SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert höhere Löhne
12.01.2012 | 16:02 Uhr 2012-01-12T16:02:00+0100
Essen. SPD-Chef Gabriel fordert angesichts der guten Konjunktur in Deutschland deutlich höhere Tarifabschlüsse. „2012 muss das Jahr der fairen Löhne sein.“ Im Interview mit der WAZ Mediengruppe sprach er auch über die Rettung Griechenlands und die Börsensteuer: Gabriel will mit Europapolitik punkten.
Grichenland muss gerettet werden, die Börsensteuer soll kommen. SPD-Chef Sigmar Gabriel will in der Europapolitik punkten. Wie, darüber sprachen mit ihm Walter Bau und Birgitta Stauber-Klein.
Das Thema Euro ist wegen der Kredit- und Medienaffäre des Bundespräsidenten untergegangen, scheint aber wieder an Bedeutung zu gewinnen. Was muss da passieren?
Sigmar Gabriel: Alle Sachverständigen und auch wir als Sozialdemokraten sagen Frau Merkel seit Monaten: allein durch ein gigantisches Sparprogramm quer durch Europa wird die Wirtschaft nicht in Gang kommen. Natürlich müssen die Staatshaushalte in Ordnung gebracht werden. Aber wenn wir nur sparen, führt das dazu, dass die Wirtschaft in den Krisenstaaten zusammenbricht. Wir brauchen dringend ein Programm für Wachstum und Beschäftigung, das man aber nicht über Schulden bezahlt.
Sondern?
Gabriel: Das müssen die Mitverursacher der Krise – die Zocker an den Börsen und in den Banken – über die Börsensteuer bezahlen . Diese Besteuerung der Finanzmärkte ist aber nicht nur aus finanziellen Gründen wichtig, sondern auch aus moralischen: Ich kann jedenfalls den normalen Arbeitnehmern nicht erklären, dass wir bei ihnen sparen oder die Steuern und Gebühren erhöhen und die Verursacher der Finanzkrisen ungeschoren davonkommen lassen.
Aber das ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Gabriel: Selbst die vorsichtigen Schätzungen der EU-Kommission gehen von über 10 Milliarden Euro allein für Deutschland aus. In der Eurozone werden rund 60 Milliarden Euro fließen. Pro Jahr!
Ohne Großbritannien.
Gabriel: Wer erklärt, diese Finanzmarktsteuer dürfe nur mit den Briten gemeinsam eingeführt werden, will in Wahrheit gar keine Besteuerung der Spekulanten. So treibt es die FDP seit Jahren und auch von Frau Merkel hören wir nur Lippenbekenntnisse. Wenn es konkret wird, steht sie mit ihrer CDU genauso auf der Bremse wie die FDP . Dieser Bundesregierung sind im Zweifel die Interessen von Banken und Spekulanten wichtiger als die der Bürger.
London ist immerhin der größte Finanzplatz in Europa.
Gabriel: Ich war mal Umweltminister. Immer wenn wir etwas für den Umweltschutz etwas durchsetzen wollten, kamen die Lobbyisten und haben gesagt, wenn wir das nicht weltweit machen, dann geht es gar nicht. In Wirklichkeit haben andere Staaten immer nachgezogen. Außerdem haben wir jetzt die weltweit stärkste Umweltwirtschaft. Die Eurozone ist so attraktiv, dass sie bei der Transaktionssteuer vorangehen kann . Nun muss die Kanzlerin ihre Richtlinienkompetenz wahrnehmen. Da kann sie nicht auf die Klientelinteressen der FDP Rücksicht nehmen.
Tut sie ja auch nicht
Gabriel: Was Frau Merkel sagt und was sie dann tatsächlich tut, sind in den letzten zwei Jahren meist zwei sehr unterschiedliche Dinge gewesen. Nur wenn der öffentliche Druck auf eine Besteuerung der Finanzmärkte groß genug ist, wird sie nachgeben.
Muss man sich nicht langsam mit dem Gedanken befassen, dass Griechenland aus der Eurozone ausscheiden könnte?
Gabriel: Nein. Denn die Folge wäre, dass dann der nächste Staat in das Visier der Spekulanten käme. Deutschland steht nur deshalb gegenwärtig so gut dar, weil unsere Exportindustrie so stark ist. Und gerade die ist auf den Euro angewiesen. Um Griechenland zu halten, müssen wir die massive Kapitalflucht bekämpfen und Wachstumsprogramme entwickeln.
Was stellen Sie sich darunter vor?
Gabriel:Wir müssen mit den Mitteln der Finanztransaktionssteuer in Bildung, Forschung, Qualifizierung investieren. Wir müssen den Menschen eine Perspektive geben!
