Separatisten zu Gesprächen bereit

Kiew/Donezk..  Nach der Absage eines Ukraine-Krisengipfels richten sich die Hoffnungen der Konfliktparteien auf ein Treffen der sogenannten Kontaktgruppe. Gespräche zwischen der prowestlichen Führung in Kiew und den prorussischen Separatisten müssten unverzüglich stattfinden, forderte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Jewgeni Perebejnos, gestern.

Überschattet wurden die Friedensbemühungen vom Einschlag eines Geschosses in einen Bus im Bürgerkriegsgebiet. Mindestens zehn Zivilisten wurden dabei nach Angaben der Gebietsverwaltung von Donezk getötet. Die Behörden machten die Aufständischen für den Vorfall verantwortlich. Diese wiesen die Vorwürfe zurück. „Dies könnte eine Provokation des ukrainischen Militärs sein“, sagte Separatistenführer Denis Puschilin.

Auch die Separatisten sprachen sich für direkte Verhandlungen mit Kiew aus, forderten aber zunächst Einhaltung der Waffenruhe, die seit September immer wieder gebrochen wird. „Davon, wie erfolgreich die Kontaktgruppe arbeitet, hängen die nächsten Schritte ab, vor allem ein Treffen auf höchster Ebene“, so der ukrainische Außenamtssprecher Perebejnos. In der Kontaktgruppe vermitteln Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zwischen der Ukraine und den Separatisten.

Polen begann derweil mit dem Transport polnischstämmiger Ukrainer aus der Ostukraine. Gestern landete im nordpolnischen Malbork das erste Flugzeug mit Flüchtlingen aus Donezk und anderen Orten. Nach Angaben des Warschauer Innenministeriums sind fünf Flüge geplant. 178 Ukrainer mit polnischen Wurzeln wollen nach Polen, die meisten sind den Angaben zufolge Familien mit Kindern.

Die Außenminister Deutschlands, Russlands, der Ukraine und Frankreichs hatten ein noch für diese Woche geplantes Gipfeltreffen zum Ukraine-Konflikt in der kasachischen Hauptstadt Astana in Zentralasien abgesagt. Daran sollten Kanzlerin Angela Merkel, Kremlchef Wladimir Putin, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein französischer Kollege François Hollande teilnehmen. Die Meinungsverschiedenheiten seien zu groß, hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Montag in Berlin nach einer Krisensitzung bis spät in die Nacht gesagt.

Die Minister verständigten sich auf die im September in Minsk getroffenen Vereinbarungen als Grundlage für die gesuchte Friedenslösung. Dazu gehört neben einer Feuerpause der Abzug schwerer Waffen, der bislang nicht umgesetzt wurde.