Soko "Kanister" fahndet nach den Brandstiftern von Tröglitz

Das Haus ist nach dem Brandanschlag unbewohnbar. In Tröglitz machen Rechtsextreme seit Monaten Stimmung gegen Asylbewerber.
Das Haus ist nach dem Brandanschlag unbewohnbar. In Tröglitz machen Rechtsextreme seit Monaten Stimmung gegen Asylbewerber.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach dem Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Tröglitz befragt die Soko "Kanister" die Einwohner der Stadt. 20.000 Euro Belohnung für Hinweise.

Tröglitz/Erfurt.. Auf der Suche nach den Brandstiftern von Tröglitz geht die Polizei am Mittwoch von Tür zu Tür und befragt die Einwohner. Die Beamten der eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe mit dem Namen "Kanister" suchen so nach Hinweisen auf den oder die Täter, wie der Direktor des Landeskriminalamts (LKA), Jürgen Schmökel, mitteilte. Er bat die Tröglitzer um Unterstützung.

Am Dienstag hatten LKA und Innenministerium eine Belohnung in Höhe von 20.000 Euro für Hinweise zur Aufklärung des Anschlags ausgesetzt. Am Ostersamstag hatten Unbekannte in Tröglitz ein Wohnhaus angezündet, in dem Flüchtlinge unterkommen sollten.

Rechtsextreme machen seit Monaten Stimmung gegen Asylbewerber

Bislang ermittelten die Beamten laut Schmökel in alle Richtungen. Vermutet werde aber, dass der Anschlag aus dem rechten Spektrum kam. Der oder die Täter waren in das Haus eingebrochen und verteilten dort Brandbeschleuniger. Das Feuer machte das Haus unbewohnbar. Zwei Bewohner brachten sich rechtzeitig in Sicherheit. Konkrete Spuren hat die Polizei noch nicht.

Ausländerfeindlichkeit In Tröglitz mit seinen rund 2700 Einwohnern hatten Rechtsextreme seit Monaten Stimmung gegen die Asylbewerber gemacht. Wegen der Anfeindungen und aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung trat im März Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) zurück. Gegen alle Proteste der rechten Szene halten das Land und der zuständige Burgenlandkreis daran fest, in dem Ort 40 Asylbewerber unterzubringen.

De Maizière: "Tröglitz ist nicht überall"

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) setzt auf eine starke Bürgergesellschaft zum Schutz von Flüchtlingen. "Meiner Meinung nach ist Tröglitz nicht überall", sagte er am Mittwoch beim Besuch des Technischen Hilfswerkes in Erfurt. Man dürfe die Sorgen der Menschen nicht kleinreden und müsse entschlossen gegen alle vorgehen, die Gewalt ausüben. "Wir wissen um unsere Verantwortung." Aktionspläne seien jetzt nicht so gefragt wie gutes handfestes Arbeiten von Bürgermeistern, Initiativen und den Menschen vor Ort. "Die Bürgergesellschaft ist sehr stark."

Zuvor hatte der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, mit Blick auf eine steigende Zahl von Übergriffen auf Flüchtlingsheime gesagt: "Tröglitz ist überall." In der Ortschaft im Süden Sachsen-Anhalts hatten Unbekannte am Ostersamstag ein noch leer stehendes Heim für Flüchtlinge in Brand gesetzt.

De Maizière erinnerte daran, dass Deutschland im vergangenen Jahr 200.000 Flüchtlinge aufgenommen habe. In diesem Jahr würden es um die 300.000 oder mehr. "Wir sind das Land mit den meisten Asylanträgen weltweit." Ein Drittel der Asylanträge in Europa würden in Deutschland gestellt - "und wir haben das geschultert". Dies geschehe allerdings "mit Ach und Krach und teilweise auch mit Streit". Zugleich betonte der Innenminister: "Wir werden nicht denen recht geben, die daraus rechtsextremes Kapital schlagen wollen." (dpa)