Sepp Blatter bleibt Chef der Fifa

Zürich..  Joseph „Sepp“ Blatter bleibt der Chef der Fußball-Welt. Doch er hat einen Denkzettel bekommen. Der heftig kritisierte Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa hat gestern nach dem jüngsten Skandal dennoch alle Angriffe abgewehrt. Nach einem denkwürdigen Kongress inklusive einer Bombendrohung geht der 79-jährige Schweizer in seine fünfte und nach eigener Aussage letzte Amtszeit.

„Ich werde die Fifa zurückbringen, gemeinsam schaffen wir das“, rief Blatter den Delegierten aus den 209 Mitgliedsländern zu, die er nun bis 2019 anführen kann. Seine Dankesrede nutzte er für Angriffe auf die Opposition aus Europa, deren Einfluss im Exekutivkomitee beschnitten werden soll.

Der Schweizer wurde bei der Wahl im Hallenstadion von Zürich trotz des Korruptionsskandals um Mitglieder seiner Fußball-Regierung mit 133:73 Stimmen gegen seinen Herausforderer Prinz Ali bin al-Hussein gewählt. Ein eigentlich nötiger zweiter Wahlgang wurde gestrichen, da der Jordanier auf diesen verzichtete. „Wie der Wahl-Kongress gezeigt hat, war der Gegenwind nicht stark genug für einen Wechsel“, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Doch die sofortige Ankündigung Blatters in seiner Dankesrede dürfte das Verhältnis zur europäischen Opposition nicht verbessern. Der Schweizer will nach seiner Wiederwahl das Exekutivkomitee möglichst zügig umbauen. „Wir brauchen eine bessere Vertretung der Konföderationen. Die Anzahl der Nationen in den Konföderationen soll sich auswirken auf die Zusammensetzung des Exekutivkomitees.“ Ein Angriff auf Europa.

Nach dem Verzicht des Jordaniers auf einen zweiten Wahlgang atmete Blatter tief durch. „Ich war etwas nervös heute, das gebe ich zu“, gestand er und wurde euphorisch: „Ich mag euch, ihr habt mich zurück in die Fifa gebracht. Ich bin nicht perfekt.“ Zudem kündigte er einen Rückzug für 2019 an, am Ende seiner Amtszeit werde er eine robuste Fifa übergeben.

Schon am Samstag könnte es zu einem Kräftemessen zwischen Blatter und Fußball-Europa kommen, wenn in Zürich das Exekutivkomitee über die WM-Startplätze 2018 und 2022 entscheidet. Zwischen Kongress und Samstagsmeeting wollte Niersbach eigentlich zum Pokal-Dinner des DFB nach Berlin düsen, der Plan wurde aufgrund der Länge der Abstimmung allerdings wieder verworfen. Eine Bombendrohung hatte während der Mittagszeit bei der zehnstündigen Marathonsitzung für weitere Aufregung gesorgt.