Das aktuelle Wetter NRW 34°C
Handyverbot

NRW-Schulen verbieten Smartphones auf dem Pausenhof

05.06.2014 | 05:48 Uhr
NRW-Schulen verbieten Smartphones auf dem Pausenhof
Viele Schulen verbieten Handys auf dem Pausenhof.Foto: dpa

Essen.   Viele Schüler entfliehen tagtäglich mit ihren Smartphones in virtuelle Welten. Zudem ist Cyber-Mobbing ein großes Problem an den Schulen in NRW geworden. Darum wollen Schulen in NRW Handys nicht nur im Unterricht, sondern auch in Pausen verbieten. Die Kinder sollen wieder mehr miteinander spielen.

Immer mehr Schulen in NRW führen strenge Handy-Verbote ein . Ein Soester Gymnasium hat gerade beschlossen, die Nutzung von Mobiltelefonen und internetfähigen Smartphones nicht nur im Unterricht zu untersagen, sondern auch in den Pausen auf dem Schulhof. 

Ähnliche Beschlüsse gibt es in Siegen, in Altena und vielen Städten des Ruhrgebietes. Die meisten Eltern und Lehrer begrüßen die Verbote. Die Landesregierung vermeidet eine klare Empfehlung. „Über die Regeln für den Umgang mit Handys bestimmt vor Ort die Schulkonferenz selbst“, sagte eine Sprecherin von Ministerin Löhrmann (Grüne).

Schüler spielen nicht mehr

Schule
Handys sind immer häufiger auf dem Schulhof verboten

Immer mehr Schulen untersagen, Smartphones in der Pause anzuschalten. Denn die Schüler sollen sich miteinander unterhalten, sie sollen toben und sich...

Am Soester Conrad-von-Soest-Gymnasium ist es die Schulleitung leid, dass der Schulhof kaum noch zum Spielen genutzt wird. Viele Schüler entfliehen mit ihren Smartphones in virtuelle Welten, die neuesten Handy-Apps bestimmen ihren Alltag. Auch vormittags. Sie starren auf die leuchtenden Displays, sie meiden sonnige Orte, um die Schrift auf ihrem Smartphone besser entziffern zu können.

Damit soll bald Schluss sein, denn die Schulkonferenz will die Nutzung von Smartphones in den Pausen untersagen. Künftig sollen Schüler der Klassen 5 bis 9 ihre Mobiltelefone vor dem Betreten des Schulgeländes ausschalten. Für Oberstufenschüler gilt diese Regelung nicht, für sie werden spezielle „Handyzonen“ eingerichtet.

Ausnahme für die Oberstufe

Die Marienschule in Lippstadt ist da schon ein bisschen weiter. Seit dem Schuljahr 2013/14 trägt sie das selbstverliehene Prädikat „Handyfreie Schule“. „Seit diesem Schuljahr sieht man auf dem Schulgelände kein Handy mehr, die Schüler nutzen ihre Zeit sinnvoller. Es wird mehr geredet, gespielt und getobt“, erklärt Schulleiterin Ute van der Wal. Für die Oberstufenschüler wurden sogenannte „Handyzonen“ eingeführt, in denen sie ihr Smartphone nutzen dürfen.

Internet
Viele Jugendliche in Deutschland sind fast ständig online

Ständig im Internet verfügbar zu sein - für die meisten Jugendlichen in Deutschland ist das selbstverständlich: Der aktuellen Studie vom...

Das Burggymnasium Altena handhabt es ähnlich. Auf Beschluss der Schulkonferenz wurde das Schulgelände zur „Handyfreien Zone“ ausgerufen. Das Hauptproblem mit den technischen Alleskönnern sei aber ein anderes: Cyber-Mobbing . Die Fähigkeit, auf die Schnelle zu fotografieren oder zu filmen und darüber hinaus diese Werke noch ins Internet zu stellen, böte den Schülern eine besonders effektive Möglichkeit, einander zu hänseln. „Damit schützen wir einerseits die Opfer, andererseits aber auch unsere Schüler davor, zum Täter zu werden“, klärt der kommissarische Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper auf.

Kommentar
Das Handy gehört zum Schülerleben

Handyverbote sind auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Wer glaubt, damit Kindern etwas abgewöhnen zu können, der irrt. Schule soll auf die Zukunft...

Laut Ralf Leisner, dem Vorsitzenden des Landeselternschaft der Gymnasien in NRW, führt vor allem Cyber-Mobbing dazu, dass Handynutzungsregeln den Einzug in die Hausordnungen zahlreicher Schulen fänden. Das sei auch ein Grund, warum Oberstufenschüler mehr Freiheiten als ihre jüngere Schulkollegen genießen. Denn „Cyber-Mobbing ist eher ein Phänomen der 7. bis 9. Klassen“, weiß Leisner. Schüler höherer Klassen gehen respektvoller miteinander um. Allerdings zieht der Vorsitzende auch die Eltern mit in die Verantwortung. „In den Eltern sollten die Schulen einen starken Verbündeten haben, der auf eine sinnvolle Handynutzung der Kinder achtet“, so Leisner.

Experte: Verteufelung bringt nichts

Eine restriktive Handhabe ist auch für Markus Köster, dem stellvertretenden Leiter der Medienberatung NRW, völlig legitim. Vor reinen Verboten warnt der Professor jedoch: „Mit einer Verteufelung von Handys kommen wir definitiv nicht weiter.“ Die Pädagogen der Medienberatung setzen vor allem auf einen bewussten und kritischen Umgang aller Beteiligten, schließlich gehörten Mobiltelefone spätestens bei Zwölfjährigen zum Alltag. Obwohl technisch absolut fit, so offenbarten Minderjährige doch gerade bei Themen wie Cyber-Mobbing eine erstaunliche Naivität. Auch gefährliche Inhalte wie Gewalt- oder Sexmedien werden oftmals über die mobilen Geräte verbreitet, geben die Medienberater zu Bedenken.

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: NRW-Schulen verbieten Smartphones auf dem Pausenhof
    Seite 2: Schüler sagen: Smartphone gehört zum Leben

1 | 2

Kommentare
07.06.2014
00:41
NRW-Schulen verbieten Smartphones auf dem Pausenhof
von endever | #38

hab keine kinder. aber wo ist das problem? die NICHTVETSTÄNDIGUNG im schulalltag ist doch keinesfalls den handys geschuldet. eher Unvermögen der...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
So feiert NRW seinen Geburtstag
Bildgalerie
Bürgerfest
Ausstellung im Essener Landgericht
Bildgalerie
Ausstellung
Sakurai und Co.
Bildgalerie
Fotostrecke
Walter Scheel – Sein Leben in Bildern
Bildgalerie
Alt-Bundespräsident
article
9431051
NRW-Schulen verbieten Smartphones auf dem Pausenhof
NRW-Schulen verbieten Smartphones auf dem Pausenhof
$description$
http://www.derwesten.de/politik/schulen-in-nrw-verbieten-smartphone-nutzung-id9431051.html
2014-06-05 05:48
Smartphone,Schule,Handy,Pause,Schüler,Schulhof,Internet,
Politik