Das aktuelle Wetter NRW 18°C
Politik

SPD geht mit Solidarrente auf Stimmenfang

24.11.2012 | 17:53 Uhr
Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrueck (l. ) und der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel (dapd)
Der designierte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrueck (l. ) und der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel (dapd)

Die SPD zieht mit der Forderung nach einer solidarischen Altersversorgung in die Bundestagswahl 2013. Ein kleiner Parteitag beschloss das Konzept am Samstag einstimmig bei nur vier Enthaltungen.

Berlin (dapd). Die SPD zieht mit der Forderung nach einer solidarischen Altersversorgung in die Bundestagswahl 2013. Ein kleiner Parteitag beschloss das Konzept am Samstag einstimmig bei nur vier Enthaltungen. Danach soll es künftig möglich sein, nach 45 Versicherungsjahren abschlagsfrei in Rente zu gehen. Ferner ist eine Solidarrente von 850 Euro geplant, um Altersarmut zu bekämpfen. Die bisherige Rentenformel will die Partei nicht ändern, im Jahr 2020 sollen aber die Beitragssätze und das Rentenniveau überprüft werden. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bezifferte die Gesamtkosten der Pläne bis 2030 auf 16 Milliarden Euro.

Seine Partei habe damit "als einzige" ein schlüssiges Rentenkonzept vorgelegt, das Wirtschaft und Bildung mit dem Arbeitsmarkt verbinde, sagte Gabriel. Das Papier, mit dem die SPD einen jahrelangen internen Streit beendet, sei "bis in den letzten Ortsverein" hinein diskutiert worden und "kein Formelkompromiss", sagte der Parteichef.

Die Partei habe "nirgendwo eine Rolle rückwärts zur eigenen Regierungspolitik gemacht", sich aber das "Alltagswissen" der Menschen zu eigen gemacht. "Die SPD geht geschlossen in allen zentralen Fragen der Entwicklung Deutschlands und Europas in die Bundestagswahl", betonte Gabriel.

"Wer über Altersarmut reden will, darf über Erwerbsarmut nicht schweigen", fügte der Parteichef hinzu. Daher fordere seine Partei einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Außerdem will die SPD die betriebliche Altersvorsorge massiv unterstützen, die Ostrenten bis 2020 an das Westniveau angleichen und Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente verhindern. Die Rente mit 67 müsse so lange ausgesetzt werden, bis mindestens 50 Prozent der 60 bis 64-jährigen Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Steinbrück beruft sich auf Erhard und Flach

Auch Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sagte, die SPD habe ein "sehr überzeugendes" Papier vorgelegt, die CDU/CSU verfüge dagegen über gar kein Konzept zur Bekämpfung der Altersarmut. Als "Lerneffekt" aus den Exzessen der Finanzmärkte werde er im Wahlkampf für eine Politik werben, die "stärker auf das Gemeinwohl und den Zusammenhalt" der Gesellschaft setze, sagte der frühere Bundesfinanzminister. Die SPD werde die "Grundausrichtung der sozialen Marktwirtschaft" in politische Konzepte gießen, kündigte Steinbrück an und berief sich dabei auch auf den früheren CDU-Kanzler Ludwig Erhard und den Liberalen Karl-Hermann Flach.

Der Kanzlerkandidat, der wegen seiner Nebeneinkünfte als Bundestagsabgeordneter unter Druck geraten war, räumte ein, "schwierige Wochen" hinter sich zu haben. Er werde aber "mit ausgezeichneter Kondition" und "sehr selbstbewusst" die Positionen der Sozialdemokraten im Wahlkampf vertreten. "Die SPD will gewinnen", betonte Steinbrück

Auch die SPD-Linke Hilde Mattheis äußerte "große Zufriedenheit" über das Konzept der Solidarrente: "Wir wollen, dass das Rentenniveau nicht weiter sinkt." Steinbrück werde auf dem Sonderparteitag der Sozialdemokraten am 9. Dezember in Hannover einen "Neustart" hinlegen, zeigte sich Mattheis überzeugt. Steinbrück soll in Hannover offiziell zum Kanzlerkandidaten nominiert werden.

dapd

dapd

Facebook
Kommentare
26.11.2012
13:08
SPD geht mit Solidarrente auf Stimmenfang
von woelly | #1

Der Honorarkanzlerkandidat hat sich ja rechtzeitig um seine Altersvorsorge gekümmert und kann jetzt sorglos darüber reden. Aber wer kann ihm ernsthaft glauben, was er da vorträgt? Das kann ja augenscheinlich Gabriel nicht mal! Auhtentisch kann der Honnorarkanzlerkandidat die "sozialen Botschaften" der SPD niemals rüberbringen.
Die reale Botschaft der CDU/CSU FDP Regierung über eine 11% Rentensteigerung (laut Bild in den neuen Ländern) ist da sehr viel glaubwürdiger!

Umfrage
US-Präsident Barack Obama ist auf Staatsvisite in Berlin. Die Erwartungen sind groß. Ist er noch der Hoffnungssträger, als der er mal gestartet war?

US-Präsident Barack Obama ist auf Staatsvisite in Berlin. Die Erwartungen sind groß. Ist er noch der Hoffnungssträger, als der er mal gestartet war?

 
Fotos und Videos
Massenexperiment Drängeln
Video
Forschung
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Politik
Familie Obama in Berlin
Bildgalerie
Staatsbesuch
Stiller Protest im Stehen
Bildgalerie
Türkei
Aus dem Ressort
Einigung über Fluthilfekosten - für NRW wird's billiger
Fluthilfe
Nach zähem Ringen haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, wie die Fluthilfe gestemmt werden soll. NRW ist mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr dabei - das ist weniger als gedacht, da der Bund alle Kosten für anfallende Infrastrukturhilfen zahlt.
Evangelische Kirche hat nichts mehr gegen Homo-Ehen
Familie
Man muss nicht gegen die Homo-Ehe sein, um die Hetero-Ehe zu retten: Vor der Bundestagswahl skizzieren die Protestanten ein weit gefasstes Familienbild. In ihrer neuen „Orietierungshilfe“ für Familien wird die Ehe als eine Familienform unter vielen beschrieben.