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Schön wär's, Herr Minister!

13.08.2008 | 12:00 Uhr
Schön wär's, Herr Minister!

Essen. Es klang nach frischem Bundes-Geld für klamme Kommunen im Ruhrgebiet, aber so war es doch nicht gemeint. Bundesverkehrsminister Tiefensee rudert mit seiner Forderung nach mehr Finanzhilfen für arme West-Regionen zurück.

Der Bundesverkehrsminister rudert zurück. Hatte Wolfgang Tiefensee (SPD) in einem Interview in der „Welt” soeben Fördermittel für arme Städte im Ruhrgebiet gefordert, so ließ sein Ministerium gegenüber der NRZ wissen, es seien keine neuen Finanzspritzen gemeint gewesen. Es gebe ja Förderprogramme für West-Regionen, „die greifen”, und im Übrigen sei alles nur ein „Aufruf zur Solidarität” gewesen. West mit Ost und umgekehrt. Anlass des missverständlichen Interviews ist der heutige Jahrestag des Mauerbaus.

Wörtlich hatte Tiefensee erklärt: „Ein neues Kapitel der Solidarität wird wichtiger: Auch Städte wie Duisburg, Gelsenkirchen, Bremerhaven oder das ehemalige Zonenrandgebiet in Bayern brauchen Finanzhilfen. Wir müssen vermeiden, dass sich dort genau die Disparitäten entwickeln, die wir heute im Osten haben. ”

Prompt hatten sich die Stadtoberen in Städten wie Duisburg gefreut. Auch Regierungspräsident Jürgen Büssow, der sich seit geraumer Zeit für Sonderprogramme für hochverschuldete Städte einsetzte, sagte: „Das ist dringend erforderlich. Städte wie Oberhausen, Wuppertal, Remscheid und Mönchengladbach haben sonst keine Chance, aus ihren Schuldenlasten herauszukommen.”

Dickes Sparpaket in Oberhausen

Büssow würde einen Fonds bevorzugen, in den Millionen eingezahlt werden können, unter anderem vom Bund, die dann dazu dienen, Kommunen schuldenfrei zu stellen.

Die Stadt Oberhausen steht unter Nothaushalt und weist mit 6220 Euro die höchste Pro-Kopf-Verschuldung in NRW auf. Kämmerer Bernd Elsemann spricht deshalb schon lange nicht mehr vom Abbau der Verbindlichkeiten. „Wir wollen den Anstieg verlangsamen”, so Elsemanns bescheidenes Ziel angesichts von 1,6 Milliarden Euro Schulden. Dazu müssen in der Kernverwaltung 120 Stellen wegfallen, Serviceleistungen werden eingeschränkt, Abgaben und Steuern erhöht.

Info
Geld für den Stadtumbau

Das Bundesverkehrsministerium will nach eigenem Bekunden „nicht nach Himmelsrichtungen fördern, sondern nach Bedarf”. Dazu gebe es Programme wie „Stadtumbau West” und „Soziale Stadt” für 500 Kommunen. Auch Sonderprogramme etwa für die Folgen des demographischen Wandels stünden nicht nur für die neuen Länder zur Verfügung: „Davon wird auch der Westen profitieren”, sagte eine Ministeriumssprecherin der NRZ. Da es die Programme schon gebe, werde keine neue Förderung aufgelegt. Laut Regierungspräsident Jürgen Büssow haben arme Städte aber Schwierigkeiten, die für die Anträge erforderliche Vorfinanzierung überhaupt zu bewältigen. (disc/NRZ)

Doch selbst mit dem mittelfristig avisierten Einsparpotenzial von 45 Millionen Euro wäre nicht einmal eine Trendwende einzuleiten. Elsemann fordert daher seit Jahren eine Gemeindefinanzreform. „Bund und Land drücken uns immer mehr Gesetze aufs Auge, für die wir am Ende dann bezahlen müssen”. Der Finanzfachmann weist auch auf die 200 Millionen Euro hin, die bisher in den Fonds Deutsche Einheit gingen. „Ein Unding, das habe ich schon ganz früh gesagt und dafür viel Prügel eingesteckt. Allmählich aber wird allen klar, dass Bedürftigkeit nichts mit der Lage in Ost oder West zu tun hat.”

Bei Duisburgs Stadtoberhaupt Adolf Sauerland (CDU) meint man angesichts der vermeintlichen Tiefensee-Initiative ein „Schön wär's” vernehmen zu können. Schon 2006, so der OB, habe er alle Bundestagsfraktionen angeschrieben und darum gebeten, die derzeitige Praxis der Strukturförderung Ost zu überprüfen. Wobei es nicht um Almosen gehe, sondern um mehr Steuergerechtigkeit. Schließlich habe man die rund eine halbe Milliarde Euro, auf die sich die Solidarhilfe inzwischen summiere, zu rund 45 Prozent aus Kassenkrediten finanzieren müssen. Und deshalb müssten bei solchen Hilfen auch Arbeitslosenzahlen oder Steuerkraft der Kommune Berücksichtigung finden, und das eben nicht nur im Osten.

Was die Verwendung zusätzlicher Finanzmittel angehen würde, steht für Duisburgs Oberbürgermeister der investive Bereich ganz oben an. Zum einen, weil Investitionen auch Arbeitsplätze bedeuten und zum anderen, weil es hier den größten Nachholbedarf gibt.