In Spanien ist ein Großteil der jungen Leute arbeitslos , obwohl er oft akademisch ausgebildet ist.
Gabriel: Es stimmt, dass die berufliche Bildung in vielen europäischen Staaten viel betriebsferner ist als in Deutschland. Wenn gerade junge Leute Menschen in Südeuropa nur Hoffnungslosigkeit erleben, wie soll dann das gemeinsame Europa in Zukunft Bestand haben? Denn Europa kann man nicht ohne die Jugend gestalten
Wir haben wenig Arbeitslose, die Wirtschaft stemmt sich gut gegen die Krise um uns herum. Ist es nicht an der Zeit, für die Arbeitnehmer mal einen größeren Schluck aus der Pulle zu nehmen?
Gabriel: Ja, wir brauchen höhere Löhne und Gehälter. Das Jahr 2012 muss das Jahr der fairen Löhne sein. Davon sind wir weit entfernt. Das beginnt bei den Mindestlöhnen , der nächste Schritt müssen höhere Tariflöhne sein. Und Leih- und Zeitarbeiter müssen endlich gleich bezahlt werden. Gute Arbeit gibt es nur für guten Lohn. Und für die gleiche Arbeit muss es auch die gleiche Bezahlung geben.
Tarifpolitik ist die eine Sache. Was muss der Staat tun, um die Konjunktur am Laufen zu halten?
Gabriel: Klug ist, die Kurzarbeiterregelung zu verlängern, damit der Staat im Notfall schnell reagieren kann. Das ist sinnvoller, als Geld für das absurde Betreuungsgeld oder Mini-Steuersenkungen zu verpulvern, die niemandem wirklich helfen.
Zur SPD: Es gab einen Parteitag, wo Frau Kraft ein hervorragendes Ergebnis bekam und als die vierte Figur im Kanzlerkandidatenreigen auftauchte. Wie sehen Sie das?
Gabriel: Das Ergebnis zeigt den großen Respekt der SPD gegenüber den Leistungen von Hannelore Kraft. NRW hat für die SPD eine besondere Bedeutung und sie hat es geschafft, nach fünf Jahren Oppositionszeit zurück in die Regierung zu kommen.
Verglichen mit der Union, die mit mehreren Ministerinnen Furore macht, könnte die Troika Gabriel/Steinbrück/Steinmeier etwas altbacken aussehen.
Gabriel: Gott sei Dank hat die SPD mehr zu bieten als nur uns drei Männer. Neben Hannelore Kraft stehen an der Spitze der SPD Manuela Schwesig, Aydan Özoğuz, Andrea Nahles, Barbara Hendricks. Erstmals in der 149 jährigen Geschichte der SPD sind die Frauen in der engeren Parteiführung in der Mehrheit.
Sie streben eine rot-grüne Regierung an als klaren Kontrapunkt zu Schwarz-Gelb. Doch im Saarland läuft alles auf eine große Koalition heraus , in Berlin hat sich eine gebildet, in drei weiteren Bundesländern gibt es sie schon. Gerät die SPD in die Rolle des Partners einer großen Koalition?
Gabriel: Im Saarland haben die Grünen mit CDU und FDP eine jammervolle Regierung gegen die SPD gebildet. Und in Berlin haben sie sich direkt nach der Landtagswahl durch parteiinterne Streiteren selbst zerlegt. Beide Regierungsbildungen sind nicht an der SPD gescheitert. 2013 wird es darauf ankommen, ob die Grünen sich klar zu einer Richtungswahl entscheiden, zu einem Wechsel der Politik. Das geht nur mit Rot-Grün.

11:04
Herr Gabriel verdienen, Pardon bekommen, denn Politiker immer noch nicht genug?
09:36
Herr Gabriel soll sich mal an die Zeit zurück erinnern als die SPD mit Herrn Schröder den Kanzler stellte und es eine rot-grüne Regierung gab. In der Zeit hätte die SPD schon viel bewegen können, geblieben ist Hartz IV und später die Rente mit 67 (Müntefering).
Von diversen Steuerhöhungen (z.B. ÖkO Steuer mal ganz abgesehen.
Was die SPD kann zeigt sich gerade in Oberhausen, Steuern erhöhen. Aber bei der Steuererhöhungspartei (SPD) muss mal natürlich nach höheren Löhnen schreien damit der Bürger das alles stemmen kann.
Die SPD hat Ihre soziale Kompetenz lange verloren eine echte Alternative zur CDU stellt die SPD nicht da. Es ist mittlerweile egal was man in Deutschland wählt, es geht immer nur um lobbyismus, nie um den Bürger.
