Schiffe versenken

Nein, es ist kein makabrer Scherz, den die Europäische Union gerade diskutiert, es ist ein ernst gemeinter Vorschlag: Die EU denkt darüber nach, ob sie nicht die afrikanischen Schlepperbanden samt ihrer Boote bombardieren soll, damit die Herrschaften dort nicht mehr ihrem kriminellen Geschäft nachgehen können. Selten so einen Unsinn gehört: Wollen wir Libyen den Krieg erklären? (Und wem dort überhaupt?) Wollen wir die Flüchtlinge gleich mit versenken, wenn die Boote auf hoher See angegriffen werden? Glauben wir im Ernst, dass die Notleidenden sich dann keine anderen Wege nach Europa suchen würden?

Selbstverständlich lässt sich das Flüchtlingsproblem nur in den Herkunftsländern lösen, aber doch bitte nicht so. Um die Not in Afrika (und Asien) zu bekämpfen, müssen alle wichtigen globalen Spieler die betroffenen Länder vielmehr in die Lage versetzen, ihren Bewohnern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Politisch und wirtschaftlich. Das ist ein sehr, sehr langwieriger Prozess, aber die einzige nachhaltige Alternative. Vielleicht könnte jemand mal das Handelsabkommen TTIP vor diesem Hintergrund unter die Lupe nehmen: Die USA und Europa stärken ihre Wirtschaftskraft – aber auf wessen Kosten? Basis für eine Lösung wären also Solidarität und Mitgefühl. Wie es darum bestellt ist, belegt gerade der Streit über die Quotenregelung in der EU.