oder auf einmal nicht mehr?
Sollte die FDP einwänken, wäre dies eine deutliche Wählertäuschung...
Für die SPD ist es schon arg eng, wenn man sich so anbiedern muss.
Schwarz-Rot ist die einzige Lösung also: so what .. und carpe diem..

26.05.2010
08:55
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von Meinemal | #68

Ich frage mich bei diesem Interviews mit Frau Nahles, ob die Antworten auf die profunden Fragen der Redakteure für Frau Nahles schon vorbereitet und dann von ihr nur abgelesen werden. Eigentlich müsste das Wohl des NRW-Bürgers im Mittelpunkt jeder politischen Wahlaussage stehen, aber hier scheint es nur um irgendwelchen Regierungskonstellationen von irgendwelchen Parteibünden zu gehen, wobei die zweitbeste Partei die Richtung zu bestimmen scheint. Lächerlich. Aber bei einer SPD-Generalsekretärin Nahles ist der endgültige Niedergang der ehemaligen Volkspartei SPD nicht weiter aufzuhalten. Geistiges Mittelmaß und umfassende Vernetzung sind kein Garant für Führungsstärke und zukunftsweisende Ideen in der SPD.

26.05.2010
07:26
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von escha | #67

Die SPD ist mit diesem Gehabe endgültig zur Verräterpartei geworden.

26.05.2010
06:54
SPD-Spitze wirbt erneut für Ampel in NRW
von Ambrosius | #66

@2 Für mich ist das Wählervotum auch klar. Auf keinen Fall will man mehr die CDU haben. Deswegen hat sie auch über 10% verloren. Auch von der FDP dürften die Leute die Nase voll haben. Und die SPD?? In Wirklichkeit will sie garkeinen Politikwechsel. Das gleiche gilt auch für die Grünen. Also weiter mit Sozialabbau und Umverteilung von unten nach oben. Bleibt als einzige soziale Kraft in diesem Land nur die Linke. Dass es dort Startschwierigkeiten gibt, ist für eine noch fast neue Partei ja nichts besonderes. Das Demokratieverständnis ist in allen Parteien nicht sehr groß. Vor einiger Zeit liefen der SPD noch fast die Hälfte der Mitglieder davon, weil Schröder und Müntefering mit ihrer neoliberalen Politik unwählbar gemacht hatten. Geben wir der Linken eine Chance. Mitglieder am ganz rechten oder linken Rand gibt es in jeder Partei. Wir brauchen wieder eine strake soziale Kraft (aber keine Hannelore) diesem Land.

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