Soziale Marktwirtschaft hat einen Preis

Zehn Jahre wurde erbittert gestritten, jetzt kommt der gesetzliche Mindestlohn. Die Neuregelung ist nicht unproblematisch, aber sie ist überfällig. Es ist schlicht unerträglich, wenn Arbeitnehmer trotz Vollzeit zum Aufstocken ihres Gehalts ins Amt rennen müssen. Wer ordentlich arbeitet, muss auch ordentlich bezahlt werden. Das Prinzip der sozialen Marktwirtschaft hat nicht nur einen Wert, sondern auch einen Preis.

Das Geschäftsmodell, dass der Staat Billigarbeit mit Zuschüssen subventioniert, ist auf Dauer nicht tragfähig. Auch führt Lohndumping später direkt in die nicht ausreichende Mini-Rente. Altersarmut wird so für immer mehr Menschen zur realistischen Schreckensvision.

Die Wirtschaft warnt vor steigenden Arbeitslosenzahlen, wenn Friseure und Paketfahrer künftig besser bezahlt werden. Auch ist die Sorge um den Erhalt von Praktikanten-Stellen nicht unbegründet. Und auch die Zunahme der bürokratischen Kontrollen wird zur Belastung. Trotzdem bleibt der Mindestlohn in einer vernünftigen Güterabwägung richtig. Wer auch abseits von Festtagsreden den Spruch „Leistung muss sich lohnen“ mit Leben ausfüllen will, darf einen Stundenlohn unter 8,50 Euro nicht akzeptieren: 1400 Euro Bruttolohn im Monat sind sicher kein Luxusgehalt.

Die Einführung eines Mindestlohns ist kein Ausdruck von Sozialromantik. Eine angemessene Bezahlung dient nicht zuletzt dem sozialen Frieden in einer Gesellschaft. Lohndumping mit Stundenlöhnen von drei Euro ist in einem reichen Land unzumutbar. Für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft spielt der Mindestlohn keine Rolle: Für konkurrenzfähige Produkte sind gute Ideen in der Regel wichtiger als die Lohnkosten.