So kassieren Schleuser ab

Rom..  In Sizilien hat die italienische Justiz eine aus Afrikanern ­bestehende Bande von Schleusern ausgehoben; unter den mehr als 20 Verhafteten sind auch ein Äthiopier und ein Eritreer, die zu den Hauptorganisatoren der Flüchtlingsfahrten zwischen Libyen und Italien gehören sollen. Den Ver­hafteten werden nicht nur der Tod von 900 Menschen, die unmenschliche Behandlung einiger zehn­tausend Flüchtlinge vorgeworfen, sondern auch illegale Finanzoperationen großen Stils.

Staatsanwalt Maurizio Scalia sagte in Palermo, gegen viel Geld organisierten die Schlepper sogar die Weiterreise der Flüchtlinge nach Mittel- und Nordeuropa. Die Bande kassiert Scalia zufolge vierfach: „Zuerst 5000 Dollar für die Durchquerung der Sahara in Richtung Libyen; für die Fahrt übers Meer sind 1500 Dollar fällig. Sobald die Ausländer die Aufnahmezentren in Italien verlassen haben, müssen sie zwischen 200 und 400 Euro fürs Untertauchen zahlen, und noch einmal 1500 Euro für die Weiterreise zu ihren Angehörigen nördlich der Alpen.“ Ein einziger Transport übers Meer, so die Staatsanwaltschaft, könne den Schleppern so eine Million Euro an Einnahmen verschaffen. Insgesamt, so Regierungschef Matteo Renzi, ­hätten italienische Ermittlungen in den letzten Monaten zur Verhaftung von 976 Schleppern geführt.

Bei den ab­gehörten Telefonaten hätten die Schlepper mit ihrer „guten Arbeit” geprahlt, so der Staatsanwalt. Einer sagte: „Mir werfen sie immer vor, ich stopfte zu viele Leute auf die Boote, aber sie selber wollen ja immer gleich sofort losfahren, und ich erweise ihnen den Gefallen.“