Schuldenfrei e Städte – Borken macht’s vor
15.02.2012 | 20:59 Uhr 2012-02-15T20:59:00+0100
Borken. Die Stadt Borken macht es vor: Sie gehört neuerdings zum exklusiven Club der „Schuldenfreien“. Nur zehn bis 15 Städte in NRW gelten als schuldenfrei. Raus aus den Schulden – wie geht das? Das verraten drei schuldenfreie Städte: Borken, Langenfeld und Breckerfeld. Ihre Antworten fallen ganz ähnlich aus.
„Der richtige Weg“ heißt das Motto der Stadt Borken. Zugegeben: Es gibt flottere Sprüche. Und es gibt Gemeinden mit mehr Glamour. Aber rein finanziell gesehen befindet sich Borken tatsächlich auf dem besten Weg. Seit heute ist die Stadt nämlich Mitglied in einem exklusiven Club: den „Schuldenfreien“.
Der Preis eines großen Eigenheims hat gereicht, um die 42 000-Einwohner-Gemeinde im Westmünsterland aus den roten Zahlen zu befördern. 378 000 Euro flossen gestern an die Bank, der Schuldenstand erreicht heute die „0“. Für Ruhrgebietsbürger klingt diese Geschichte wie „Science Fiction“. Überhaupt gelten nur zwischen 10 und 15 von 396 Städten in NRW als schuldenfrei. 34, darunter Oberhausen, Hagen und Wuppertal, sind streng genommen pleite. Raus aus den Schulden – wie geht das? Das wollte die WAZ von Vertretern dreier schuldenfreier Städte wissen: Borken, Langenfeld und Breckerfeld. Ihre Antworten fallen ganz ähnlich aus.
Schlichtes Hausfrauen-Ziel
Es klingt banal, aber am Anfang steht immer der Wille zum Sparen. „Wir haben uns 1986 ein schlichtes Hausfrauen-Ziel gesetzt: Gib nicht mehr aus, als du in die Kasse kriegst“, sagt Detlev Müller, Kämmerer in Langenfeld. 22 lange Jahre vergingen, bis die Rechnung aufging. Nun tingelt Müller durch die Lande und hält Vorträge übers Sparen.
Borkens Bürgermeister Rolf Lührmann (parteilos) berichtet zuerst vom Verzicht auf Mitarbeiter. „Wir haben beim Verwaltungs-Personal gespart und liegen heute mit 440 Mitarbeitern etwa 20 Prozent unter dem, was sich andere Städte dieser Größe leisten. Nie wurde jemand entlassen, aber vor jeder Neubesetzung haben wir uns gefragt: Muss das sein?“ Eine Strategie, die genau so in Breckerfeld und Langenfeld aufging. „Bei uns gibt es zwar relativ wenig Personal in der Verwaltung, dafür bezahlen wir die Leute besser“, erzählt Detlev Müller.
Die Liste der „Tricks“ für besseres Haushalten ist überall lang. Borken hat eine Stadtwerke-Tochterfirma gegründet, die der Kommune erhebliche Gewinne beschert. Es gibt zwar eine Bücherei, aber die wird von der Kirchengemeinde St. Remigius rein ehrenamtlich organisiert. Der Bürger-Verein „Kulturgemeinde“ bringt in der Stadthalle Musik und Schauspiel auf die Bühne.
Aggressive Wirtschaftsförderung in Langenfeld
Langenfeld (50 000 Einwohner) hat einen Standort-Vorteil: Die Wirtschaftskraft von Köln und Düsseldorf strahlt bis hier. „Aber du musst den Vorteil auch nutzen“, unterstreicht Kämmerer Müller. „Aggressive Wirtschaftsförderung“ heißt das im Klartext, die Langenfelder werben und locken auf Teufel komm ‘raus. Und sie sparen nicht am falschen Ende. „Firmen achten sehr auf weiche Faktoren wie gute Schulen, Kultur, Naherholung“, weiß Müller. Der Lohn für so viel Marketing in eigener Sache: Langenfeld ist es gelungen, sein Gewerbesteueraufkommen auf 50 Millionen Euro zu verfünffachen.
