Sepp Blatter gibt auf

Zürich..  Joseph Blatter gibt doch auf! Nur vier Tage nach seiner Wiederwahl für eine fünfte Amtszeit kündigte der umstrittene Schweizer seinen sensationellen Rückzug als FIFA-Präsident an. Nach 17 Jahren an der Spitze formulierte Blatter Worte, die selbst im Sumpf der andauernden Korruptionsvorwürfe an seinen Weltverband niemand erwartet hätte. „Ich habe ernsthaft über meine Präsidentschaft nachgedacht und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der FIFA und diesem großartigen Sport verbunden gewesen ist“, sagte Blatter.

Durch die Wahl am vergangenen Freitag habe er noch einmal das Mandat durch die FIFA-Mitglieder bekommen, „aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht das Mandat der gesamten Fußball-Welt habe. Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlichen Kongress niederzulegen.“

Strukturelle Veränderungen

Blatters Nachfolger als FIFA-Präsident soll voraussichtlich bei einem Sonderkongress des Weltverbands zwischen Dezember 2015 und März 2016 gewählt werden, kündigte Domenico Scala, Chef der FIFA-Compliance-Kommission, an. Gemäß Statuten seien mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig. Bis zu der außerordentlichen Zusammenkunft der FIFA wird Blatter sein Amt noch ausüben. Zusammen mit Scala will Blatter noch grundlegende Veränderungen durchführen. Nach den nicht enden wollenden Korruptionsvorwürfen, die gestern auch Blatters Generalsekretär Jérôme Valcke erreichten, kündigte Blatter eine „tief verwurzelte strukturelle Veränderung“ an. Das Exekutivkomitee, das der 79-jährige Schweizer nach seiner Wiederwahl noch vergrößern wollte, soll nun plötzlich verkleinert werden.

Blatter wirkte relativ gefasst, als er seine Worte in französischer Sprache vortrug. Vom Kampfgeist, seiner vermeintlichen Aufbruchstimmung wie noch bei seiner Wiederwahl war aber nichts mehr zu spüren. Spekulationen, dass seine Entscheidung mit den US-Ermittlungen zusammenhängen könnte, wiesen die Amerikaner selbst zurück. Die US-Regierung stritt ab, Blatter aus dem Amt gedrängt zu haben. „Die Vereinigten Staaten haben keine Position zu der Frage, wer der Präsident der FIFA ist“, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums.

Der Skandal um Schmiergelder, Korruption und Geldwäsche, bei dem in der Kongresswoche sieben hochrangige FIFA-Mitglieder festgenommen wurden und gegen insgesamt 14 von den US-Behörden ermittelt wird, war letztlich aber zu viel. Hinzu kommen die WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 - hier ermittelt die Schweizer Justiz. Die Schweizer Bundesanwaltschaft betonte jedoch: Das Verfahren laufe gegen unbekannt, Blatter sei kein Beschuldigter. Sein Rücktritt habe keinen Einfluss auf das Strafverfahren.