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Sitzenbleiben ist für Löhrmann "Lebenszeitverschwendung"

17.02.2013 | 19:13 Uhr
Sitzenbleiben ist für Löhrmann "Lebenszeitverschwendung"
Eine große Mehrheit der Deutschen ist dagegen, das Sitzenbleiben abzuschaffen.Foto: dapd

Düsseldorf/Berlin.   Ist das Sitzenbleiben in der Schule noch sinnvoll? NRW setzt schon länger auf Fördern statt Sitzenbleiben. Niedersachsen geht noch weiter. Bayern hält Durchfallen für wichtiges pädagogisches Prinzip.

Anders als die rot-grüne Koalition in Niedersachsen will NRW nicht generell das Sitzenbleiben schwacher Schüler abschaffen. Allerdings beobachtet die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann die aufgekommene bundesweite Debatte um Sinn und Zweck von Ehrenrunden mit Gelassenheit. Grund ist die Entwicklung im bevölkerungsreichsten Bundesland: Während vor zehn Jahren noch 4,5 Prozent der Schüler wiederholen mussten, waren es im Schuljahr 2011/2012 nur noch 2,1 Prozent. Das geht aus der amtlichen Schulstatistik hervor.

„Reine Zeitverschwendung“

Tatsächlich bemühen sich die Schulen in NRW seit Jahren intensiv um die Förderung schwacher Schüler, um Ehrenrunden überflüssig zu machen. Die sind für Löhrmann ohnehin reine „Lebenszeitverschwendung“. An Gesamtschulen werde bereits auf das Durchfallen verzichtet, sagte die Ministerin weiter.

Niedersachsen will nun noch weiter gehen und das Sitzenbleiben komplett abschaffen. SPD und Grüne haben in ihrem Koalitionsvertrag als Ziel festgeschrieben, „Sitzenbleiben und Abschulung durch individuelle Förderung überflüssig (zu) machen“. Das gehe allerdings nicht von heute auf morgen, sagte die designierte niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). Sie verwies auf die guten Erfahren an Gesamtschulen: „Wir haben dort die niedrigste Schulabbrecherquote überhaupt“. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Stephan Dorgerloh (SPD), lobte das Vorhaben. Mehrere Landesregierungen bereiten ähnliche Reformen vor.

„Wer das Ziel verfehlt, muss nachsitzen“

Bayern lehnt allerdings das Ende der Ehrenrunde ab: „Das ist bildungspolitischer und pädagogischer Populismus“, erklärte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Der bayrische Realschullehrerverband verwies auf das alte pädagogische Prinzip: „Wer das Ziel verfehlt, muss nachsitzen“.

Bundesweit wiederholen pro Jahr etwa zwei Prozent aller Schüler eine Klasse. In den vergangenen Jahren haben eine ganze Reihe von Ländern entschieden, das Durchfallen ganz oder zumindest teilweise für bestimmte Jahrgangsstufen oder Schulformen zu streichen. In Hamburg zum Beispiel ist Sitzenbleiben zurzeit in den Klassen 1 bis 9 abgeschafft, bis 2017 soll das für alle Klassen gelten. Das rot-grün regierte Rheinland-Pfalz will in einem Modellversuch den Verzicht aufs Sitzenbleiben testen. „Das ist im Koalitionsvertrag festgeschrieben“, sagte der Sprecher des Bildungsministeriums, Wolf-Jürgen Karle. In Berlin müssen nur Gymnasiasten und – im Ausnahmefall – Grundschüler befürchten, eine Klasse wiederholen zu müssen. Auch in der kürzlich von Grün-Rot in Baden-Württemberg eingeführten Gemeinschaftsschule können die Kinder nicht mehr durchfallen.

Birgitta Stauber-Klein



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Kommentare
Kommentare
20.02.2013
12:59
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von KuKu | #33

Hier tobt sich ja der Möchtegern-Pädagogen-Mob ja so richtig aus, ohne Sachverstand und ohne Ahnung. Kurze Hausaufgabe für diese "Pädagogen": Finden und vergleichen Sie mal die Länder (kleiner Hinweis, ich meine nicht Bundesländer), die in der Pisa-Studie ganz vorn stehen und versuchen Sie mal herauszufinden, wie das dort mit dem Sitzenbleiben ist. Wenn Sie das herausgefunden haben, setzen Sie sich still in Ecke und denken nochmal nach. Viel Erfolg.