Borken und Breckerfeld haben keinen dicken Speckgürtel um sich herum, Breckerfeld (knapp 9000 Einwohner) blickt sogar auf einen verarmten Nachbarn: Hagen. „Wir liegen bei der Gewerbesteuer eher im Mittelfeld“, sagt Kämmerer André Dahlhaus. Seine Gemeinde beherzigt viele der genannten Spartipps. Einen hebt Dahlhaus ausdrücklich hervor: „Wer investiert, muss an Folgekosten denken.“ Bei einer neuen Sportanlage steht zum Beispiel eine gemeinnützige GmbH in der Pflicht, die Kosten zu tragen.
Schulen, die nicht vergammeln
Schuldenfreie Städte können ihren Bürgern tolle Angebote machen. Zum Beispiel niedrige Abfallgebühren (Borken), hohe Zuschüsse für Vereine (Breckerfeld), edle Sportplätze und Schulen, die nicht vergammeln (Langenfeld). In der Liste des NRW-Innenministeriums für „echt ausgeglichene Haushalte“ taucht Borken übrigens nicht auf. Grund: Die Münsterländer müssen ihren Haushalt noch mit Rücklagen stopfen, in diesem Jahr mit 3,5 Millionen Euro. Die echten Musterknaben heißen Sternwede, Harsewinkel, Herzebrock-Clarholz, Altenberge, Nettersheim, Wettringen, Vreden und Heiden. Dort halten sich Einnahmen und Ausgaben die Waage. „Eine perfekte Kombination“, sagt Claudia Roth, Sprecherin des Innenministeriums.

11:57
wer weiß, wie lange ihr haushalt halt noch schuldenfrei bleibt, wenn sie ihre arbeit, ihre einnahmen verlieren?
11:52
geringer ist, dürfte klar sein.
Dass der stammtisch das nicht berücksichtigt, dürfte klar sein.
und von den "kritischen" journalisten wollen wir erst gar nicht reden!
14:12
Das Kuhkaff heißt Stemwede und ist bestimmt nicht NRW Kernland.
12:43
Wenn man (richtigerweise) eine Menge Pendler beobachten kann, die jeden Tag vom sogenannten "Speckgürtel" in die Metropolen fahren, so sollte man mal daran denken, daß es sich hierbei um Leute handelt, die zum Arbeitsplatz fahren.
Also, regelmäßig einer steuerpflichtigen Tätigkeit nachgehen und damit dieses Land aufrecht erhalten.
Und man sollte sich mal die Frage stellen, warum diese dort wohnen. Warum sie weggezogen sind.
Will man offen und ehrliche Antworten finden und beachten (auch wenn sowas hier schnell mit einer Löschung des Kommentars endet) so wird man übereinstimmend zu hören bekommen, dass die Lebensqualität dort erheblich besser ist und dort "die Welt noch in Ordnung" ist.
In den Metropolen hat man in den vergangenen Jahrzehnten nur noch Politik für Randgruppen aller Art betrieben - die so genannten "Otto Normalverbraucher" wurden nicht mehr beachtet.
Und vielleicht sollte man auch mal an das Unwort des Jahres 1993 denken um zu verstehen warum sich viele dort nicht mehr wohl fühlen.
Warum sie dort hingezogen ist, ist doch ganz einfach. Billiges Bauland trifft auf steuerliche Förderung des Pendelns. Fielen diese Subventionen weg, dann gäbe es die Stadtflucht nicht.
Und wer steckt dahinter? Wer kann das gewollt haben, dass Leute mehr ein Auto benutzen? Sie kommen von selbst darauf. Das ist fast so ein großer Skandal wie der Kauf und die Zerschlagung der ÖPNV Systeme durch die Automobilindustrie in mancher US-Großstadt in den 50ern.
08:44
für all die Städte, die keinen Strukturwandel zu bewältigen haben und im Speckgürtel liegen.
In allen anderen Regionen muss man sich fragen, warum man in der Vergangenheit viel Geld in die Armenhäuser der Republik geschickt hat, wenn jetzt wo der Zyklus die ehemals reichen nach unten zieht keine entsprechende Solidarität zurückkommt.
Was den Nahverkehr angeht, sollte man wirklich überlegen, ob die Subventionen nicht zu Wettbewerbsverzerrungen führen.
07:19
Möglich wird diese ach so tolle Leistung durch den Steuerzahler, der über die Pendlerpauschale den Speckgürtel nährt. Die zentralen Leistungen und insbesondere die Finanzierung der Arbeitslosigkeit, ein Häuschen im Grünen kann sich schließlich nicht jeder leisten, dürfen dann die großen Städte zahlen und die müssen sich so verschulden.
