Separatisten drohen mit Großoffensive

Donezk/Moskau/Kiew..  Nach dem Blutbad an einer Bushaltestelle im Konfliktgebiet Donezk haben die prorussischen Aufständischen eine neue Großoffensive angekündigt. Es solle die gesamte Krisenregion erobert werden – gegebenenfalls auch über die Gebietsgrenze von Donezk hinaus, drohte Separatistenführer Alexander Sachartschenko gestern. Angebote einer Feuerpause werde es an die prowestliche Zentralregierung in Kiew vorerst nicht geben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte Sachartschenkos Äußerungen scharf. Diese seien „nichts als Kriegstreiberei“, sagte er bei einem Besuch in Tunesien. An Russland und die Ukraine appellierte er abermals, die Vereinbarungen des jüngsten Ministertreffens in Berlin zum Rückzug schwerer Waffen im Donbass umzusetzen. Nach Ansicht von Vizekanzler Sigmar Gabriel könnte ein gemeinsamer Wirtschaftsraum zwischen Europa und Russland langfristig ein Weg sein, um die Eiszeit zu beenden.

Sachartschenko bezeichnete jedoch die bisherige Besetzung der Kontaktgruppe als „sinnlos“. Als Verhandlungspartner erkenne er nur den ukrainischen Präsidenten Poroschenko an. Der prowestliche Staatschef arbeitet derzeit nicht in der Kontaktgruppe und sieht die Aufständischen als „Terroristen“.

Im Konfliktgebiet Lugansk in der Ostukraine ist der Bürgermeister einer von prorussischen Separatisten kontrollierten Kleinstadt erschossen aufgefunden worden. Die Leiche von Jewgeni Ischtschenko sei zusammen mit drei weiteren Toten gefunden worden, berichteten örtliche Medien. Die Behörden der Separatistenhochburg Lugansk warfen dem ukrainischen Geheimdienst den Mord an dem 45-jährigen Bürgermeister vor. Zuletzt hatte es aber auch Gerüchte über Machtkämpfe in den Reihen der moskautreuen Aufständischen gegeben.