SPD-Linke jubelt über Lafontaines Abgang
09.10.2009 | 15:45 Uhr 2009-10-09T15:45:00+0200
Rheinsberg. Jetzt ist es offiziell: Oskar Lafontaine gibt seinen Fraktionsvorsitz der Linkspartei im Bundestag auf. Stattdessen soll er bei Rot-Rot-Grün im saarländischen Landtag bleiben. Der linke SPD-Flügel freut sich.
Linken-Chef Oskar Lafontaine gibt überraschend den Fraktionsvorsitz seiner Partei im Bundestag auf. Auf einer Klausurtagung der neugewählten Abgeordneten im brandenburgischen Rheinsberg verzichtete der 66-Jährige am Freitag auf eine neuerliche Kandidatur. Parteivorsitzender will Lafontaine aber bleiben und entgegen ersten Meldungen auch sein Bundestagsmandat behalten.
Der Schritt habe nichts mit der angestrebten Bildung einer rot-rot-grünen Landesregierung im Saarland zu tun, versicherte er. Er wisse auch nicht, wie sich die Grünen auf ihrem Landesparteitag am Sonntag entscheiden werden. Dabei wollen sie darüber befinden, ob es im Saarland zu Koalitionsverhandlungen mit SPD und Linken über Rot-Rot-Grün oder aber mit CDU und FDP über eine Jamaika-Koalition kommt.
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Offen ließ Lafontaine zunächst auch, ob er den Vorsitz der Linksfraktion im Saarbrücker Landtag auf Dauer neben seinem Bundestagsmandat behalten will oder nicht. «Diese Entscheidung werde ich Ihnen mitteilen, wenn sie getroffen ist», sagte er.
Grünen-Landeschef Hubert Ulrich hatte Lafontaine zuvor gewarnt, sich im Saarland als «Neben-Ministerpräsident» unter SPD-Chef Heiko Maas einzurichten und von einem «Affront» sowie einer Belastung der Koalitionssondierungen gesprochen.
Frauen für Partei- und Fraktionsspitze gesucht
Mit seinem Rückzug von der Fraktionsspitze in Berlin will Lafontaine nach eigenen Angaben den Weg für neue Doppelspitzen von Partei und Bundestagsfraktion frei machen, zu denen jeweils auch eine Frau gehören soll. Am Freitag sollte allerdings zunächst der bisherige Kovorsitzende Gregor Gysi zum alleinigen Fraktionschef gewählt werden. Längerfristig werde es aber wieder eine Doppelspitze geben, bei der sowohl die Frauenquote als auch der Ost-West-Proporz beachtet werden sollten, kündigte Lafontaine an.
Der mittlerweile ins Europaparlament gewählte Mitparteichef Lothar Bisky will nächstes Jahr nicht mehr für dieses Amt antreten. Für ihn wird neben Lafontaine eine Nachfolgerin aus Ostdeutschland erwartet, für den Fraktionsvorsitz neben Gysi eine Frau aus Westdeutschland. Lafontaine sagte, er habe die Entscheidung zur Aufgabe der Fraktionsführung im Bundestag schon vor einiger Zeit getroffen. Schließlich sei das Ziel erreicht, die Linkspartei als deutschlandweite Kraft zu etablieren. Jetzt wolle er sich auf die Aufgabe als Parteivorsitzender konzentrieren.
Während die Grünen gereizt auf den möglichen Verbleib Lafontaines als Fraktionschef im Saarbrücker Landtag reagierten, sah ihn die SPD positiv. Landesgeneralsekretär Reinhold Jost sagte, die in Erwägung gezogene dauerhafte Übernahme des Fraktionsvorsitzes in Saarbrücken könne auch in Hinblick auf die die bevorstehende Entscheidung der Grünen als «Angebot zur weiteren Stabilisierung einer möglichen rot-rot-grünen Regierungsarbeit» gewertet werden. Es wird vermutet, dass Lafontaine nur beim Zustandekommen von Rot-Rot-Grün Fraktionschef im Landtag blieben wird.
