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Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf

21.10.2012 | 18:28 Uhr
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf

München  Mit der umjubelten Nominierung des Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude zum SPD-Spitzenkandidaten ist das Rennen zur bayrischen Landtagswahl eröffnet worden. Ministerpräsident Seehofer will seine Nachfolge selbst regeln - um den CSU-üblichen Putsch zu vermeiden. Dabei setzt er offenbar auch auf einen bereits Gestürzten.

Ein 63-Jähriger gibt das Startsignal für das Rennen um seine Nachfolge - ein fast 65-Jähriger stilisiert sich als Zukunftshoffnung: Gegensätzlicher kann es nicht sein, was am Wochenende bei der CSU und der bayerischen SPD passierte. Hier Horst Seehofer, der seinen Rückzug aus der Politik für 2018 ankündigte - aber nicht aus Schwäche, sondern im Moment der größten Stärke. Dort der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, der mit 99,7 Prozent Zustimmung zum SPD-Spitzenkandidaten der Landtagswahl gewählt wurde und trotz miserabler Umfragen großen Optimismus verbreitete.

Erst in knapp einem Jahr wählen die Bayern, doch schon jetzt ist der Wahlkampf in vollem Gange. Er soll so intensiv wie nie werden - Bayerns SPD-Chef Florian Pronold stimmte die Genossen auf einen "Höllenritt" ein. Bei 20 Prozent dümpeln die bayerischen Sozialdemokraten in den Umfragen, nur wenig mehr als die 18,6 Prozent der Landtagswahl 2008. Und dennoch war bei der Ude-Nominierung von Trübsal nichts zu spüren.

Die Kehrtwende als "typische Fortbewegungsart der CSU"

U für "Urbayerisch", D für "Durchsetzungsstark", E für "Ehrlich" - so stellte die Parteitagsregie Ude am Sonntag mit Filmen den Genossen in Nürnberg vor. Die 300 Delegierten feierten diesen überschwänglich. Bei ihm im Ortsverband werde Ude "wie ein Messias" gesehen, sagte ein SPD-Bürgermeister nach Udes Bewerbungsrede.

In dieser versuchte Ude den Spagat aus Attacke und eigenen inhaltlichen Akzenten. Seehofer warf er vor, die CSU ständige Kurswechsel vollziehen zu lassen. "Die Kehrtwende ist zu ihrer typischen Fortbewegungsart geworden", ätzte Ude. Die Genossen forderte er auf, im Wahlkampf die "haltlosen Versprechungen" von Union und FDP zu benennen.

Im Bund seien Union und FDP 2009 nur an die Regierung gekommen, weil sie das falsche Versprechen von Steuersenkungen abgegeben haben. In Bayern wolle Seehofer mit dem falschen Versprechen des bis zum Jahr 2030 schuldenfreien Haushalts gewählt werden. "Ich verspreche nur Verbesserungen, die wir auch tatsächlich realisieren können", sagte Ude und bekam den größten Jubel seiner Rede. Als erste Amtshandlung nach seiner Wahl werde er die Studiengebühren in Bayern wieder abschaffen, kündigte er an.

Seehofer will den eigenen Nachfolger aufbauen

Der CSU-Chef Seehofer wiederum fühlt sich im Moment so stark, dass er sogar seine Nachfolge selbst regeln will - in einer "bayerischen Welturaufführung", wie er sagt. Denn bisher stürzte die CSU stets ihre Ministerpräsidenten. Seehofer will nun einen organischen Übergang schaffen, wie er es nennt. Im Jahr 2018 will er zwar noch Ministerpräsident sein - doch soll dann schon der- oder diejenige bekannt sein, mit dem die CSU in den Landtagswahlkampf zieht.

Helfen könnte Seehofer bei seinem Ziel, nicht vorher gestürzt zu werden, dass sich die Konkurrenten wegen ihrer großen Zahl gegenseitig ausbremsen. Seehofer nannte am Samstag vier Kandidaten namentlich plus einen ungenannten Joker. Auf der nun quasi offiziellen Liste darf sich die nächstes Jahr aus der Bundes- in die Landespolitik zurückkehrende Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner derzeit in der Favoritenrolle sehen.

Außerdem stehen auf der Liste des CSU-Chefs der bayerische Finanzminister Markus Söder, Sozialministerin Christine Haderthauer und Innenminister Joachim Herrmann. Vier gestandene Politiker, die nun quasi offiziell von Seehofer den Auftrag haben, sich für seine Nachfolge zu empfehlen. Ein geschickter Schachzug des CSU-Chefs und wohl auch eine Lehre aus dem Sturz Stoibers. Der hatte die Nachfolgefrage schlicht brach liegen lassen.

