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Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten

09.10.2012 | 18:00 Uhr
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
Etwa 1000 Vorträge hielten Jugendoffiziere der Bundeswehr 2010 an Schulen in NRW.Foto: Norbert Millauer/dapd

Düsseldorf.   Die NRW-Grünen wollen verhindern, dass die Bundeswehr Schüler einseitig beeinflusst und gibt Friedensinitiativen mehr Raum. Damit soll "Waffengleichheit" in Klassenzimmern herrschen. CDU-Fraktionschef Laumann warnt derweil davor, Offiziere als Kriegstreiber darzustellen.

Mit der Kampagne „Schulfrei für die Bundeswehr“ macht die Lehrergewerkschaft GEW seit langem Front gegen Vorträge von Jugendoffizieren im Klassenzimmer. Die Abwehr zeigt erste Erfolge: Künftig soll in NRW-Schulen „Waffengleichheit“ herrschen zwischen Bundeswehr und Friedensinitiativen.

Von 2008 bis 2010 fanden an NRW-Schulen jeweils rund 1000 Veranstaltungen wie Vorträge oder Podiumsdiskussionen der Bundeswehr statt. Die Termine kamen auf Initiativen der Schulen zustande. Kritiker fürchten aber, dass die Bundeswehr nach dem Ende der Wehrpflicht unter Nachwuchssorgen leidet und die Armee in Schulen „ein Verhalten zeigt, das über die politische Bildung hinausgeht".

In der Antwort auf eine FDP-Anfrage räumte das Ministerium allerdings ein, dass der Landesregierung über ein Fehlverhalten „keine Informationen“ vorliegen.

Grüne: Kritik muss möglich sein

In der neuen Kooperationsvereinbarung zieht die rot-grüne Koalition nun enge Grenzen für Uniformträger. So dürfen Jugendoffiziere künftig nicht mehr in der Lehrerausbildung aktiv werden. Und bei Info-Terminen der Bundeswehr in der Schule müssen „die verantwortlichen Lehrkräfte zu jeder Zeit durchgehend anwesend sein“ und für das Gleichgewicht der Organisationen sorgen.

Die grüne Schulexpertin Sigrid Beer will damit verhindern, dass die Bundeswehr Schüler einseitig beeinflusst. Bei Themen wie Auslands-Einsätzen in Afghanistan sollen auch kritische Stimmen Gehör finden. Zudem muss die Bundeswehr jeweils zum Schuljahresbeginn einen schriftlichen Bericht über die Umsetzung des Vertrags ans Ministerium schicken.

Kommentar
Ziel bleibt der mündige Bürger

Natürlich sind Vorträge der Bundeswehr in Schulen rechtlich zulässig, aber die grüne NRW-Schulministerin Löhrmann wollte auf Drängen der Gewerkschaften zumindest die Hürden erhöhen. Die Vereinbarung, neben der Bundeswehr auch Friedensgruppen in die Klassen zu holen, ist demokratisch.

Der FDP-Sicherheitsexperte Marc Lürbke erinnerte an die Aufgabe der Bundeswehr „als bürgerliche Armee in einer Demokratie“. Deshalb müsse ihr die Gelegenheit geboten werden, Schülern unter pädagogischer und fachlicher Begleitung sicherheitspolitische Bildung zu ermöglichen.

Einsatz eines Schießsimulators für Schüler hat es in NRW nie gegeben

CDU-Fraktionschef Karl-Josef Laumann warnte davor, Offiziere in die Nähe von Kriegstreiberei, Gewaltverherrlichung und Militarismus zu rücken. „Die Arbeit von Bundeswehroffizieren an NRW-Schulen hat sich bewährt“, sagte Laumann dieser Zeitung. „Die grünen Volkserzieher müssen vor den Schultoren halt machen.“

Auswüchse wie in anderen Bundesländern etwa mit dem Einsatz eines Schießsimulators oder mit simulierten Handgranatenwürfen hat es in NRW nicht gegeben. Auf Wunsch der Schule können Jugendoffiziere aber Karriereberater der Bundeswehr mitbringen. In der Regel findet die Information „über die zur Friedenssicherung möglichen Instrumente der Politik und die Aufgabenstellung der Bundeswehr“ im normalen Unterricht der Sekundarstufe I und II (Klassen 5 bis 13) statt.

