Schützenwesen vorerst kein Weltkulturerbe

Werl..  Der Fall des muslimischen Schützenkönigs von Werl-Sönnern, dem im vorigen Jahr als ­Nicht-Christ die Teilnahme am ­Bezirksschützen- fest verweigert wurde, wird bei der Bewerbung der Schützen um die Aufnahme in das immaterielle Unesco-Kulturerbe zum Bumerang. Der Antrag ist ins Stocken geraten. Das belegt ein Schreiben der Deutschen Unesco-Kommission, das ­dieser Zeitung vorliegt.

Darin heißt es, dass „wegen der schroffen und ausgrenzenden ­Reaktionen auf nicht ,biodeutschen’ Maßstäben“ entsprechenden Schützenkönigen eine „offene Traditionspflege“ derzeit nicht ­bestätigt werden könne. Die Bewerbung sei zunächst zurückgestellt worden, heißt es in dem Papier weiter.

„Fast schon rassistischer Stil“

Ohne ihn namentlich zu erwähnen, nimmt das Expertenkomitee Immaterielles Kulturerbe in einem ­Schreiben an die Europäische Gemeinschaft Historischer Schützen (EGHS) den Fall des Königs von Sönnern auf. Die Kommission ­verstehe nicht, warum eine religiöse Öffnung den christlichen Gründungszweck von Schützenvereinen gefährden könnte.

Rolf F. Nieborg vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) entgegnet nun: „Die haben nicht verstanden, dass wir seit mehr als 800 Jahren christ­liche Werte vertreten. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen europäischen Ländern.“ Über Tonfall und „fast schon rassistischen Stil des Schreibens“ habe man sich geärgert und dies in einem ­Antwortbrief kundgetan: „Die Toleranz, die sie von uns ­fordern, erwarten wir auch von ­ihnen.“

Jedenfalls hätte sich die Deutsche Unesco-Kommission für die Wortwahl entschuldigt und die in dem ersten Schreiben unterbreitete ­Aufforderung, die Bewerbung zu überarbeiten, zurückgenommen, sagt BHDS-Sprecher Nieborg. Und weiter: „Wir warten jetzt ab, zu ­welchem abschließenden Ergebnis die Kommission kommt.“