Selbst eine Alkoholvergiftung schreckt Jugendliche nicht ab
04.08.2009 | 16:30 Uhr 2009-08-04T16:30:00+0200
Düsseldorf. Jugendliche Komasäufer lassen sich auch nach einem Klinikaufenthalt wegen einer Vergiftung nicht so leicht von ihrem Verhalten abbringen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) fordert deshalb schärfere Kontrollen gegen Komasaufen.
Exzessiv trinkende Jugendliche werden aus Schaden nur begrenzt klüger: Auch Krankenhausaufenthalte halten viele von ihnen nicht vom weiteren Koma-Saufen ab. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung für die Gmünder Ersatzkasse (GEK). «Krankenhausaufenthalte haben kaum abschreckende Wirkung», erklärte die Autorin des Reports, Eva Bitzer. GEK-Chef Rolf-Ulrich Schlenker warnte vor einseitigen Verboten und forderte stattdessen mehr Prävention.
Wenn Alkohol im Freundeskreis eine große Rolle spielt
Für den GEK-Report «Krankenhaus 2009» befragten Wissenschaftler des in Hannover ansässigen Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG) 1.168 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, die bei der GEK versichert sind und in den letzten drei Jahren mindestens einmal wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus waren. Zudem wurde eine repräsentative Vergleichsgruppe aus 1.757 Jugendlichen ohne entsprechenden Erfahrungen befragt.
Als wichtigstes Ergebnis führt die GEK an: Krankenhausaufenthalte wegen Alkoholmissbrauchs haben nur begrenzte Effekte auf das anschließende Trinkverhalten. 17 Prozent der Jugendlichen mit Klinikaufenthalt gaben an, danach genauso viel wie vorher oder sogar noch mehr zu trinken. Die restlichen 83 Prozent erklärten zwar, dass sie ihren Alkoholkonsum reduzierten. Im Vergleich zu der anderen Untersuchungsgruppe trinken sie aber immer noch weit mehr und häufiger. Zudem zeigt sich, dass die Jugendlichen, die wegen ihres Alkoholkonsums im Krankenhaus landen, viel öfter bereits vor dem zwölften Lebensjahr trinken und dass Alkohol in ihrem Freundeskreis eine große Rolle spielt.
Behandlungsraten steigen weiter
Seit 1990 weisen die Behandlungsraten von Mädchen und Jungen zwischen 15 und 19 Jahren kontinuierlich nach oben, wie die Studie zeigt. Zwischen 2002 und 2008 hat sich der Anteil der wegen Alkoholproblemen behandelten Jugendlichen verdoppelt: Bei Mädchen stieg die Behandlungsrate von 18 auf 37 pro 10.000 Versicherte, bei gleichaltrigen Jungen von 24 auf 52. Seit 1990 stieg die Behandlungsrate bei Jungen sogar um den Faktor 5,5, bei Mädchen um den Faktor 4,8.
Dieser drastische Anstieg lässt sich laut Autorin Bitzer nicht allein damit erklären, dass heute schneller ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die Ergebnisse belegten «einen komplexen Trend, der durch die bisherige Diskussion oder vereinzelte gesetzgeberische Maßnahmen wie die Alkoholsteuer im Jahr 2004 weder gebremst noch umgekehrt werden konnte». Einfache Präventionsansätze griffen hier zu kurz.
"Rauschtrinken darf nicht Trendsport werden"
Auch GEK-Chef Schlenker bewertet Alkoholverbote in Innenstädten und Verkaufseinschränkungen bei Tankstellenshops zurückhaltend: «Rauschtrinken darf nicht Trendsport werden. Einseitige Verbotsstrategien helfen aber auf Dauer nicht weiter. Wir sollten lieber die Präventionskultur als ein Verbotsklima fördern.» Nötig sei ein Mix aus jugendgerechter Information, Sportförderung und jugendärztlicher Betreuung. Schlenker forderte eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Ärzten und Krankenkassen und regte eine nationale Aufklärungskampagne gegen das Rauschtrinken an.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), betonte die Bedeutung der Prävention. «Wichtig ist, dass vor Ort gemeinsam an einer Lösung gearbeitet wird; das heißt, wenn Kommunen, Vereine, Schulen und Polizei zusammenarbeiten, dann ist dies der richtige Weg.» Dazu werde gerade eine neue Broschüre an die Kommunen verteilt, die die besten Praxisbeispiele zur Prävention zusammenfasse, damit sie in ganz Deutschland übernommen werden könnten. (ap)
Komasaufen | Polizei | Krankenkassen | Jugendliche | SPD

05:24
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05:22
@10
warum muß man sich das dicke Brett vom @10 als Maßstab nehmen?
Asozialer als von @10 gehts nimmer...
13:46
Kinder müssen sich selbst erfahren!!! Totgesoffen? Pech gehabt, Lebensrisiko!!
12:52
Das Gesocks läßt sich von der Parole leiten: Sondaschule! Wer säuft hat Recht!
11:47
Wg mir können sie sich auch das letzte bisschen Hirn versaufen, solange sie der Gemeinschaft nicht auf der Tasche liegen. Daher kein HartzIV und keine kostenlosen Arztbesuche.
07:55
Hihi,
wenn man nur die Hilflosigkeit der vorangegangenen Kommentare liest, das ist doch so einfach.. aber die Arroganz unterstütze ich nicht..
Hihi, wollen oder können die Kommentatoren nicht?
06:30
Den meisten Jugendlichen wird es doch vorgelebt. Viele der Jugendlichen sehen doch keine Perspektiven. Es muss ganz einfach mehr für die Jugend getan werden. Meines Erachtens liegt es aber auch mit am Elternhaus. Ich glaube, dass viele Eltern die Kinder sich selbst überlassen.
Ich habe zwei Töchter. Allerdings habe ich noch nie erlebt, dass sie im Vollrausch waren. Sie trinken auch Alkohol aber mäßig. Meine beiden Kinder sind jeweils in Sportvereinen und lungern nicht auf der Straße rum.
04:19
Angesichts der Perspektivlosigkeit mancher Jugendlicher lässt sich das Leben halt nur im Suff ertragen.Geht manchen Erwachsenen nicht anders.
01:38
komisch von Cannabis lese ich selten sone Schlagzeilen .. Warum wird Alkohol nicht einfach auch verboten.... Dann is das Thema vom tisch.
Bedenke man aber die FETTEN steuer einnahmen mit dem Sprit ... ist es alles nicht mehr SO schlimm
...Oder man versucht der Jugend wieder mehr Perspektiven zu bieten. Wenn sich keiner mehr das Kino leisten kann was soll schon bei rauskommen... hätten sie Möglichkeiten, würden sich, der Großteil zumindest sicher anderweitig beschäftigen mit zum beispiel Hobbys die Geld kosten in der regel ... wo wir wieder da hinkommen wo ich sage alle pleite und alles zu teuer.
Aber seid gewiss ... ES WIRD SCHLIMMER !
19:52
Die Kampftrinker sollen einfach ihre Behandlung im Krankenhaus selber bezahlen. Dass das die Kasse zahlt muss ja nicht sein, und da die Krankenhäuser eh unterbesetzt sind, ist es schlimm genug, wenn man sich, während man sich um Herzinfarkte und Lungenödeme kümmert, noch zusätzlich die besoffenen Jugendlichen versorgen muss. Die sind dann noch rotzfrech und undankbar.