Beutelsberger Konsens: Jede einseitige Beeinflussung der Schüler ist verboten

Das NRW-Schulministerium verweist auf den „Beutelsberger Konsens“, der in Schulen jede einseitige Beeinflussung der Schüler untersagt. Der alte, von Schwarz-Gelb beschlossene Kooperationsvertrag hatte die „Intensivierung“ der Zusammenarbeit im Rahmen der politischen Bildung zwischen Schulen und Bundeswehr betont. Für Rot-Grün in NRW steht jetzt die „Entwicklung der Friedensgesinnung“ der Schüler im Vordergrund.

Wilfried Goebels



Kommentare
11.10.2012
07:27
Grundgesetzwidrig
von Stefan2 | #8

Ich hätte weniger Probleme mit einer Bundeswehr, die sich ans Grundgesetz hält. Die gegenwärtige Bundeswehr beteiligt sich aber grundgesetzwidrigen Auslandseinsätzen wie in Afghanistan und im Kosovo. Sie unterstützt Terroristen und die Vorbereitung von Angriffskriegen, unter anderem indem ein Schiff der Bundesmarine - ebenfalls grundgesetzwidrig - Ziele auf dem syrischen Festland ausspäht.

10.10.2012
18:06
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von EU4ever | #7

Sehr gute Entscheidung.
Wenn Werbeoffiziere einen tollen Abenteuerurlaub mit Hubschrauber fliegen und Piratenschiffchen versenken versprechen und das ganze auch noch dreist als die Aufgabe der Bundeswehr ausgeben, muss auch Platz für eine Gegendarstellung sein.

10.10.2012
14:00
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von IRGendwer81 | #6

@1: Immer die gleiche Leier, Bananenrepublik und so, langweilt. Das die Bundeswehr sich in den Schulen vorstellt ist genauso richtig wie Polizei, Feuerwehr und Zoll. So bekommen die Schüler eine Vorstellung über hoheitliche Aufgaben.
Sicherlich sollte das Ganze ausgewogen und sachlich gestaltet werden. Werd hier von Kriegsmachinerie sprich hat das Prinzip einen souveränen Staates nicht begriffen.

1 Antwort
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von meinemeinungdazu | #6-1

Genau das ist falsch. Polizei, Feuerwehr und Zoll oder sogar die Kirche kein Problem. Aber niemals Bundeswehr. Oder hat Deutschland aus seiner Vergangenheit nichts gelernt? Ich würde jedenfalls meine Kinder aus der Schule holen. Militärinteressen haben da nichts zu suchen. Man muss nur überlegen, was sich hinter Militär verbirgt?: Gewalt, Tod, Leid, Verkrüppelungen, geistiger Zerfall. Nein, das will ich eben nicht.

10.10.2012
13:55
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von eisenkopf | #5

Die Bundeswehr hat eine wichtige Rolle in unserem Staat und der Bürger in Uniform ist ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaftsordnung.

Zitat: "Die grüne Schulexpertin Sigrid Beer will damit verhindern, dass die Bundeswehr Schüler einseitig beeinflusst."

Ich lach mich schlapp, in den Lehrerkollegien ist ja wohl rot und besonders grün deutlich überrepräsentiert. DA wird einseitig beeinflusst!

4 Antworten
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von eisenkopf | #5-2

@Archie

Heißt Ihre Tochter "Porsche"? Was Sie so alles herauslesen, damit könnten Sie auf der Kirmes richtig Geld verdienen.

Zum Thema: Zu einem demokratischen Staat gehört eine Armee, die von den Bürgern akzeptiert und als Teil des Staatsgebildes anerkannt wird. Dazu gehört auch, dass das Thema Bundeswehr in der Schule nicht nur durch Lehrkörper behandelt wird.

Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von artie_aus_essen | #5-3

Volle Zustimmung!

Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von ArchieLeach | #5-4

"Zu einem demokratischen Staat gehört eine Armee....." .

Ist das so eine Art göttliches Gesetz?

10.10.2012
13:39
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von Goldbeck | #4

Wenn die Bundeswehr sich und ihre Aufgaben in Schule vorstellt, dann finde ich dies genau so wenig verwerflich als ob sich Zoll oder Polizei vorstellen würden.

10.10.2012
13:08
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von kuba4711 | #3

Schule und Militär?
Sind wir inzwischen in Nord -Korea,oder wie???

10.10.2012
12:59
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von wohlzufrieden | #2

Erinnert mich an den Film: "Die Brücke."

10.10.2012
12:48
Soldaten dürfen nur noch begrenzt Schulvorträge halten
von meinemeinungdazu | #1

Militär hat in den Schulen gar nichts zu suchen. Es ist eine bodenlose Frechheit. In welcher Bananenrepublik leben wir eigentlich inzwischen?

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