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So sinnvoll ist die Großelternzeit

27.09.2012 | 19:18 Uhr
So sinnvoll ist die Großelternzeit
Kinderwagen schieben im Alter: Deutlich über 90 Prozent der Deutschen wünschen sich das.Foto: Sascha Schürmann/dapd

Essen.   Familienministerin Kristina Schröder plant die Berufspause für Oma und Opa. Aber sind die nicht eh in Rente? Und lieber auf Reisen, als sich um die Enkelkinder zu kümmern? Die Soziologie weiß Antwort.

Meinungsverschiedenheiten sind keine Seltenheit, wenn Eltern und Großeltern sich um die Kinder kümmern. Es fängt bei der Schokolade an und hört bei der Selbstwahrnehmung nicht auf: Zwei Drittel der Großeltern behaupten, dass sie sich in der Betreuung ihrer Enkel engagieren. Das bestätigt aber nur ein Drittel der Eltern. Klärungsbedarf? Die Soziologie gibt Antwort auf verbreitete Missverständnisse.

Vorlesen? Die Älteren wollen heute doch viel lieber reisen als Kinder zu betreuen.

Unsinn. Schon bei den 40- bis 54-Jährigen halten 92 Prozent die Großelternschaft für wichtig oder sehr wichtig. In der Altersgruppe darüber steigt der Wert sogar noch auf 95 Prozent. Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Den Frauen sind Enkelkinder laut Umfrage wichtiger als den Männern.

Wozu jetzt eine Großelternzeit? Die meisten Omas und Opas sind doch sowieso in Rente.

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Mehr Kitas statt Großelternzeit - von Birgitta Stauber-Klein

Geht es nach der Bundesregierung, dürfen Großeltern künftig noch mal eine Auszeit aus dem Beruf nehmen, wenn sie ihre Enkel hüten wollen. Dabei gibt es bei der Familienpolitik ganz andere Baustellen. Ein Kommentar

Falsch. Wenn man davon ausgeht, dass die Deutschen bei der Geburt ihres ersten Kindes 25 bis 35 Jahre alt sind, dann werden sie im Alter zwischen 50 und 70 Großeltern. Längst nicht jeder ist also in Rente. „Immerhin 24 Prozent der Großeltern, die Ihre Enkel einmal im Monat oder öfter betreuen, sind erwerbstätig“, sagt Robert Naderi vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung.

Junge Familien ziehen heute weit weg von den Großeltern.

Ja, aber nicht alle: Ab etwa zwei Stunden Fahrt ist eine regelmäßige Betreuung kaum noch möglich. So weit weg wohnen aber nur etwa zehn Prozent der Enkel. Zwei Drittel hingegen haben ihre Großeltern sogar in derselben Gemeinde wohnen – beste Voraussetzung für Betreuung durch Oma und Opa.

So wichtig wie die Politik nun vorgibt, ist der Beitrag der Großeltern nun auch wieder nicht.

Das mag in vielen Familien zutreffen – aber was ist, wenn die Familie zerbricht? „Für die Alleinerziehenden“, sagt Walter Biel vom Deutschen Jugendinstitut, „ist die Unterstützung der Großeltern ganz wichtig.“

Ist es überhaupt gut, wenn Kinder mehr von den Großeltern betreut werden?

Vor zwei Jahren fanden britische Kinderärzte heraus: Unter Kindern, die von ihren Großeltern betreut werden, gab es 34 Prozent mehr Übergewichtige als unter denen, die in die Krippe gingen. Also Vorsicht mit der Schokolade! Aber bitte keinen Streit. „Es ist gut, wenn Kinder in unterschiedlichen Kontexten aufwachsen, in denen ihnen unterschiedliche Regeln gesetzt werden“, sagt der Soziologe Biel. „Allerdings dürfen sich Eltern und Großeltern nicht gegenseitig Vorschriften in Erziehungsfragen machen.“

Achim Beer



Kommentare
29.09.2012
16:47
In meiner Umgebung ...
von Partik | #4

... sind die Großeltern eher eine Art Notfallversicherung denn echte Betreuer.

Das Kind wird mal für einen Abend oder ein Wochenende abgeliefert, aber das war es auch schon. Und das auch nur bei den eher stationär lebenden Großeltern.

Da die mir bekannten Rentner aber in der Tat oft sehr reiselustig sind, und einen erstaunlich vollgestopften Tag haben, wäre eine direkte Betreuung nach KITA-Art gar nicht möglich.

Hier mal einen Tag, dort mal ein Wochenende - ok. Das klappt schon. Aber täglich die KITA ersetzen würde schon an der Anspruchshaltung an das eigene Leben der Senioren scheitern.

Es ist erstaunlich, wie viele Senioren mittlerweile konsequent sagen, dass ihr Leben an erster Stelle steht, und sie nicht die nächste Generation auch noch dauerbetreuen wollen/können. Kann aber auch daran liegen, dass Kinder heute deutlich anstrengender sind, mehr beschäftigt und herumgefahren werden müssen/wollen.

28.09.2012
17:50
Alter Schwede
von wohlzufrieden | #3

Aus dem konservativ, neo-liberalen Lager war bis jetzt doch nur zu hören: "Alte, gebt den Löffel ab." Jetzt heißt es: " Alte, lasst den Schraubenzieher fallen, um euch um eure Enkel zu kümmern!" Ja, dann spart der Staat Geld für Kitas und Leistungsbezogene Bezahlung der Betreuer , das er seinen Politikern und ihren Günstlingen aus der Wirtschaft in die großen Taschen stecken kann.

28.09.2012
14:38
So sinnvoll ist die Großelternzeit
von michalek | #2

Es ist schlimm das der Staat auch noch Versucht die größten Selbstverständlichkeiten per Gesetz zu regeln.
Seit Jahrzehnten sind und konnten die Großeltern für ihre Enkelkinder da sein. Man sollte lieber dafür Sorge tragen das eine erkennbare Steuerentlastung erfolgt und die Lebenshaltungskosten erschwinglich bleiben.
Als wenn wir zur Zeit keine wichtigeren Themen haben.

28.09.2012
14:30
So sinnvoll ist die Großelternzeit
von Juelicher | #1

Im Artikel heißt es: "Immerhin 24 Prozent der Großeltern, die Ihre Enkel einmal im Monat oder öfter betreuen, sind erwerbstätig“ Was bedeutet dies? Sind wirklich beide Großeltern erwerbstätig? Wer ist davon vollzeitig erwerbstätig? Bei den über 50-jährigen Großmüttern dürfte die Vollzeiterwerbquote - insbesondere hier im Ruhrgebiet - außerordentlich niedrig sein. Die wenigsten Frauen dieser Altersgruppe sind nachdem sie Kinder bekamen, nochmals ganztägig arbeiten gegangen. Deshalb dürfte die Großelternzeit zum jetzigen Zeitpunkt nur für relativ wenige Menschen überhaupt eine Überlegung sein. Durch die gewollten Beschränkungen wird sie zur öffentlichkeitswirksamen Farce.

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