Düsseldorf

SPD-Ministerin nennt Kinderarmut in NRW „beschämend“

Die nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann (SPD) nannte die Kinderarmut im Land „beschämend“.
Die nordrhein-westfälische Familienministerin Christina Kampmann (SPD) nannte die Kinderarmut im Land „beschämend“.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
In keinem anderen deutschen Bundesland ist die Kinderarmut so hoch wie in Nordrhein-Westfalen. Sogar die SPD musste das im Landtag einräumen.

Düsseldorf. Im Kampf gegen die zunehmende Kinderarmut in NRW hat CDU-Landeschef Armin Laschet eine Kursänderung der rot-grünen Landesregierung gefordert. „Es geht nicht um Modellprojekte, sondern darum, mehr Eltern in Beschäftigung zu bringen.“ Auch jede Stunde Unterrichtsausfall sei ein Anschlag auf die Zukunft der Kinder in sozial schwachen Familien. Familienministerin Christina Kampmann (SPD) räumte im Landtag ein, der Anstieg der Kinderarmutsquote auf 23,6 Prozent sei „beschämend“. Trotzdem sah Kampmann keine Alternative zum Markenkern der rot-grünen Koalition „Kein Kind zurücklassen“.

Interview Studien des Kinderschutzbundes, des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Hans-Böckler-Stiftung hatten in einem Alarmruf gewarnt, dass die Kinderarmut in keinem Land so hoch sei wie in NRW. Landesarbeitsminister Rainer Schmeltzer (SPD) bedauerte, dass das Ruhrgebiet besonders betroffen sei. Hier ist inzwischen jedes dritte Kind von Hartz IV abhängig. Kinderarmut sei das Ergebnis der Armut der Eltern, sagte Schmeltzer. Darum brauchten Kinder Bildung und Eltern eine sichere Erwerbsarbeit. Ab Sommer werden alle Kinder der 8. Jahrgangsstufe mit der Berufsorientierung in der Schule erreicht – dazu gehört das „Hineinschnuppern“ in Berufe durch Praktika.

SPD weist Forderung nach 24-Stunden-Kitas zurück

Der FDP-Abgeordnete Marcel Hafke attestierte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) persönliches Versagen „im angeblichen Kernbereich“. Hafke kritisierte, dass NRW den höchsten Unterrichtsausfall und die schlechteste U3-Versorgung aller Länder in Kitas habe.

Minijobber Die FDP-Forderung nach 24-Stunden-Angeboten in Kitas etwa für die Krankenschwester im Wechseldienst wies die SPD-Fraktion zurück. Ziel könne es nicht sein, Kleinkinder über Nacht in Kitas zu betreuen. Vielmehr müssten Arbeitszeiten den Lebensverhältnissen angepasst werden. Grünen-Experten Andrea Asch verlangte mehr Anstrengungen von Bund, Land und Kommunen für die nicht hinnehmbar hohe Kinderarmut in NRW.

SPD und Grüne setzen weiter auf die langfristige Wirkung präventiver Maßnahmen. Dazu gehörten neben Programmen in Schulkantinen („Alle Kinder essen mit“) auch Projekte wie „Kita plus“, bei denen Kitas in sozial schwierigen Regionen des Landes mit mehr Personal ausgestattet werden.