Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Gesundheit

Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern

01.10.2009 | 22:14 Uhr
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern

Brüssel. EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou mahnt im Interview zur Wachsamkeit: Gerade beim Wechsel in die kalte Jahreszeit könnte es zu Veränderungen des H1N1-Virus kommen: „Europa droht eine zweite Grippewelle mit mehr Todesfällen“

In Deutschland gibt es offenbar den ersten Schweinegrippe-Todesfall: Im Klinikum Essen starb eine Frau, die mit dem Virus infiziert war. EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou spricht mit unseren Brüsseler Korrespondenten Katrin Teschner und Detlef Fechtner darüber, wie gefährlich die Schweinegrippe ist, wie sicher die Impfungen sind, die demnächst starten - und warum es unfair wäre, der Pharmaindustrie reine Geschäftemacherei vorzuwerfen.

Frau Kommissarin, müssen wir uns auf weitere Grippe-Tote einstellen?

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou sieht vor allem Kinder, Schwangere und Mitarbeiter im Gesundheitswesen in der Risikogruppe derer, die durch eine Infizierung mit dem H1N1-Virus besonders gefährdet wären. Foto: afp

Androulla Vassiliou: Die meisten Todesfälle in Europa betreffen bislang Menschen, die schon durch Krankheiten geschwächt waren, aber auch schwangere Frauen oder stark Übergewichte. Der Virus breitet sich zwar aus, aber in den meisten Fällen verläuft die Ausbreitung glücklicherweise mild.

Das heißt: Alles halb so schlimm wie zunächst befürchtet?

Vassiliou: Nein. Wir wissen nicht, wie sich das Virus entwickeln wird. Wir müssen deshalb sehr wachsam bleiben, gerade jetzt beim Wechsel in die kalte Jahreszeit. Europa droht eine zweite Grippewelle mit mehr Todesfällen.

Gibt es denn schon Anzeichen dafür, dass sich das Virus verändert?

Vassiliou: Unsere Sorge ist, dass sich das Virus A (H1N1) auch mit anderen Grippestämmen mischen könnte und es zu Mutationen kommt.

Wie sieht die Lage speziell in Deutschland aus?

Vassiliou: Bislang sehr gut, wenn man die hohe Bevölkerungsdichte und die Größe des Landes betrachtet. In Großbritannien und Spanien gab es viele Tote. Warum das so ist, wissen wir nicht.

Bald werden die Impfungen in den EU-Ländern anlaufen – wer soll zuerst eine Spritze gegen die Schweinegrippe bekommen?

Vassiliou: Wir haben uns mit den EU-Mitgliedsstaaten auf drei Risikogruppen geeinigt. Dazu zählen Menschen mit Gesundheitsproblemen, Kinder, Schwangere und Mitarbeiter im Gesundheitswesen.

Wenn ich aber nicht zu einer dieser Risikogruppen gehöre – darf ich mich dann trotzdem impfen lassen?

Die europäische Arzneimittel-Agentur EMEA hat die zugelassenen Impfstoffe als sicher eingestuft. Foto: ap

Vassiliou: Am Anfang wird der Impfstoff noch nicht reichen, um die gesamte Bevölkerung zu versorgen. Deswegen sollten wir den Risikogruppen zunächst den Vortritt geben. Später können sich selbstverständlich auch andere impfen lassen.

Werden Sie sich auch gegen die Schweinegrippe impfen lassen?

Vassiliou: Ja, da wir sehr viel auf Reisen sind, hat man den EU-Kommissaren eine Impfung empfohlen.

Können wir sicher sein, dass der Impfstoff keine gefährlichen Nebenwirkungen hat?

Vassiliou: Die europäische Arzneimittel-Agentur EMEA hat die zugelassenen Impfstoffe als sicher eingestuft. Aber die Mitgliedsländer müssen nun sehr genau beobachten, ob und welche Nebenwirkungen eintreten und diese gegebenenfalls den nationalen Behörden beziehungsweise EMEA melden. Schwangere Frauen zum Beispiel sollten sich auf jeden Fall vorher den Rat ihres Arztes einholen, bevor sie sich impfen lassen.

Einige sprechen im Zusammenhang mit der Schweinegrippe von Panikmache, die mehr der Pharmaindustrie dient als den Interessen der Patienten. Sehen Sie das auch so?

Vassiliou: Anfangs hat es tatsächlich Panik gegeben – besonders nachdem die Weltgesundheitsorganisation die Grippewelle als Pandemie eingeordnet hat. Nach dem milden Verlauf der Grippe haben sich alle wieder entspannt. Zur Panik gibt es nach wie vor keinen Grund, aber wir müssen wachsam bleiben und uns vor einer Ansteckung schützen.

