Schulterschluss gegen den Hass

Hut ab vor den Franzosen. Sie haben nicht ängstlich auf den Terroranschlag im Herzen von Paris reagiert, sondern mit trotziger Verachtung. Es ist ihnen bewusst, dass das Attentat auf die Journalisten von Charlie Hebdo auch ein Anschlag auf das freie Wort, ja auf die Freiheit war. Zu Zehntausenden und furchtlos sind sie auf die Straße gegangen, um ihre Verbundenheit mit diesen Werten zu demonstrieren. Aber wie lange hält die Geschlossenheit? Die ersten Racheakte gegen muslimische Gebetsstätten lassen nichts Gutes ahnen. Wenn die Gräueltaten von Islamisten im Irak, in Syrien oder in Frankreich die Islamfeindlichkeit befeuern, droht einem Land, in dem mehr als fünf Millionen Muslime leben, ein Riss mitten durch die Gesellschaft.

Es ist gut, dass sich die Sprecher der islamischen Gemeinde sofort von den Attentätern distanziert haben. Sie taten das aus tiefster innerer Überzeugung, selbst wenn die Furcht vor Kollateralschäden für ihre Glaubensgemeinschaft mitschwang. Doch gibt es Anzeichen dafür, dass diese Furcht unbegründet sein könnte. Im Augenblick jedenfalls schließt der nationale Schulterschluss gegen den Terrorismus Frankreichs Muslime ein und nicht aus – zudem war einer der beiden ermordeten Polizisten ein Moslem. Die Muslime sind in großer Zahl auf die Straße gegangen. Das ist ein starkes Zeichen, das durchaus als Gegenmittel für die Islamfeindlichkeit taugt.