Noch was, die SPD hat mehrfach betont hinter dem Kurs der damaligen Schröder Regierung zu stehen. Der dauernd Ruf nach Neuwahlen einiger SPD Mitglieder (wg. Wullf) beruht auch nur auf dem Unfrage Hoch der Grünen und nicht an der Stärke der SPD, die seit Jahren bundesweit bei 30 Prozent rumkrebst.
Auf den Punkt gekommen, viel Lärm um nichts Herr Gabriel.
Glück auf.
20:14
Die Griechenlandrettung kommt nicht mehr.
Zu spät
Griechenland hilft sich selber am besten mit dem Euroaustritt
Kann nach der Konsolidierung mit der Drachme wieder gestärkt und wettbewerbsfähig antreten.
Jetzt noch noch zu glauben , da ist noch irgendwas mit Euro und Griechenland zu machen, geht nicht mehr.
Da müßten dann amerikanische Hedgefonds auf Geld verzichten.
Das machen die NIE.
Im Fokus muß nun endlich mal Europa stehen.
Die Einigung Frankreich - Großbritannien - Deutschland ist entscheidend für den Euro.
Das Festhalten Euro/Griechenland unter allen Umständen ist Wahnsinn
20:08
Ehrlich, zu SPDCDUCSUFDPGRÜNE ist ja alles gesagt, da lohnt sich ja die Lektüre diverser Artikel mit immer gleichem Inhalt überhaupt nicht.
Stimme da #8, #9 und #5 und ähnlichen unbedingt zu.
Aber bei den Wahlzetteln sind doch immer so rund 30-40 Parteien drauf.
Wie wäre es denn, die mal zu interviewen? Wird ja Zeit, dass man sich orientiert.
Vielleicht haben da ein paar gute Ideen und die Seilschaften sind nicht so ausgeprägt.
Das Dumme ist ja, dass wenn man nicht wählen geht, die alte Mischpoke weitermacht wie bisher.
Natürlich, die WAZ ist ein SPD Blatt... zumindest bis sie von Bild aufgekauft sind.
Es steht auch gar nicht im Kopf der Website "unabhängig", "überparteilich"... ist also ein Tendenzbetrieb.
19:30
Witzvorschläge! Gabriel und seine Partei sowie die Grünen sollen erst einmal die soziale Schieflage zurückdrehen. Hartz IV, Rente mit 67, Rentenbetrug an den alten Menschen, Auflösung der nicht paritätischen Sozialbeiträge und einiges mehr. Neue Antworten gibt es leider nicht. Also ist Rot-Grün unwählbar. Es gibt keinen einzigen Grund, dass Millionen frühere Wähler zurückkehren. Die Lohnforderungen sollen nur den alten Mist verdecken. Die Bürger haben es satt immer wieder belogen zu werden. Auch die vielen Bevormundungen von Rot-Grün, besonders in Düsseldorf, sind zum Kotzen.
18:38
Haben die Herren Gabriel und Steinmeier aber auch die Grünen Trittin und Künast schon vergessen , das sie ünter Schröder kräftig mit geholfen haben ,daß so viele Menschen in Deutschland durch Harz 4 in Armut und an die Armutsgrenze gebracht haben. .Heute wo sie keine Verantwortung haben,reißen sie den Hals bis hinten auf.
18:22
der populismus diese judas ist zum erbrechen.
16:45
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16:33
Die Forderung ist gut - nur es wird nichts draus.
Ihr von der Hartz-SPD habt mit den Hartz-Gesetzen das Zeitalter der Niedriglöhne eingeläutet und mit Clements 1€ Jobs verfestigt. Mit der Rente 67 weiter ausgebaut .... und nun schreit ihr heiße Luft in die Welt.
Ihr seit mit den Altschröderianerm in euren Reihen weiterhin .... unglaubwürdig !
Säubert euren laden und setzt euch für menschenwürdige Gesetzte ein - dazu gehört Hartz 4 mit Sicherheit nicht.
Sag ich doch auch immer, die sPD-Führung der ehemaligen Schröderära müssen sich wenden (nur einmal um 180 Grad, nichtkreiseln) oder Nachfolger einarbeiten mit Volksvertrauen, statt Kapitalvertreter! Je näher die BTW ansteht, desto zerrissener die Wähler. Die Zeit für euch läuft ab!
16:23
Klar kann man das fordern, wenn die Zeche die anderen bezahlen müssen.
Hat Herr Gabriel für sein prall gefülltes Portemonnaie schonmal einen einzigen Tag in seinem Leben mit den eigenen Händen gearbeitet? Wohl eher nicht, wenn man genau hinsieht.
Populismus übelster Sorte ist sowas...