Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Abinoten

Schlanker lernen dank Turbo-Abi - Hauptsache, die Noten stimmen

27.12.2012 | 19:14 Uhr
Schlanker lernen dank Turbo-Abi - Hauptsache, die Noten stimmen
Gut vorbereitet gehen viele Schüler in die Abiturprüfungen.Foto: dapd

Essen.   Zentral- und Turboabitur haben den Unterricht verändert: Inhalte werden stark verknappt, im Zentrum des Unterrichts stehen für Schüler, Lehrer und Eltern vor allem die Prüfungsergebnisse - das erhöht allseits den Druck und bei den Zensuren wird der "Spielraum nach oben ausgeschöpft"

Physik – irgendwas mit Stromkreisen. Chemie – versteht keiner. Deutsch: Literaturepochen. Goethe und so. Der Lehrer schreibt an die Tafel, erklärt, fragt. Die Schüler machen mit oder auch nicht. So oder so ähnlich hört sich das an, wenn Neuntklässler von ihrem Unterricht erzählen. 14- und 15-jährige Teenager, die mit 14 Fächern die Spitze des Leistungsdrucks in Turbo-Abi-Zeiten erreichen.

Ein langer Schultag in einer vollgestopften Woche, das ist der Alltag der Jugendlichen. Ziemlich trist – wenn da nicht die Lichtblicke wären: die mündliche Prüfung etwa, die eine Englischarbeit ersetzt. Die Hausarbeit im Wahlpflichtfach Naturwissenschaften. Die Projektarbeit, die immer öfter den klassischen Frontalunterricht ersetzt. Freiarbeit und Expertenvortrag. „An den Gymnasien in NRW hat sich tatsächlich eine Menge getan“, sagt Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Der Alltag an den Schulen ist hart, doch die Umstände werden besser

Die Gymnasien haben auch eine Menge zu bewältigen. Kinder sollen nicht mehr reihenweise auf der Strecke bleiben, die Leistungen dürfen nicht abfallen, der Stress soll in einem halbwegs erträglichen Rahmen bleiben und vor allem: Die Schüler sollen die zentral gestellten Abituraufgaben am Ende der Turbo-Schullaufbahn auch schaffen.

Bildung
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser

Die Abiturnoten in NRW verbessern sich stetig. Vor zehn Jahren war die Durchschnittsnote noch 2,68, jetzt liegt sie bei 2,5. Experten sehen die Einführung des Zentralabiturs als einen der Hauptgründe für die Verbesserung.

Nun, da der erste G8-Jahrgang gemeinsam mit dem traditionellen G9-Jahrgang bald in die Prüfungen geht, resümieren Schulexperten und Lehrer: Der Alltag an den Schulen ist nach wie vor hart, doch die Umstände werden besser. Und mit ihnen die Noten – nicht nur beim Abitur.

Die Schüler haben sich verändert. Sie gehen ernsthafter an schulische Dinge heran “, sagt etwa Elmar Prinz, Schulleiter des Essener Maria-Wächtler-Gymnasiums. Durch das Zentralabitur sei es einfacher, sich gezielt auf die Prüfungen vorzubereiten. „Früher mussten sich die Schüler auf Vorlieben der Fachlehrer einstellen, heute ist standardisiert, was wie gefragt wird“, fasst Elmar Prinz seine Erfahrungen zusammen.

„Lehrer und Schüler sitzen im selben Boot“

Doch während der Schulleiter vom spannenden Unterricht schwärmt und von Schülern, die sich nach dem Unterricht via Facebook gegenseitig Mathe erklären oder gemeinsam Referate erarbeiten, fürchtet GEW-Chefin Dorothea Schäfer eine starke Einschränkung durch die gezielte Vorbereitung auf die Lernstandserhebungen, die Abschlussprüfung nach der Klasse 10 und das Abitur. „Der Unterricht orientiert sich viel stärker an den Prüfungsanforderungen“, sagt sie. Nicht nur die Leistung der Schüler werde gemessen, auch die Qualität der Vorbereitung durch die Lehrer. Schäfer: „Sie sitzen im selben Boot.“

Schulnoten
„Gehen Sie auf Schatzsuche“

Die Abiturnoten in NRW werden immer besser. Das liegt nicht unbedingt daran, dass die Schüler besser werden. Eine Biologielehrerin erzählt, wie groß der Druck ist, im Zweifel die bessere Note zu geben. Eine solche Empfehlung hing einige Zeit sogar im Lehrerzimmer aus.

Den Lehrern sei es tatsächlich enorm wichtig, dass ihre Schüler beim Abitur oder den Lernstandserhebungen gut abschneiden, sagt auch Schulleiter Elmar Prinz. Was bedeutet: Nicht nur die Schüler, auch die Lehrer stehen inzwischen unter Leistungsdruck.

Eltern beschweren sich häufiger

Dann sind da noch die Eltern. Tatsächlich, sagt Peter Silbernagel, Chef des NRW-Philologenverbandes, übten sie einen gewissen Druck auf die Lehrer aus, auch gute Noten zu geben. „Sie beschweren sich häufiger als früher, der Lehrer muss sich dann schriftlich erklären und dokumentieren, warum er welche Note gibt“, sagt der Vertreter der Gymnasiallehrer. Und natürlich sei es leichter, die Ansprüche nicht allzu hoch zu schrauben. Und schon mal – wie es im Lehrerdeutsch heißt – den Notenspielraum nach oben auszuschöpfen. Silbernagel: „Der Rechtfertigungsdruck ist groß.“

Birgitta Stauber-Klein



Kommentare
Aus dem Ressort
Saarländische Ministerpräsidentin will weniger Bundesländer
Föderalismus
Sechs bis acht Bundesländer sind genug, findet die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. Aus 16 Ländern könnten dann sechs bis acht werden. Gerade die kleineren Länder ächzen unter Schulden. Eine Fusion könnte diese besser verteilen - und jährliche eine halbe Million Euro einsparen.
Briten und Polen bremsen beim Klima-Kompromissder EU
Klima-Gipfel
Nach zähem Ringen haben sich Europas Staats- und Regierungschefs am Freitagmorgen auf gemeinsame Ziele zur Drosselung der Treibhausgase geeinigt. Gipfelchef van Rompuy mahnte, der Klimawandel sei „eine Frage des Überlebens“. Trotzdem sind die Ziele bis zum Jahr 2030 nur unverbindliche Vorgaben.
Maut laut Dobrindt vor allem für große Transitstrecken
Verkehr
Die geplante Pkw-Maut soll den Grenzverkehr nach Worten von Verkehrsminister Dobrindt (CSU) nicht stören. Es gehe ihm vor allem um die großen Transitstrecken, sagte Dobrindt kurz vor der Vorlage seines Gesetzentwurfs. Dieser soll im Oktober vorgestellt werden - also spätestens bis kommenden Freitag.
NRW-Justiz veranlasst Finanz-Razzia bei Schweizer Banken
Finanz-Razzia
Polizeibeamte haben Dutzende Banken und Kanzleien durchsucht. Es geht um Geschäfte, durch die der deutsche Fiskus mutmaßlich Milliarden verloren hat. Die Konten etlicher Prominenter, wie Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Mirko Slomka und Clemens Tönnies könnten betroffen sein.
Deiche und Polder - 102 Projekte sollen Flüssen Raum geben
Hochwasserschutz
Mit 102 Hochwasserschutzprojekten wollen Bund und Länder den Flüssen Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser mehr Raum geben. Mit dem nun beschlossenen Nationalen Hochwasserschutzprogramm sollten etwa Deiche zurückverlegt werden und Polder entstehen.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?