20.02.2013
10:08
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von qiesel | #32

Ich habe mich heute als LKW Fahrer beworben.....wieso ich nach Klasse 5 abgegangen wäre....



Das Privileg gabs doch schon an Gymnasien in Absprache mit den Eltern....jetzt dürfen alle nicht mehr sitzen bleiben? Schön ....alles richtig gemacht nach Klasse 5. Muaahahahha

19.02.2013
13:44
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von hobbitt | #31

#29
Dito, denn "an Gesamtschulen werde bereits auf das Durchfallen verzichtet". Ergo: an NRW-Gesamtschulen sind die Zensuren so geschönt, dass keiner durchfällt, denn nicht alle Schüler sind gleich und so manchem tut eine Ehrenrunde gut. Das ist auch die Meinung von einigen Erziehungswissenschaftlern oder Pädagogen, die wissen, wovon sie reden!!!
#24
Herrlich!
Ich hätte es mir nicht schöner ausmalen können, unser Leben im Zeitalter der Egalität.
#30
Manche Schüler sind einfach stinkefaul und uneinsichtig, besonders Jungen in der Pubertät und da ist ein kleiner Warnschuss nicht schlecht, um das Gehirn in der Birne wieder auf Sendung zu bringen!
Diese Schüler sind dann in der Wiederholklasse ganz gut etabliert, weil sie älter und reifer sind und das macht das Sitzenbleiben für diese Jungen durchaus zu einem positiven Ereignis in ihrem bisherigen Schülerleben.

19.02.2013
12:35
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von Juelicher | #30

Meines Wissens ist das Sitzenbleiben ein typisch deutsches Phänomen, das es in den meisten andern Ländern in dieser Form nicht mehr gibt.
Dort setzt man auf die gezielte Förderung in den jeweiligen Mangelbereichen der Schüler, um sie an den normalen Leistungsstand heranzuführen. Dass erscheint zumindest sinnvoller zu sein, als das reine Wiederholen einer Klasse. Gerade Pädagogen müssten das eigentlich wissen, sofern sie sich etwas Grundlagenforschung befassen.
Das Problem dürfte darin liegen, die für eine solche Umsteuerung notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

18.02.2013
23:52
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von schRuessler | #29

Interessant ist, dass die versammelten Bildungs-Experten hier nicht einmal in der Lage sind, einen Zeitungsartikel richtig zu lesen.

Es ist nicht Frau Löhrmann, die das Sitzenbleiben grundsätzlich abschaffen will, sondern ihre Kollegin in Niedersachsen.
In NRW ist gleiches nicht geplant: "Anders als die rot-grüne Koalition in Niedersachsen will NRW nicht generell das Sitzenbleiben schwacher Schüler abschaffen" heißt es bereits im ersten Satz des Artikels.

In NRW versucht man durch besondere Förderung schwachen Schülern die Ehrenrunde zu ersparen. Was ist dagegen einzuwenden?

2 Antworten
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von Codemancer | #29-1

Sie versteifen sich so sehr auf das geschrieben Wort, dass Sie übersehen, was die Aussagen der Frau Löhrmann für letztendliche Konsequenzen haben kann. In den letzten zehn Jahren hat die politische Geschichte gezeigt, dass sobald einer der Pappnasen da oben einmal auf eine Idee kommt, diese auch mit voller Inbrunst vor die Wand fährt.

Im Falle unseres Bildungssystems:
Die Verkürzung der Schulpflicht - Ups, wir haben auf einmal viel zu viele Abiturienten für unsere Unis....
Einführung des Ganztagsunterrichts in der Grundschule - Ups, wir haben weder das Personal dafür noch sind die Kinder in dem Alter dazu in der Lage, so lange dem Unterricht zu folgen.

Was beim Einstampfen der Hauptschulen bei rum kommen wird, steht noch aus. Die aktuell wachsenden Anmeldezahlen bei den Gesamtschulen sehe ich schon mal als eines der Symptome dieses Entschlusses.

Und auch beim Sitzenbleiben wird NRW zuschlagen und daneben greifen.

Codemancer | #29-1
von schRuessler | #29-2

"Sie versteifen sich so sehr auf das geschrieben Wort,......"

Sie kritisieren also ernsthaft, dass ich mich auf die im Artikel genannten Fakten beziehe, statt wie Sie und andere, hier wild zu spekulieren.

Das lohnt sich gar nicht zu kommentieren.