SPD-Linke: "Kein Sozialdemokrat weint ihm eine Träne nach"
Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte im Bayerischen Rundfunk: «Es ist so, dass Oskar Lafontaine uns gesagt hat, dass er eine besondere Verantwortung für die Regierungsbildung an der Saar habe.» Wenn es dort und auch 2010 in Nordrhein-Westfalen zum Regierungswechsel komme, habe die Linke über den Bundesrat Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber der schwarz-gelben Bundesregierung.
Grünen-Landeschef Ulrich warnte aber, Lafontaine als Fraktionschef auf Dauer würde ein «permanentes Gerangel um Öffentlichkeitswirksamkeit, um Positionen und um Stabilität» in einer rot-rot-grünen Koalition bedeuten. Der saarländische CDU-Generalsekretär Stephan Toscani sprach von einer «zweiten Flucht aus Berlin» des ehemaligen SPD-Vorsitzenden.
Lafontaines Rückzug erfreut den linken SPD-Flügel. «Es gibt keinen Sozialdemokraten, der ihm eine Träne nachweint, höchstens aus Freude», sagte SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post». «Lafontaine war ein zentrales Hindernis für einen unverkrampften Umgang mit der Linkspartei im Bund. Das ist nun weg», betonte der Fraktionschef der SPD im Landtag von Schleswig-Holstein. Allerdings blieben auch nach dem Weggang Lafontaines die inhaltlichen Unterschiede zwischen SPD und Linkspartei bestehen, stellte Stegner klar. (ap/ddp)

17:13
Hallo BOerger, Oskar heilig sprechen? Dafür ist er nicht katholisch genug! Da wären ja wohl zuerst die Tiegerenten dran.
20:45
Warum die Aufregung? Lafo wirft mal wieder alles hin und läuft weg. Das ist doch nichts Neues, sonderm im Gegenteil das einzige, was er kann. Bye bye, Oskar, keiner vermisst dich.
17:30
Die SPD Linke jubelt... über was ? Die sollen doch erst einmal zeigen was sie zustande bringen ! Opa Münte ist doch nu weg !!!!
17:01
Nieder mit der bourgoisen Diktatur des neoliberalen und real existierenden Kapitalismus!
Auf die Strassen, zeigen wir den Mitläufern der Ausbeuter wo Hammer und Sichel hängen.Es lebe die Revolution des Prekariats und des neuen Proletariats !
14:14
#50 dasKollektiv,
Du meinst damit bestimmt eine Wiederbegründung der SED bundesweit?
Motto: SPD reicht der LINKE die Vereinigungshand, damit gemeinsam der Klassfeind beseitigt werden kann.
21:13
Jetzt ist der Weg frei um die LINKE und die sPD-Linke zusammen zu schließen. Die gelbe Mafia und die unChristliche DU abzusägen und dem Land das Soziale wieder zu geben!
20:58
in den Geschichtsbücher...
19:59
46 von Online r.kant,
Etwas kurz gesprungen, aber bei Ihren Beiträgen sehe ich es Ihnen nach. Nicht jeder hat politischen bzw. menschlichen Horizont. Manche können noch nicht mal über ihren Fressnapf gucken.
18:51
Wen interessiert das Gehabe von irgendwelchen Linken- oder SPD-Politikern ?
Die sind am Ende; marginalisiert, desorientiert, rückwärtsgewandt.
Vergesst sie und lasst uns die anstehenden Probleme angehen !
17:41
Ich persönlich finde es absolut klasse, dass Lafontaine ausgerechnet jetzt ins Saarland zurück geht. Das wird dazu führen, dass die Grünen aus den Koalitionsverhandlungen mit den Linken aussteigen und es wird wahrscheinlicher, das es eine Koalition von Grünen, FDP und CDU geben wird.
Ich muss den Kommentatoren hier recht geben. Lafontaine ist wirklich ein genialer Stratege. Er sorgt daafür, dass die Linken keinesfalls an die Macht kommen.
Und das ist gut so!