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Agenda 2010

Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010

11.09.2012 | 17:45 Uhr
Für Gerhard Schröder ist die Bilanz der Agenda 2010 "im Wesentlichen positiv". Oskar Lafontaine sieht das anders.Foto: Swen Pfoertner

Berlin.   Der Altkanzler und sein ehemaliger Finanzminister begaben sich zum Nahduell an die Uni Göttingen, um über die „Agenda 2010“ zu sprechen, die Schröder vor zehn Jahren einführte. Bei den Studierenden blieb nach den Reden ein fader Nachgeschmack zurück.

Sie hatten „Vorahnungen“. Und die hätten sich „leider bestätigt“, klagen die Studentenvertreter vom AStA der Universität in Göttingen. Es war kein normaler Tag für die Hochschule. Noch 24 Stunden später hallen die Reden von Altkanzler Gerhard Schröder und vom Altlinken Oskar Lafontaine nach. Sie sprachen am Montag am selben Ort, auf dem Campus zum selben Thema: Zehn Jahre „Agenda 2010 “.

Vorbei sind die SPD-Zeiten, in denen zwischen beide Männer „kein Blatt Papier“ passen sollte. Die Agenda, in Schröders letzter Amtszeit von 2002 bis 2005 umgesetzt, liegt zwischen ihnen; sie ist die Kontroverse ihres Lebens. Studenten ärgerten sich aus anderen Gründen: Weil Lafontaines Auftritt der „parteipolitischen Profilierung“ für die Linken diente und weil vor Schröders Vorlesung die Taschen von der Polizei kontrolliert wurden. Zudem beklagten sie, dass das wissenschaftliche Programm „vollkommen unterging“.

Alphatiere sind das Programm

Wer den Altkanzler und seinen Ex-Finanzminister einlädt , braucht kein Programm. SIE sind die Attraktion. Womöglich kamen in Göttingen weniger die Studenten, umso mehr aber die Medien auf ihre Kosten. Die Kollegen von der Satiresendung „heute-Show“ schickten ein Kamerateam hin und vorsorglich noch einen Komiker, den sich Lafontaine - buchstäblich - aber vom Halse hielt: „Sie sind nicht das einzige Alphatier, das heute Show machen will“, sagte der Linke.

Schröder wird 66

Schröder hat in Göttingen studiert. An der Uni hängt er sentimental, an der „Agenda 2010“ wohl auch. Sie kostete ihn viel Kraft, seine Kanzlerschaft sogar, gilt aber als erfolgreich. Wenn er sich heute Bundestagsdebatten anhöre, „gelegentlich tue ich mir das noch an“, dann habe er den Eindruck: „Die da lehnen sich ganz schön zurück und ruhen sich auf den Erfolgen aus.“ Wenn er gefragt werde, was die wichtigste Folge der Agenda sei, antworte er: „Deutschland hat bewiesen, dass es Reform kann.“ Den Kritikern sei gesagt: Die Arbeitsmarkterfolge seien „nicht wie Manna vom Himmel gefallen.“

Zumindest das Ende der Rede bekam Lafontaine noch mit. Er hatte sich in den Hörsaal 011 eingeschlichen. Reihe 13, rechter Rand, wie „Spiegel online“ notierte. Ob Schröder ihn bemerkte, ist unklar. Der Saal ist ziemlich groß, fast 900 Plätze. Da kann man während einer Rede jemanden übersehen. Aber einmal bemerkt der Altkanzler – und hier weicht er vom Manuskript ab – , „dass wir auf dem Weg den einen oder anderen Unterstützer verloren haben, gehört dazu, wenn man Politik gestaltet“. Er muss Oskar Lafontaine dabei im Auge gehabt haben.