Kritiker haben ihre Zweifel, dass Massenimpfungen tatsächlich notwendig sind. Können Sie denn sicherstellen, dass die ganze Aufregung nicht von der Pharma-Lobby geschürt wurde, um ordentlich Kasse zu machen?

Vassiliou: Nein, wir haben die Pharmaunternehmen sogar dazu gedrängt, so schnell wie möglich Impfstoffe zu entwickeln. Es ist daher unfair zu behaupten, diese hätten die Situation ausgenutzt. Natürlich werden sie mit dem neuen Impfstoff Geld verdienen, aber so läuft nun einmal das Geschäft.

Katrin Teschner, Detlef Fechtner

Facebook
 
Kommentare
01.10.2009
20:57
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von aufrecht in de | #7

Erstens ist der Name falsch. Es kann es nicht Schweinegrippe sei, wenn an keinem armen Schwein der Virus je nachgewiesen wurde. Dagegen ist der Begriff „Amerikanischer Virus“ passender.
Zweitens sollten wir uns vor der Panikmache der Pharmaproduzenten hüten, die uns nur ihr extrem teures Zeug aufschwatzen wollen.
Zum Dritten habe ich noch jede Grippewelle, genau wie die Nachbarn, mit ein bisschen Niesen, ohne Hilfe eines Arztes problemlos überstanden.

01.10.2009
20:13
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von aufrecht in de | #6

Aus Enteneiern konnte man früher als Journalist reiflich, üppig honorierte Sechszeiler kreieren.
Schade, verflixt, die Zeiten haben sich gestern geändert. lol

01.10.2009
19:55
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von aufrecht in de | #5

als Anhang, auch Amerikaner haben äußerst selten die Schweinegrippe, richtig genannt, die amerikanische Grippe.
Die Hype über diesen Blödsinn sollten wir schnell vergessen. Denn diese Grippe wurde nur von ein paar frustrierten Reportern erfunden, die im loch Ness statt der Nessi nur ein paar Enteneier fanden.

01.10.2009
19:41
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von aufrecht in de | #4

erstens heißt es gar nicht Schweinegrippe. Kein einziges Schwein auf der ganzen Welt hat je diesen Virus besessen. Richtig ist amerikanische Grippe.

01.10.2009
19:00
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von eaott | #3

@ Krisenmanager
Durch solche Kommentare werden die Gewinne der Pharmaunternehmen gefährdet!
(Aber wenn sie sich die Gewinne nicht bei der Impfung gegen Schweinigrippe holen, müssen eben die anderen Medikamente teurer werden.)
Abgezockt werden wir so oder so!

01.10.2009
17:22
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von B.Schmitz | #2

Es gibt jedes Jahr eine Grippewelle und genauso gibt es jedes Jahr Grippetote. Mit der Schweinegrippe ist es nur Geschäftemacherei der Pharmaindustrie.

01.10.2009
17:16
Schweinegrippe könnte mehr Tote fordern
von krisenmanager | #1

PAAANIIIIK!

Die Schweinegrippe will mich töten.

Was für ein Humbug!

Das hat die Pharmalobby sauber platziert.

Bei uns wird keiner geimpft!

Nachdem die kurze Grippe bei meinem Sohn abgeklungen war, wurde festgestellt das er die „Schweinegrippe“ hatte.

Komisch keiner der Familienangehörigen hat sich angesteckt.
Mein Sohn hatte keine Medikamente genommen.

Und wir alle leben noch.

Sind unsere Abwehrkräfte zu gut?
Nein, wir leben nur Ruhig, Zufrieden und Gesund.

Menschen mit Risikofaktoren, selbst gemachten oder „zugeflogenen“ haben auch bei harmlosen Viren schon Probleme.
Kommen mehrere Faktoren zusammen macht der Mensch schon mal schlapp.
Aber dann war es laut Medien die Schweinegrippe.

Nach dem Motto -Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht-

Oder sollen wir Bürger nur gefügig und lenkbar gemacht werden?


p.s.
Bei Fragen, Kopf einschalten, in sich hineinfühlen und selbst entscheiden welcher Weg für einen der Richtige ist.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/251788/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat verurteilt Massaker in Hula
Syrien
Nach anfänglichem Widerstand Russlands hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig und in scharfem Ton die syrische Regierung für das Massaker in Hula verantwortlich gemacht. Bei den Angriffen habe es eine "Schussserie von Panzern und Regierungsartillerie" auf eine Wohngegend gegeben.
Video 11 Kommentare 11
Acht Zivilisten bei Nato-Angriff in Afghanistan getötet
Militäreinsatz
Bei einem Luftangriff der Nato sind im Osten Afghanistans nach offiziellen Angaben acht Zivilisten getötet worden. Wie die örtlichen Behörden am Sonntag mitteilten, handelt es sich bei den Opfern um zwei Frauen und sechs Teenager. Der Angriff sei am späten Samstag geflogen worden.