Schmalspur-Elite?
19.02.2009 | 22:05 Uhr 2009-02-19T22:05:00+0100Die Konstanzer Studie verblüfft. Hier erscheint der Student als angepasstes, unpolitisches Wesen. Kann das sein? Sind Studenten denn nicht die kommende Elite?
Oft genug ging von Studierenden glutvolles politisches Engagement aus, stießen sie gesellschaftliche Umbrüche an oder haben diese beeinflusst oder beschleunigt.
In den 60er-Jahren stellten Studenten erstarrte Strukturen und hohle Hierarchien infrage. Im frühen 19. Jahrhundert traten Studenten in einer machtvollen patriotischen Bewegung für eine freiheitliche Verfassung ein und für die deutsche Einheit.
Effizient, aber nicht politisch streitbar
Aber: Ein Grund- oder Naturgesetz, wonach sich besonders Studenten für Politik zu interessieren hätten, gibt es nicht.
Dennoch alarmiert die Studie. Sie könnte auch ein Indiz dafür sein, dass eine zunehmende Straffung und Spezialisierung von Studiengängen bei gleichzeitig zunehmendem Leistungs- und Finanzdruck den Horizont von Studenten zwangsläufig verengt. Der "effiziente Student" mag der Wirtschaft gefallen - die Gesellschaft jedoch braucht den Studenten auch als politisch interessierten, als politisch streitbaren Kopf.

13:01
Wundert mich nicht, dieses Ergebnis. Das Problem ist doch Hausgemacht. Geld fließt in Wirtschaft und Armee, aber nicht in den Bildungssektor. Wird gegen ein solches Vorgehen protestiert, wird man, aufgrund politischer Ideale, zum Bösen Demokratie-Feind erklärt und geht noch das Risiko ein, frei nach §129a, in den Knast zu wandern. Aber einer einfachen Erhebung der eigenen Stimme (das also was man bislang unter Protest verstand) hört schon lange keiner mehr zu, besonders nicht der moderne Politiker. Die Regierung zeigt, besonders den Studenten von heute, das Bild der funktionsuntüchtigen Demokratie. Was man auch versucht, es wird immer abgeblockt, politisch kann man als Stimme des Volkes nichts mehr erreichen. Wen wundert es also das die Studenten, beladen mit Sorgen um die eigene finanzielle Zukunft und der Frage ob man sich das nächste Semester noch leisten könne, ein politisches Desinteresse aufweisen, wie es lange nicht für möglich gehalten wurde?
Und auch die Forderung nach politischer Bildung an Hochschulen wird daran nichts ändern. Es wird im Gegenteil viele noch politikverdrossener machen. Eine stärkere Miteinbeziehung der Studenten und aller anderer Bürger in die Politik und das herausnehmen der sprichwörtlichen Bohnen aus den Ohren der Politiker wäre die einzige Möglichkeit das politische Interesse, in allen Bevölkerungsschichten, wieder zu wecken. Aber das wird nicht geschehen. Grund: Als Autokrat lebt es sich bequemer und vor allem mit weniger (finanziellen) Problemen.
23:26
Der effiziente Student gehört auch zu solch einem Kuckucksgelege, welches uns die global-player ins Nest gelegt haben.
Mit angepasster Brut lässt sich ein besseres Betriebsergebnis erzielen.
Aber alles hat seinen Preis: siehe homo faber