Schröder eine Unperson

Lafontaine war zwar lange vor den Reformen als Minister zurückgetreten. Aber erst mit der „Agenda 2010“ war das Zerwürfnis perfekt, unwiderruflich; und sein Wechsel zur Linkspartei dann folgerichtig. Lafontaine verbindet mit der Agenda Lohndumping, Billig-Jobs, entfesselte Finanzmärkte, Einflüsterer aus der Welt der Wirtschaft. Auch die Erfolge auf dem Arbeitsmarkt stellt er bei seinem Auftritt vor den Studenten in einem anderen Licht dar. Zu einem positiven Fazit könne nur kommen, wer die Statistiken falsch anwende. „Das Beschäftigungsvolumen in Stunden ist heute nicht höher als damals.“

Momente mit Lafontaine

Während sich Schröder durch den Lauf der Geschichte längst rehabilitiert sieht, ist Lafontaine bis heute nicht über die Agenda-Politik hinweggekommen, und Schröder bleibt für ihn eine Unperson. Es ist erträglicher, über ihn zu reden, wenn er den Altkanzler nicht beim Namen nennt, sondern bloß vom „Weggefährten vergangener Zeiten“ spricht, von „meinem Vorredner“, vom „Kanzler, der nach Kohl kam“ oder vom Mann, „der die „Agenda 2010“ nicht erfand, sondern sich einflüstern ließ.“

Miguel Sanches


Kommentare
12.09.2012
10:48
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von sichau1 | #8

Um den Tag der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises für Journalismus macht die journalistische Leistung von Herrn Sanches als negatives Beispiel schon betroffen.

Was die wichtige Kennzahl des Arbeitsvolumens angeht, so hat Oskar Lafontaine noch untertrieben: Gegenüber der Vor-Agenda-Zeit ist das Arbeitsvolumen sogar noch gesunken, d.h. prekäre Arbeitverhältnissse sind gewachsen und Altersarmut wird größer. Von daher ist es sozialpolitisch unverantwortlich, das Rentenniveau schließlich auf 40 % zu senken, zumal unsere Gesellschaft bei sachgerechter Verteilung über die dafür erforderlichen Finanzmittel verfügt.

Alles in allem: Der Neoliberalismus hat sich als nichts anderes als eine gefährliche Droge erwiesen. Es liegt auf der Hand, dass seine Anhänger nun auch noch eine Erhöhung der Dosis fordern.

Um der Desinformation der Bevölkerung entgegen zu wirken, wäre hier im Sinne Theodor Wollfs ein großes Betätigungsfeld für Qualitätsjournalismus ....

11.09.2012
23:35
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von kuba4711 | #7

Showdown ,Duell?
Ja geht`s noch?
Notwendige Voraussetzung für ein Duell ist ja wohl ,dass beide Parteien satisfaktionsfähig sind.
Dies ist bei dem Arbeiter- Verräter und Freund der Bosse Schröder -nachweislich - nicht der Fall.
Dieser jetzige Gas-Promotor von Putins Gnaden hat nicht nur die deutsche Sozialdemokratie verraten ,ist nicht nur der deutschen Versicherungswirtschaft zu Diensten gewesen ;nein ,er hat auch die "kleinen ,arbeitenden Leute" in Deutschland verraten und verkauft.
Letzten Endes hat er die Menschen , welche genau so versuchen in unserer banana republika ihre Familien zu ernähren , wie dies die Mutter von Herrn Schröder getan hat , in ein noch tieferes Elend gestürzt .
Solche Menschen haben für mich nicht nur keinen Respekt in politischer Hinsicht verdient,sie haben den normalen mitmenschlichen Respekt bis auf das letzte Quentchen aufgebraucht.

11.09.2012
21:01
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von dummmberger | #6

Ein unwahrscheinlich schlechter Artikel.

Welche "Vorahnungen" der Studenten haben sich denn bestätigt?
Das wird alles im Unklaren gelassen.
Genauso wie der Anlass der beiden Reden.
Das steht etwas von einem wissenschaftlichen Programm, das unterging. Mehr brauchen wir nicht zu erfahren. die Namen Schröder und Lafontaine müssen reichen, um hier eine Diskussion zu entfachen. Da stören irgendwelche Fakten ja eh.

