"Schrecken darf sich nicht wiederholen"
08.05.2008 | 15:40 Uhr 2008-05-08T15:40:00+0200Auschwitz. Wie kaum ein anderer Name hat sich Auschwitz in die Erinnerung der Menschheit eingebrannt. Der Ort des nationalsozialistischen Massenmords an Europas Juden. ...
... 63 Jahre nach Kriegsende rollte erstmals wieder eine Deportationszug nach Oswiecim (Auschwitz): Der Zug der Erinnerung. Das Ziel - Auschwitz I: Hier errichteten die Nazis das erste Lager für Männer und Frauen, hier wurden die ersten Tötungsversuche mit Zyklon B gemacht, hier wurden die ersten Massentransporte mit Juden ermordet, hier wurden die ersten verbrecherischen Experimente an Häftlingen durchgeführt. Und das Lager Birkenau: Hier fand alles im vergrößerten Maßstab statt. Fast 300 primitive Baracken für jeweils bis zu 100 Menschen - Juden, Polen, Sinti, Roma und andere. Bis zu 100 000 Menschen waren hier gleichzeitig gefangen und dem Tode geweiht.
Die Orte des Schreckens blieben erhalten. Ein gewaltiges Mahnmal gegen das Vergessen. Genau diesen Ort hat auch der Zug der Erinnerung gestern angesteuert. Er startete am 8. November in Hessen. Am Tag des Kriegsendes steht der Zug Bahnhof von Oswiecim. Den tausenden Ermordeten gibt der Zug ein Gesicht, erzählt ihren Leidensweg. Nach Birkenau hinein rollt der Zug aber nicht: Die Opfer sollen kein zweites Mal in das Todeslager fahren müssen, betont Ute Schilde vom Verein "Zug der Erinnerung".
Mehr als 225 000 Menschen haben den Zug und die Ausstellung besucht, die in den vergangenen Monaten in 62 Städten zu sehen war. Der Zug, der nicht nur die Opfer und die Verbrechen zeigt, sondern auch die Täter und Helfershelfer - insbesondere der Deutschen Reichsbahn - benennt, hat viele Menschen bewegt. Und Proteststürme gegen die Deutsche Bahn AG ausgelöst. Diese hatte dem Verein die gefahrenen Streckenkilometer, die Aufenthalte in den Bahnhöfen und auch den Strom in Rechnung gestellt. Bislang rund 60 000 Euro. Der Vorwurf: Die Bahn bereichert sich zweites Mal am Leid der Opfer.
Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckhardt und Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Sinti und Roma, fanden bei der Gedenkfeier in Birkenau deutliche Worte. Göring-Eckhardt appelliert an die gesellschaftliche Verantwortung - auch der Bahn: "Es ist nach wie vor eine Unverschämtheit, dass sie dem Zug der Erinnerung Steine in den Weg legt."
Doch für Ute Schilde tritt dieses Thema ausnahmsweise hinten an: "Wir werden hier der Ermordeten gedenken." Jetzt gelte die Aufmerksamkeit der lebendigen Erinnerungsarbeit. Denn der Zug ist nicht allein gekommen: 150 Jugendliche, viele aus dem Ruhrgebiet, sind dabei. Aus den Orten, wo die Opfer lebten. Dort haben die Schüler Spurensuche betrieben und die gesammelten Biographien im Zug präsentiert. Sie tragen jetzt gemeinsam die Erinnerung an den Ort, an dem das Leben der meisten Opfer endete: Auschwitz-Birkenau. Sie gedenken der Opfer und mahnen dort für die Zukunft: "Der Schrecken darf sich nicht wiederholen."

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