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Shitstorm gegen "Brigitte" nach Auslosung zum NSU-Prozess

29.04.2013 | 19:28 Uhr
Shitstorm gegen "Brigitte" nach Auslosung zum NSU-Prozess
Nach ihrem Losglück bei der Auslosung von Presseplätzen für den NSU-Prozess steht die Redaktion der Frauenzeitschrift "Brigitte" in der Kritik.Foto: dapd

München.  Nach der Auslosung für die Presseplätze beim NSU-Prozess gibt es Kritik am Ergebnis. Während renommierte Tageszeitungen wie Welt, FAZ und taz keinen Platz bekamen, dürfen Kabel eins, RTL 2 und die Frauenzeitschrift Brigitte aus dem Gerichtssaal berichten. Das führt zu beißendem Spott im Netz.

Nach der umstrittenen Auslosung der Presseplätze im NSU-Prozess bekommt vor allem die Frauenzeitschrift Brigitte einiges an Kritik ab. Das Oberlandesgericht München hatte am Montag bekannt gegeben, welche Medien von dem Prozess um eine mutmaßlich rechtsextremistisch motivierte Mordserie berichten dürfen.

Dazu gehören etwa die ARD, der Westdeutsche, der Bayerische und der Südwestrundfunk sowie das ZDF. Die WAZ Mediengruppe ist durch die Thüringische Landeszeitung beim NSU-Prozess vertreten.

"Focus" und "Spiegel" sind ebenfalls dabei, nicht aber die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung". Andererseits wurden mit Kabel eins, RTL 2, der Website "Hallo München" und der Frauenzeitschrift Brigitte einige Medien zugelassen, die - höflich gesagt - nicht gerade als erstes für politische Berichterstattung bekannt sind.

"Bald eine Homestory über Beate Zschäpe?"

Auf der Facebook-Seite der "Brigitte" sammeln sich denn auch seit Montag Nachmittag Nutzerkommentare, die von süffisant bis gehässig reichen. "Liebes Brigitte Team, gibt es jetzt bald auch eine Homestory über Beate Zschäpe?", heißt es da. "Ich zähle (...) fest auf Beates leckerste Spargelrezepte", frotzelt ein Nutzer, ein anderer versucht sich an einer Modejournalismus-Persiflage, in der die in der Nazi-Szene beliebten Marken "Lonsdale" und "Thor Steinar" erwähnt werden. Das Titelblatt einer angeblichen Brigitte-Ausgabe mit Beate Zschäpe als Covergirl wurde bei Facebook bereits einige hundert Mal geteilt.

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Bei Twitter wird unterdessen ein Link weitergereicht, der zu einem Brigitte-Porträt von Anja Sturm, einer der Anwältinnen von Beate Zschäpe, führt. Der Text geht zwar durchaus in die Tiefe, bestätigt aber auf den ersten Blick Frauenzeitschrift-Klischees: Gleich im ersten Absatz geht es um Sturms Styling - "Sie trägt hochhackige Schuhe zum schwarzen Designerkostüm, die Lippen knallrot, die blonden Haare kurz."

Kritik an "Brigitte" ein Fall von Sexismus?

Andere Twitter-Nutzer hingegen verteidigen die "Brigitte". So sammelt Anatol Stefanowitsch Textpassagen, in denen ebenfalls das Äußere von Anwältin Sturm thematisiert wird - nur eben in der Frankfurter Rundschau oder der Süddeutschen Zeitung. Und für Yasmina Banaszczuk fällt die Pauschalkritik an der "Brigitte" klar unter Sexismus.

<blockquote class="twitter-tweet"><p>Einem Magazin Relevanz oder gar journalistische Fähigkeit abzusprechen, weil es als Zielgruppe Frauen hat, ist btw sexistisch. <a href="https://twitter.com/search/%23servicetweet">#servicetweet</a></p>&mdash; Mina Dingens. (@miinaaa) <a href="https://twitter.com/miinaaa/status/328907728821051392">April 29, 2013</a></blockquote>

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Redaktion will ihren Platz im Gerichtssaal nicht abgeben

Auch auf der Facebook-Seite der "Brigitte" gibt es zwar vereinzelt positive Stimmen ("Freue mich auf eine gute Reportage"), die Mehrheit sieht hier aber den Losentscheid zugunsten der Zeitschrift kritisch: "Was wollen Sie denn bitte beim NSU-Prozess", will ein Nutzer wissen, "und wäre es nicht angebrachter, wenn renommierte Tageszeitungen wie die TAZ vor Ort wären?" Ein anderer fordert die Redaktion sogar ganz deutlich zum Handeln auf: "Machen Sie ihren Platz für seriöse Medien frei!", schreibt er.

Nachdem am Montag zunächst einige Stunden nur ein Eintrag zum Thema "Schicker und bequemer radeln mit einem E-Bike" auf der Facebook-Seite stand, legte die Redaktion ab Abend nach. Selbstverständlich werde sie von dem Platz im Gerichtssaal Gebrauch machen, teilte sie ihren Leserinnen mit. "Die Brigitte hat seit jeher gesellschaftspolitische Themen aufgegriffen. Für uns steht im Fokus, was für Frauen relevant ist. Dazu gehört (...) natürlich auch die Berichterstattung über den NSU-Prozess."

Kommentare
01.05.2013
13:14
Shitstorm gegen
von truckdino | #58

Laut unserer Verfassung ist die Gerichtsbarkeit unabhängig. Diese Tatsache sollten sich alle,und vor allem die türkischen Medien, wieder ins...
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http://www.derwesten.de/politik/shitstorm-gegen-brigitte-nach-auslosung-zum-nsu-prozess-id7896347.html
2013-04-29 19:28
NSU, Brigitte, Frauenzeitschrift, Medien, Beate Zschäpe, Facebook
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