Schröder rockt Mettmann
22.09.2009 | 09:00 Uhr 2009-09-22T09:00:00+0200
Mettmann. In der heißen Phase des Wahlkampfs hatte Altkanzler Gerhard Schröder am Montagabend einen Auftritt in Mettmann. Der letzte Rock 'n' Roller der Sozialdemokraten sagte inhaltlich wenig - riss die Genossen aber umso mehr mit und schwor sie auf den Endspurt ein.
Natürlich sind da auch Kerstin Griese und Peer Steinbrück. Beide treten im Kreis Mettmann an für die SPD. Die eine ist außerhalb Mettmanns Eingeweihten bekannt, der andere, klar, ist Finanzminister, schon ein politisches Schwergewicht, aber heute Abend interessiert die 500 Menschen in der Neandertalhalle in Mettmann eigentlich nur einer: Altkanzler Gerhard Schröder. Von ihm erwarten sie sich das, was ihnen im Wahlkampf bislang fehlt, klare Kante, Rock 'n' Roll, Balsam für die kleingeschriebene und geschundene sozialdemokratische Seele.
„Der weiß, wovon er spricht”
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Leo Baum beispielsweise, seit über 40 Jahren in der Partei, braune Wildlederjacke, vor sich ein Glas mit Altbier. Kein schlechtes Wort über den Kanzlerkandidaten, natürlich nicht. Aber: „Den Willy Brandt, den haben wir geliebt, der Münte steht für den kleinen Mann ein und der Schröder, der weiß wovon er spricht.” Und, ja, verdammt es braucht eben auch Wadenbeißer in der Politik, sagt Baum und swingt ein wenig mit zu der Musik einer Band mit dem putzigen Namen „Peter-Weisheit-Band”, die „Let's have a Party” schmettert.
Dann sind sie da, Peer und er, und die Masse tobt und jubelt und klatscht frenetisch. Der Mann, der mal Ministerpräsident in NRW war und dessen Wahlniederlage im Mai 2005 das Ende der Regierung Schröder einläutete, ergreift als erster das Wort. Sicher, Steinbrück kann reden, spitzzüngig agitiert er gegen die „Marktradikalen”, malt in grellen Farben das Schreckensbild einer schwarz-gelben Regierung, die für eine Aufhebung des Kündigungsschutzes stehen werde und ein Ende des handlungsfähigen Staates.
Das hören sie hier selbstverständlich gern, wie auch den ätzenden Spott, mit dem er den politischen Gegner überzieht („zu Guttenberg ist ein gut aussehender junger Mann. Aber reicht es, gut auszusehen? Er ist ein blendender Mann”), aber die Menge zum Kochen bringt er nicht. Vielleicht liegt es am leichten Sing-Sang, mit dem Steinbrück seine Rede intoniert, vielleicht liegt es auch daran, dass er zuviel Regierungshandeln rechtfertigt und erklärt.
Schröder redet Tacheles
Doch dann bekommen die Genossen, auf was sie gewartet haben: Gerhard Schröder betritt die Bühne und redet Tacheles. Ach, was heißt reden – er bölkt und röhrt und ackert auf der Bühne, er zieht die Grenzen scharf zwischen „die” und „wir”. Die, das ist die Union, das ist die FDP, die sind „beliebig” und „substanzlos”, ganz im Gegensatz zur SPD, die „klar und souverän” auftritt, mit „überzeugenden Leuten” und „überzeugenden inhaltlichen Angeboten”.
Eigentlich müsse man „die anderen” nicht beschimpfen, weil „die eh nix taugen”, aber Schröder tut es natürlich doch. Die Kanzlerin, die in der Krise nicht sichtbar gewesen sei, Union und FDP, die unter Rot-Grün gegen eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte gekämpft und die Industriepolitik der SPD zugunsten der Finanzdienstleister diskreditiert hätten. „Man darf ihnen dieses Land nicht anvertrauen”, bellt er in den Saal. Das ist das, was die Leute hören wollen.