"Maßgebliche Aufgabe" für Guttenberg

Anders als Stoiber spielt Seehofer nun also mit offenen Karten - aber auch das nicht komplett. Denn Seehofer brachte auch noch einen mysteriösen "Joker" ins Spiel, der 2018 als fünfter Kandidat auftauchen könnte. Könnte dies etwa der seit Monaten abgetauchte Karl-Theodor zu Guttenberg sein? Nachdem vom ehemals beliebtesten deutschen Politiker lange nichts mehr zu hören war, kündigte Seehofer nun an, sich nach der Wahl um dessen Rückkehr in die Politik zu bemühen. Eine "maßgebliche" Aufgabe will der CSU-Chef für Guttenberg. Konkretisiert hat Seehofer dies nicht - und ließ damit viel Raum für Spekulationen. (afp)



Kommentare
22.10.2012
12:59
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von meinemeinungdazu | #11

Nur der Name "Guttenberg" könnte der CSU viele Stimmen kosten. Er hat eine große Angriffsfläche für die Opposition, weil Guttenberg betrogen hat. Und das ist nicht tragbar. Die rechnerische CSU-Mehrheit könnte schnell platzen. Bis zu den Wahlen lann sich viel verändern.

22.10.2012
12:21
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von rally88 | #10

Guttenberg? - So ein Unsinn!

22.10.2012
07:42
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von ruhrpottfan | #9

eine von lügnern und betrügern durchsetzte csu ist doch in deutschland schon seit 65. jahren standard.
warum sollte sich das ändern?
guttenberg als joker ...
ha, ha, ha, ...
so richtig batman-mäßig.

21.10.2012
20:55
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von holmark | #8

Wusste ich doch, Seehofer spielt gern mit gezinkten Karten...

21.10.2012
20:54
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von meinemeinungdazu | #7

Wer in der Ehe anderswo Kinder zeugt, dem kann man in der Politik nicht vertrauen. Seehofer kann niemals ein Vorbild in der Politik sein. Er ist verlogen und unglaubwürdig.

2 Antworten
Was für ein bigottes Argument!
von cui.bono | #7-1

Danach wäre wohl ein Viertel der Weltbevölkerung verlogen!

Denken Sie manchmal nach, bevor Sie etwas kommentieren?

Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von meinemeinungdazu | #7-2

Sie wollen die Realität nicht sehen. So einem Mann kann man nicht vertrauen. Da zählt Ihr Argument nicht.

21.10.2012
20:50
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von meinemeinungdazu | #6

Guttenberg kann nur den Kopf und Kragen kosten. Ein Betrüger gehört nicht mehr in die bürgernahe Politik.

3 Antworten
Wo ist Guttenberg ein Betrüger?
von cui.bono | #6-1

Ich wäre mit meinen Beschuldigungen etwas vorsichtiger. Guttenberg wurde von keinem Gericht verurteilt.

An cui.bono | #6-1
von Borniger | #6-2

Und ob Guttenberg betrogen hat. Nämlich die Universität Bayreuth. Noch nicht gehört oder gelesen?

Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von buntspecht2 | #6-3

#6Die deutschen lieben Schaumschläger aller Art ob Betrüger oder nicht

21.10.2012
20:25
Offensichtlich hat . . .
von KPDHagen2 | #5

. . . Seehofer seine "Strategie" beim Oktoberfest nach der 13. Maß entwickelt! Daß Politiker auch lügen und betrügen, ist allseits bekannt. Aber hier will er einen Mann "wieder aufbauen", der sich beim Lügen und Betrügen hat erwischen lassen!

21.10.2012
20:02
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von Papageiengeplapper | #4

Ein Mann wie Seehofer zeigt für mich ganz deutlich, warum es in Deutschland Politikerverdrossenheit (nicht Politikverdrossenheit !!!) gibt. Gestern sagt er, die Griechen müssen raus aus dem Euro. Heute sagt er das Gegenteil und tut so, als sei nichts gewesen, indem er die 180 Grad - Wende nicht einmal kommentiert oder begründet.

Das zeigt überdeutlich, wie ernst Politiker ihre Wähler nehmen und wie sehr man sich auf ihre Worte verlassen kann.

21.10.2012
19:10
Seehofer geht mit dem Guttenberg-Joker in den Wahlkampf
von Plem | #3

Man könnte an sich zu dem Schluß kommen, daß wir überhaupt keine politischen Kabarettisten mehr brauchen, weil sie vom Politbetrieb in ausreichender Anzahl inklusive der Witzfigur von der traurigen Gestalt Guttenberg zur Verfügung gestellt werden. Es ist leider nur so, daß niemand das merkt, weil die Massenmedien uns glauben machen, das alles sei völlig normal. Und deswegen brauchen wir weiterhin Leute wie Georg Schramm.

21.10.2012
19:06
Königlich Bayrisches Amtsgericht oder...
von wohlzufrieden | #2

...der Kommödienstadl. Aber über diese Art Unfähigkeit kann man im Gegensatz zu CDU und SPD wenigstens herzlich lachen.

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