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Sieben Frauen, acht Männer

18.05.2007 | 04:44 Uhr

Die neue französische Regierung ist nur noch halb so groß wie die alte. Und mit der Wahl seiner Minister(innen) eckte Premier Fillon bei so manchem Konservativen wie auch Sozialisten an

Paris. Weiblicher und deutlich verkleinert, mit Gesten nach links und in die Mitte - Frankreichs neuer konservativer Premier Francois Fillon präsentierte am Freitag seine Regierungstruppe. Ein "Kabinett der Öffnung" hatte Präsident Nicolas Sarkozy auch mit Blick auf die Parlamentswahl in drei Wochen versprochen. Ein Sozialist und ein Rechtsliberaler folgten seinem Ruf. Sieben Frauen, acht Männer teilen sich die 15 Ministerposten, halb so viele wie noch in der letzten Regierung unter Dominique de Villepin.

An der Spitze des prestigeträchtigen Außenamtes steht künftig Bernard Kouchner, Mitbegründer der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", früherer Uno-Kosovo-Verwalter - und Sozialist. Die Ernennung des bei den Franzosen populären 67-Jährigen sorgte nicht nur für vernehmbares Zähneknirschen im Lager der Konservativen, sondern auch für kräftigen Ärger bei den Sozialisten. Parteisprecher Julien Dray schickte Kouchner am Freitag wenig freundliche Worte hinterher, nannte dessen Entscheidung "traurig".

Parteichef Francois Hollande hatte überdies schon allen "Verrätern" mit Parteiausschluss gedroht - ein Bannstrahl, der neben Kouchner nun auch Eric Besson treffen wird. Der frühere wirtschaftspolitische Berater der Präsidenten-Kandidatin Ségolène Royal, der auf den letzten Wahlkampfmetern jäh zu Sarkozy übergelaufen war, wurde zum Staatssekretär ernannt.

Das Schwergewicht im neuen Kabinett bildet neben Premier Fillon Alain Juppé (61). Der Ex-Premier und einstige Kronprinz Jacques Chiracs übernimmt im herausgehobenen Rang eines Staatsministers das hierarchisch deutlich aufgewertete Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung. Zum Ökologen war Juppé, den die Franzosen aus seiner Zeit als Regierungschef Mitte der 90er Jahre eher als kühlen Technokraten in Erinnerung haben, nach eigenen Worten in Kanada mutiert. Dort hatte er nach seiner Verurteilung zu 14 Monaten Haft mit Bewährung wegen illegaler Parteienfinanzierung vor drei Jahren Abstand vom Pariser Betrieb genommen und eine Zeitlang an der Universität von Montreal gelehrt. Den Kampf gegen den Klimawandel hatte Sarkozy zudem zu einer seiner Prioritäten erklärt.

Erstmals rückt mit Michelle Aillot-Marie (60), bislang Verteidigung, eine Frau an die Spitze des Innenministeriums auf, das Sarkozy selbst zuvor vier Jahre geleitet hatte. Neuer Verteidigungsminister wiederum wird - eine Geste in die politische Mitte - der bisherige Fraktionschef der Rechtsliberalen, Hervé Morin (45), der seiner Zentrumspartei UDF und dessen Chef Francois Bayrou die langjährige Gefolgschaft aufkündigte. Jean-Louis Borloo (56), das "soziale Gewissen" im Kabinett Villepin, übernimmt das neue Super-Ministerium für Wirtschaft, Finanzen und Arbeit.

Sarkozys langjährige "rechte Hand" Brice Hortefeux (48), ein Jugendfreund, führt das umstrittene neue Ministerium für Einwanderung und nationale Identität. Als weiteres Zeichen der Öffnung in Richtung Zivilgesellschaft berief Premier Fillon Rachida Dati (41), bislang Sarkozys Sprecherin im Wahlkampf, zur neuen Justizministerin. Die frühere Richterin ist eins von zwölf Kindern eines marokkanischen Immigranten und einer algerischen Mutter. Ihr kometenhafter Aufstieg am Parteiapparat vorbei sorgte für weitere Verbitterung bei Sarkozys langjährigen Gefolgsleuten, die bei der Verteilung der Ressorts leer ausgingen. Der Nachfolger des Armenpriesters Abbé Pierre an der Spitze des Hilfsvereins "Emmaus", Martin Hirsch, wurde zum "Hohen Kommissar für die Bekämpfung der Armut" ernannt - auch dies eine symbolisch bedeutsame Geste."Verrätern"

mit dem Parteiausschluss gedroht Jugendfreund führt das umstrittene Ministerium für Einwanderung

Von Joachim Rogge Foto: afp

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