11.09.2012
19:09
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von dcarleitermann | #5

150€ mussten die meisten Zuschauer an Eintritt für die Rede von Herrn Schröder zahlen. Jetzt weiß ich auch warum er während seiner Rede immer gelacht hat. Er hat seine Gäste
nicht an- sondern ausgelacht.

3 Antworten
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von wkah | #5-1

ich befürchte, sie haben das geprüft und es stimmt wirklich

Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von kitty73 | #5-2

Wenn schon Zahlen dann richtige:

Die Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik - Rahmen dieser Tagung sprach Schröder - dauert gem Info im Internet vom 9. - 12.9.2012

Die Tagungsgebühr beträgt für
- Mitglieder 79 €
- Mitglieder mit ermäßigtem Beitrag 45,–€
- Nichtmitglieder 150,–€
- Studentinnen/Studenten 25, –€ (ohneExamen, Nachweis beifügen)
- Begleitpersonen 30,–€

Wie viele Mitglieder haben denn Ihrer Meinung nach an der 3-tägigen Tagung teilgenommen?

Gelacht hat der Herr wohl nur deshalb, weil Lafontaine gebannt an seinen Lippen hing und auf eine Umarmung hoffte.

Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von wkah | #5-3

Na ja

es bleibt wohl dabei - fast jeder musste zahlen.

11.09.2012
18:48
Nur ein kleines Currywürstchen...
von wohlzufrieden | #4

Lafontaine hat immer allen die Wahrheit gesagt, Schröder nur von Lupenreiner Demokratie gefaselt. Er ist eine gefärbte Karikatur seiner selbst.

11.09.2012
18:31
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von Hugo60 | #3

Die agenda 2010 ist wirklich ein Erfolg.
Die reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Die Kommunen gehen am Stock, die Zahl der Niedriglöhner und der Leiharbeiter steigt dank Hartz IV. Die Rentnern kriegen immer weniger.

Die Agenda 2010 war nur der Anfanf, Die Ewiggestrigen werden erst Ruhe geben, wenn die Lebensverhältnisse der Mehrheit denen der Menschen im 19. Jahrhundert gleicht.

Danke Gerhard! Du wirst immer immer im Gedächtnis der ewiggestrigen Erzkonservativen bleiben.

11.09.2012
18:30
Showdown zwischen Schröder und Lafontaine über Agenda 2010
von bloss-keine-Katsche | #2

Was wir ja gerade auch diskutieren,
Altersarmut, eine direkte Folge von Agenda 2010, weil man arschfrech die Rentenanpassing für ie Zukunft senkte!
Die Euroabzocke der Banken, Wohnungen Spekulationsobjekte,Zeitarbeit, Leiharbeit ... alles verschiedene Seiten einer Medaillie!
Und das unter der Vorherrschft der Sozen, nur weil Schröder sich bei Bonzen und Blödzeitung beliebt machen wollte (nicht vergessen, Clements toller Job bei Deutschlands größter Leiharbeitsfirma!
Gewerkschaftskollegen da haben wir alle ganz schön geschlafen!
Nur Oskar hats mal wieder kommen sehen.,
Lasst uns mehr auf Oskar hören!!!!

11.09.2012
18:30
Weder Showdown - noch (Nah-)Duell
von knueppeljunge | #1

Wie man gestern bereits im Netz lesen konnte, saß Lafontaine zwar unter den Zuhörern bei Schröder - aber Schröder nicht bei Lafontaine. Sie waren auch von unterschiedlichen Gruppierungen eingeladen. Man sprach kein Wort miteinander.

Wo ist da das Duell Herr Sanches?

Wo der Showdown?

Einzig Lafontaine sucht verzweifelt die Öffentlichkeit und die Nähe zur SPD. Schröder positioniert derweil seine Frau in der Politik.

Das Ganze ist maximal einen Dreizeiler in der Göttinger Lokalpresse wert.

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