18.02.2013
21:33
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von Pucky2 | #28

Komisch bei den Grünen sind doch so viele Lehrer, da muss doch einer dabei gewesen sein, der Frau Löhrmann mal erklärt, warum die "Ehrenrunde" pädagogisch sinnvoll ist.

Wenn ich als Schüler den Stoff eines Schuljahres nicht beherrsche, wie will ich dann den darauf aufbauenden Lernstoff begreifen? Sitzenbleiben ist doch keine Strafe, sondern gibt dem Schüler die Möglichkeit, die Anforderungen der kommenden Schuljahre zu bewältigen.

Die meisten "Sitzenbleiber" machen dies ja auch nur einmal, was zeigt, dass die Methode hilft.
Was Frau Löhrmann da will ist auf dem Papier ganz nett, da alle ein paar Jahre durch die Schulen getrieben werden. Aber vom Wissen her produziert sie so noch mehr "Schulversager", da die Wissenslücken zum Ende der Schule dann riesig sind.

Die Kinder sind die Leidtragenden, sie kommen nicht auf Unis und bekommen keine Ausbildung und das Zeugnis ist überhaupt nicht mehr aussagekräftig, da alles nur noch geschönt wird.

1 Antwort
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von weissnichts | #28-1

Dem ist nichts mehr hinzuzufuegen.

18.02.2013
18:25
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von GregoryHouse | #27

Wo bleibt der Sinn der Schule, wenn es egal ist, ob man etwas lernt oder nicht? Eine Bildungsministerin, die ihr Ministerium anscheinend nicht versteht, ist genau so untragbar wie eine Frau Schavan. Da ich drei schulpflichtige Kinder habe, wage ich zu behaupten, daß das Bildungssystem in NRW ein schlechter Witz ist!

18.02.2013
16:52
Folgen...
von lyx7 | #26

Interessant: Vergleichsstudien zeigen, dass die Schülerleistungen gerade in denjenigen Bundesländern auffallend schlecht sind, in denen rot-grüne Bildungsminister ihre Vorstellungen lange Jahre umsetzen konnten: Berlin, Bremen, Hamburg, NRW, Hessen, Schleswig-Holstein. Ganz offensichtlich fördert das klare Durchgreifen bei Faulheit und Fehlverhalten (wie z.B. in Bayern) eben doch die Leistungsbereitschaft bei den meisten Schülern. Interessant auch, dass Ausbildungsbetriebe lieber Haupt- und Realschüler einstellen als Gesamtschüler - denen mangelhafte Kenntnisse und Leistungsbereitschaft attestiert werden. Aber selbstverständlich interessiert dies unsere selbst ernannten Bildungs-"Experten" nicht.

18.02.2013
16:49
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von Mell234 | #25

Nach "Freibier für alle" nun eben "Ahbituhr für alle". Die SPD macht das schon.

18.02.2013
16:42
Hobbitt | #22 - „Ich warte auf die Nachricht, dass jeder Schüler sein Abitur...
von TreuerLeser | #24

...mit Vollendung des 18. Lebensjahres persönlich...bekommt.“

Schlagen Sie vor.

Angesichts mancher Vorstellungen bin ich gedanklich schon seit längerem etwas weiter als Sie.

Meine Überlegung: Wäre es nicht sinnvoll, jedem/r Schüler/in mit erfolgreicher Beendigung der Schulzeit oder spätestens zum 19. Geburtstag gleich einen akademischen Abschluß/Grad zuzuerkennen?

Wer sich immer für Tiere interessierte, wird als Tierarzt/-ärztin anerkannt, wer früher gerne mit Bauklötzen spielte, wird Bauingenieur/in, wer gerne zeichnete, Diplomdesigner/in etc.

Der Sohn/Enkel der Familie Hoppenstedt wird Atomphysiker.

Bedienstete der Universitäten können dann für frühkindliche und schulische Ganztagsbetreuung (24/7) eingesetzt, die entsprechenden Liegenschaften zu KiTas/Schulen umgebaut werden.

Geringfügige Probleme der so kreierten „Akademiker“ (z. B. Tierarzt/-ärztin hat noch nie eine Kuh gesehen) im späteren Beruf sollten unter gesamtgesellschaftlichen Aspekten toleriert werden.

1 Antwort
Sitzenbleiben ist für Löhrmann
von buntspecht2 | #24-1

#24 Richtig dann gäbe es auch nicht so viel ärger mit Plagiaten.

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