Also bitte erst mal nachdenken, dann schreiben Herr Korfmann.
00:22
Sie erwarten nicht im Ernst, dass jemand das liest?
Wenn man sich schon zum Romanautor berufen fühlt, sollte man sich vielleicht vorher ein paar Grundkenntnisse, z.B. über Absätze, aneignen.
Ich habs gelesen, könnte aber nicht sagen worum es genau ging. Irgendwas mit Oberhausen.
00:12
Mit einer Arbeitslosenquote von 3,8% (Stadt Borken, 12/2011) und entsprechenden Sozialausgaben kann man leicht durch die Lande ziehen und anderen erzählen, wie man spart. Die Arbeitsplätze schaffen schlussendlich allerdings die Städte, denen man dann medienwirksam vom Sparen berichtet.
Die, die schnell arbeitslos werden können, waren oder sind meist im Niedriglohnbereich beschäftigt und wohnen in der Nähe ihrer Arbeitsplätze, also in den verschuldeten Städten, weil es sie es sich nicht leisten können, jeden Tag mit dem Auto aus den Randgebieten in die Städte zu fahren.
Um die Schulden loszuwerden, muss man Rosinenpicker werden und natürlich ein paar sozial schwache entsorgen.
Mögliche Maßnahmen:
- nur eine Autobahnauffahrt (reicht, um zur Arbeit zu fahren)
- die Auffahrt am besten an einer ungeraden Autobahn (Nord/Süd Route), das hält die Kriminalität aus dem Osten fern.
- Bahnhof schließen (hält Leute fern, die sich nur den ÖPNV leisten können)
- Maximal 3-4 Zufahrtsstraßen (macht die Stadt allgemein sicherer)
- produzierendes Gewerbe abschaffen (produziert am Ende nur unqualifizierte Arbeitslose)
- ÖPNV in Grenzen halten (zur Schule gehts zu Fuß, und zur Arbeit muss man sich ein Auto leisten können).
Oder verallgemeinert:
Man muss die Stadt für alle potentiellen Rand- und Problemgruppen und für alle, die das Stadtsäckel belasten könnten, ohne je was wieder einzuzahlen, so unattraktiv wie möglich machen. Sollen sich doch die drum kümmern, denen man dann vom Sparen erzählt.
23:31
Was macht Borken vor ? Woher das Geld kommt was diese Stadt hat sieht man jeden Morgen und Abends auf der A3 und A31 !!!
Tausende von Pendlern und "Handwerkern" die in den Pott strömen. Letztere mit ihren Transportern+Anhänger mit 10 Meter Abstand zum Vorderman bei 120km/h auf der linken Spur !
Borken, Coesfeld und co. haben in den letzten Jahren keine tausende von Jobs verloren sondern in den ganzen Neubaugebieten "reiche" Neubürger angelockt.
Wer in Teilen eine reine Wohnstadt mit ein paar Handwerksbetrieben ist, der hat halt weniger Probleme wie Städte wie Dorsten, Oberhausen, Marl, Recklinghausen, Dinslaken wo alleine die Schließung der Bergwerke tausende von Jobs gekostet hat.
Zudem die Grundstückpreise wesentlich höher und der nutzbare Platz auch geringer ist.
Aber wenn die "Jugend" flügge wird und nicht mehr jeden Tag im Stau stehen will wandern diese Bürger wieder in die Städte und in 20-30 Jahren sind obige Städte Rentnerstädte mit drastisch verfallenden Imobilienpreisen...
Sicherlich sind viele Städte in Teilen ihren Schuldenberg selber schuld, wer Mill. für sinnlose Projekte rauswirft macht was falsch.
Aber Oberhausen hat mit dem CentrO gezeigt, das man durchaus was erreichen kann. Nur den Verlust der tausenden Jobs des Stahlwerkes, des Bergbaus und der Schwerindustrie kann auch kein CentrO abfedern.
23:07
Mein Haushalt ist auch schuldenfrei.
Vielleicht kommt mal ein WAZ-Reporter bei mir vorbei und fragt, wie ich das geschafft habe.
Da könnten Gelsenkirchen und co vielleicht was von lernen.
Zumindest wäre die Aussagekraft ähnlich wie beim Vergleich mit Langenberg oder Borken.....