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Integrationsbericht

Schlechte Chancen für Zuwanderer

10.06.2009 | 21:18 Uhr
Schlechte Chancen für Zuwanderer

Köln. Für Migranten ist der gesellschaftliche Aufstieg noch schwer. Das ist das Ergebnis des neuen Integrationsberichts für Deutschland. Vor allem im Bildungsbereich - schon ab dem frühen Kindesalter - gebe es Handlungsbedarf, so die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU).

Bildung schlechter, Arbeitslosigkeit höher und Armut größer - Zuwanderer stehen in vielen Bereichen weiterhin deutlich schlechter da, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das geht aus dem ersten Indikatorenbericht zur Integration in Deutschland hervor, den das Bundeskabinett am Mittwoch beraten hat. Die besten Chancen auf einen gesellschaftlichen Aufstieg haben demnach unter den mehr als 15 Millionen Bürgern mit Migrationshintergrund die Kinder der Einwanderer, also die zweite Generation.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), sieht insbesondere im Bildungsbereich erheblichen Handlungsbedarf - und zwar schon ab dem frühen Kindesalter. Denn dem Bericht zufolge besuchten im Jahr 2007 mit 73,5 Prozent deutlich weniger Migrantenkinder im Alter von drei bis sechs Jahren den Kindergarten als Kinder in der Gesamtbevölkerung (88,7 Prozent). Böhmer verweist in dem Zusammenhang auf Bundesländer, in denen der kostenfreie Besuch von Kindertagesstätten möglich ist. Im Saarland etwa schickten deutlich mehr Eltern ihre Kinder in die Einrichtungen. Um die Sprachkenntnisse der Kinder zu verbessern, müssten zudem die Eltern stärker gefördert werden.

Bei den Abgängern ohne Schulabschluss gibt es eine große Diskrepanz zwischen Deutschen und Ausländern. (Foto: ap)

Eine Diskrepanz zwischen Ausländern und Deutschen zeigt sich auch bei den Abgängern ohne Schulabschluss. Insgesamt ging deren Zahl dem Bericht zufolge von 2005 bis 2007 von 8,2 Prozent auf 7,3 Prozent zurück. Dabei betrug der Anteil der Deutschen zuletzt 6,5 Prozent und bei den Nicht-Deutschen 16,0 Prozent. Besser schneidet die Gesamtgruppe der Jugendlichen mit Migrationshintergrund zwischen 18 und 25 Jahren ab, unter denen zuletzt noch 4,4 Prozent ohne Schulabschluss waren. Hier lag allein der Anteil der in Deutschland geborenen Zuwandererkindern mit 2,2 Prozent sogar leicht unter dem Niveau für die Gesamtbevölkerung (2,3 Prozent).

Bei den höheren Bildungsabschlüssen klaffen wieder große Lücken. Während der Anteil der deutschen Schüler mit Abitur in der Studie bei 30 Prozent liegt, sind es bei den Ausländern lediglich 11 Prozent. Böhmer bemängelt, dass in den aktuellen Schulstatistiken die Kinder mit Migrationshintergrund nicht gesondert erfasst würden. Dies sei für eine genauere Untersuchung aber «dringend notwendig».

Nachteile haben junge Migranten ferner bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder einem Job. So absolvierten 2007 mit 57,6 Prozent mehr als die Hälfte der 18- bis unter 21-jährigen Deutschen eine Ausbildung. Bei ausländischen Jugendlichen in diesem Alter waren es lediglich 23,9 Prozent. Auch hatten deutsche Bewerber auf eine Lehrstelle mit 45,5 Prozent der bei der Bundesagentur für Arbeit erfassten Kandidaten mehr Erfolg als ausländische Bewerber mit 31,7 Prozent. Bei den Unternehmen müsse noch stärker für die Einstellung ausländischer Mitarbeiter geworben werden, räumt Böhmer ein.

Bei der Suche nach regulären Arbeitsplätzen stehen die Chancen der Ausländer ebenfalls schlechter. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote bei Ausländern mit 20,3 Prozent im Jahr 2007 laut Bericht etwa doppelt so hoch wie die der Gesamtbevölkerung. Sozialwissenschaftler Ruud Koopmans vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), der die Studie miterstellt hat, hebt zudem hervor, dass auch bei Vergleichen von Gruppen mit ähnlichem Bildungsniveau die Arbeitslosigkeit bei den Ausländern höher sei als bei den Deutschen. Ein möglicher Grund sei eine Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt.

Das Armutsrisiko ist bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund den Angaben nach mit 26,8 Prozent doppelt so hoch wie bei der Gesamtbevölkerung (13,2 Prozent). Daher dringt Böhmer auch mit Blick auf die Bundesländer auf deutlich mehr Anstrengungen bei der Bildung. Dies sei der «entscheidende Schlüssel», um gleichberechtigter in Deutschland zu leben. (ddp)

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