Kraftakt für die Schulen

So sei es mit einem erheblichen Kraftakt in den letzten Jahren zwar gelungen, alle Schulen, deren baulicher Zustand als „mangelhaft” eingestuft worden war, zu sanieren; aber für neue Turn- oder Sporthallen habe bisher das Geld gefehlt. Und das, obwohl diese Einrichtungen dringend gebraucht würden. Gleiches gelte für neue Stätten zu Kinderbetreuung. Und auch was den Straßebau angehe, reichten die sechs bis sieben Millionen, die im Etat veranschlagt seien, keineswegs aus. Sauerland: „Duisburg hat bekanntlich mehr Brücken als Venedig. Das bedingt aber auch einen enormen Aufwand für die Instandhaltung.”

Fazit des Duisburger Stadtoberhauptes: „Besser wäre es gewesen, wenn der entsprechende Scheck schon gestern gekommen wäre, aber wenn er morgen doch noch eintrifft, freuen wir uns auch.” Schön wär's. (NRZ)

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Klaus Peters, Dieter Schneider u. Hannes Fritsche

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Kommentare
16.08.2008
21:22
Schön wärs, Herr Minister!
von karunaa | #12

Einfach wegziehen aus dem Ruhrpott hier gibt es kaum etwas zuverdienen .Auch sehe ich immer weniger Deutsche Leute.

13.08.2008
12:11
Schön wärs, Herr Minister!
von enoyna | #11

Tja- Solizuschlag abschaffen, und dafür (bei den Bürgern natürlich!) zusätzliches Geld einsacken, das sowohl in Ost als auch in West an die bedürftigen Kommunen verteilt wird. Chancengleichheit für alle!

13.08.2008
09:28
Schön wärs, Herr Minister!
von p_s_a | #10

Als erstes mal müssen die Kämmerer freie Hand bekommen um Sozialhilfezahlungen - gleich aus welcher Quelle sie kommen - in tarifliche Teilzeitarbeitsplätze umzuwandeln.

So kann der Substanzverfall unserer Städte zumindest verlangsamt werden. Den ARbeitslosen wäre auch geholfen, denn wenn sie ihr Lebensminimum erarbeitet haben stünde es Ihnen frei jeden weiteren Job anzunehmen. SO haben auch Unternehmer den Freiraum Auftragsspitzen oder personelle Engpässe die in Wachstumsphasen auftreten zu lösen.

Und der Arbeitnehmer der in der Privatwirtschaft arbeitet bekommt einen Gegenwert für seine Transferzahlungen. Gleichzeitig ist er geschützt vor Lohndumping durch 1 € Kräfte.

13.08.2008
07:48
Schön wärs, Herr Minister!
von bundesschranzler | #9

Das Ruhrgebiet sollte gefördert werden. Aber damit dieses sinnvoll gelingt, müssen die Städte fusionieren, Verwaltungen abgebaut werden. Unsere Bürgermeister sind total überfordert und müssen von einem kompetenten Management ersetzt werden.
Das Ruhrgebiet wird Sonderwirtschaftszone mit niedrigeren Steuern. Der Bürgermeister (für das gesamte Ruhrgebiet) wird direkt von der Bevölkerung gewählt.
u.s.w................

13.08.2008
07:00
Schön wärs, Herr Minister!
von artie | #8

@radieschen: Dies schließt Kritik aber nicht aus, sei sie auch hart.

12.08.2008
23:42
Schön wärs, Herr Minister!
von radieschen | #7

Wir haben die Leute in der Politik, die noch bereit sind, sich zu engagieren. Wählen können wir sie erst, nachdem Parteigremien sie gekürt haben. Jeder kann sich einer Partei anschließen und kandidieren.

12.08.2008
23:14
Schön wärs, Herr Minister!
von Amygdala | #6

Aus Solidaritätsgründen wäre ich bereit nächstes Jahr meine 30 Tage TU zu opfern,
um an der ersten Vertikalautobahn Europas,entlang der ehemaligen
Zonengrenze,mitzuarbeiten...unentgeltlich versteht sich!

12.08.2008
22:16
Schön wärs, Herr Minister!
von eldenz | #5

Die Rolle als Bundeshauptstadt kostet Berlin 2008 allein im Bereich Sicherheit rund 106 Millionen Euro. Die entsprechenden Einsätze von Polizei und Feuerwehr seien damit weiterhin Schwerpunkt der sogenannten hauptstadtbedingten Ausgaben, heißt es in einem Senats-Bericht an das Abgeordnetenhaus. Durch den seit Jahresbeginn geltenden Hauptstadtvertrag erhält Berlin davon nun 60 Millionen Euro vom Bund erstattet. Bislang lag diese Summe bei rund 38 Millionen Euro.
BILD-online

Dafür scheints allemal zu reichen! Damit unsere
Damen und Herren Volksvertreter auch wohl
geschützt weiter gegen die Bevölkerung Politik
machen kann. Ja, ja Du bist Deutschland!

12.08.2008
21:50
Schön wärs, Herr Minister!
von Elektrosteiger | #4

Ne, es werden jetzt für die vielen Millionen an Finanzhilfen an die 5 teuren Bundesländern in diesen Ländern jetzt goldene Leitplanken angebracht und überall Blümchen gepflanzt..
Und hier geht alles kaputt???
Ist das normal??? NEE, DAS IST SUPER...

12.08.2008
21:26
Schön wärs, Herr Minister!
von artie | #3

Der soll einfach wieder ab nach Leipzig und da sein Cello bearbeiten, was der hochbezahlt in Berlin sucht, weiß ich bis heute noch nicht - achja, Quotenossi...ein typischer Politiker, für den alles andere als ein Kommunalamt viel zu hoch ist.
So langsam hab ich das Gefühl, dass das Verkehrsministerium der Abschiebebahnhof für die schlechtesten Politiker aller Couleur ist.

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