Sergio Mattarella soll helfen, Italien aus der Krise zu führen

Rom..  Der Verfassungsrichter Sergio Mattarella ist mit großer Mehrheit zum neuen italienischen Staatspräsidenten gewählt worden. Mit der Entscheidung für den Kandidaten von Regierungschef Matteo Renzi wurde eine Hängepartie in dem krisengeplagten Land verhindert. Der 73 Jahre alte Nachfolger des zurückgetretenen Giorgio Napolitano soll morgen den Amtseid ablegen. Mit der Wahl am Samstag hat auch Renzi eine seiner ersten großen Bewährungsproben bestanden.

In seiner siebenjährigen Amtszeit kommen auf Mattarella große Aufgaben zu. Er muss mithelfen, die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit zu führen. „Meine Gedanken gelten vor allem den Hoffnungen und Schwierigkeiten der italienischen Bürger“, sagte er. Der Staatspräsident hat in Italien vor allem repräsentative Aufgaben, kann aber auch das Parlament auflösen. Napolitano war in zahlreichen politischen Krisen zum starken Mann des Landes geworden.

Die erste Amtshandlung Mattarellas nach seiner Wahl war der Besuch der Ardeatinischen Höhlen bei Rom, wo 1944 bei einem Nazi-Massaker Hunderte Menschen starben. „Die Allianz zwischen Nationen und Völkern schlägt immer den nazistischen, rassistischen, antisemitischen und totalitären Hass, für den dieser Ort schmerzhaftes Symbol ist“, sagte er. „Dieselbe Einheit in Europa und in der Welt wird diejenigen besiegen, die uns in eine neue Zeit des Terrors treiben wollen.“

International ist der Sizilianer kaum bekannt, hat aber eine lange politische Karriere in Italien hinter sich. Von 1998 bis 1999 war er Vize-Ministerpräsident, später unter anderem Verteidigungsminister. Seit 2011 arbeitete der Jurist am Verfassungsgericht. Seit sein Bruder 1980 von der Mafia getötet wurde, hat er sich dem Kampf gegen das organisierte Verbrechen verschrieben.

Bundespräsident Gauck erklärte, er sei zuversichtlich, dass Mattarella „mit Besonnenheit und Ausdauer den eingeschlagenen Weg der Reformen Italiens erfolgreich mitgestalten“ werde. US-Präsident Obama würdigte seinen „herausragenden Dienst für die Öffentlichkeit“.