Richtig Wahlkampf eben
Und so verzeihen sie ihm seinen wenig stringenten Vortrag, eigentümliche semantische Verrenkungen („deswegen war ich zu keinem Zeipunkt pessismistisch, aber jetzt bin es noch weniger als jemals zuvor”) und sogar, dass er Mettmann zur Stadt Johannes Raus erklärt und eigentlich Wuppertal meint. Er schwört sie ein auf einen Wahlkampfendspurt, macht ihnen Hoffnung („am Sonntagabend wird eine ganz andere Stimmung in der Sozialdemokratie herrschen”), reißt sie mit, motiviert sie - und das ist, was hier zählt, in der Neandertalhalle in Mettmann.
Richtig Wahlkampf eben. Das haben sie vermisst.

16:09
@ #42
Erstens geht es um Gerhard Schröder - und zweitens um Außenpolitik.
Deine Polemik zeugt davon, daß die Kommerz-Medien im Dienste der oben erwähnten 30 Prozent Reichen bei Dir uneingeschränkten Erfolg hatten - falls Du nicht selbst dazugehörst.
10:17
Soso, Deutschlands wichtigster Bündnisparter ist Russland, ?!?
Dann weiß man ja, wo die Reise hingeht.
Wir schalten alle unsere Kohle-Kraftwerke ab und decken unseren Energie-Bedarf statt dessen mit dem Erdgas unseres lupenreinen Demokraten-Freunds Putin. Im Gegenzug verkaufen wir die verbleibende Technologie unserer Industriebetreibe an die Russen.
So sieht also Steinmeiers Deutschland-Plan aus.
08:31
Gerhard Schröder hat vor allem bewiesen, daß er a) die weltpolitische Lage verstanden hat und b) in der Lage ist, die richtigen Konsequenzen auch durchzusetzen. Angela Merkel hat Deutschland von seinem wichtigsten Bündnispartner Rußland systematisch entfernt und zurück in die bedingungslose Unterwürfigkeit gegenüber der USA geführt. Wählen? Was? PolitiCum.EU: 30 Prozent der deutschen Haushalte gehören über 90 Prozent des gesamten Nettovermögens hierzulande und damit die Meinungsmacher aller kommerziellen Medien, welche nichts unversucht lassen, unter den siebzig Prozent, die sich zusammen in weniger als zehn Prozent des Nettovermögens deutscher Haushalte teilen, genügend Idioten zu rekrutieren, um den schwarz-schwarz-gelben Sachwaltern der Reichen zur Mehrheit im nächsten Bundestag zu verhelfen.
00:14
Ein Kanzler der Mut hatte und der die nötigen Reformen mit viel Elan voran gebracht hat! Merkel ist schwach und macht eine Politik wie die Fahne im Win. Sie ist beliebig und tut so, als wäre Sie eine Presidentin statt eine Kanzlerin.
21:29
@moderation
Was ist mit meiner Kritik am Wort Schreihals, welches sich einer ihrer Redakteure bemüht hat?
Hätte ihr Redakteur aufgepasst, hätte er gemerkt, dass alle meine Einwürfe konkrete Sachfragen waren.
20:59
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20:55
Man Munkelt er hat sich mit seinem Freund Peter Hartz getroffen um Gedanken auszutauschen was man an Hartz 4 noch Brutaler machen kann um das an Steinmeier weiterzugeben !!!!
18:06
Schreihals ist natürlich auch populistischer als Jemanden als Kritiker zu bezeichnen. Meine Fragen zum Zugangserschwerungsgesetz und zur Vorratsdatenspeicherung hat Peer Steinbrück ja auch nicht beantwortet.
Achso ich habe mein lebenlang SPD gewählt, auch bei der letzten Bundestagswahl. Dieses Jahr garantiert nicht mehr.
17:52
http://www.derwesten.de/nachrichten/staedte/2009/9/21/news-134059511/detail.html
Kommentar Nummer 4 ist von mir.
Schröder mochte meine Frage zum Wahlversprechen von 2005 die Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen nicht hören. Leider hat der Journalist, die Frage die ich Herrn Schröder gestellt habe nicht erwähnt.
17:25
@Lautsprecher
Jörg Tauss ist aus der SPD ausgetreten und jetzt Mitglied der Piratenpartei. Er kandidiert nicht mehr für den Bundestag. Seine Immunität als Abgeordneter wurde aufgehoben. Anfang September hat die Staatsanwaltschaft Karlsruhe gegen ihn Anklage wegen der Erlangung, des Besitzes und der Weitergabe kinderpornographischen Materials erhoben.