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Schaut auf uns - Der Hilferuf der libyschen Blogger

14.03.2011 | 12:27 Uhr
Schaut auf uns - Der Hilferuf der libyschen Blogger

Libyen.   Die ganze Welt schaut auf Japan, das lenkt jedoch den Blick weg von Gewalttaten in Libyen. Dort versuchen Internet-Aktivisten in Blogs die Brutalität von Muammar al Gaddafi offen zu legen. Ein lebensgefährliches Unterfangen. DerWesten stellt einige Blogs vor.

Muammar el Gaddafi führt Krieg gegen sein eigenes Volk . Er lässt den Aufstand für mehr Demokratie im Lande zusammenschießen. Die Zahl der Opfer soll immens sein. Die offizielle Propagandamaschine des Regimes verschweigt dies und bejubelt die Erfolge des Diktators. Objektive Berichte gibt es nicht. Aber immerhin gibt es Zeugen: In Chats, Blogs und Videos stellen sie eine Gegenöffentlichkeit her.

Diese Plattformen zeigen Mordtaten, Verstümmelungen, Massaker. Es sind unzensierte, brutale Bilder. Doch es geht hier nicht um Ästhetik oder Objektivität - es ist ein Ruf an den Rest der Welt: Helft uns, hier geschieht großes Unrecht! Es geht darum, die Berichte über die Brutalität des Regimes zu verbreiten, damit ungefiltert schonungsloses Material über Libyen um die Welt geht, damit klar wird, dass die.Aufständischen Unterstützung brauchen. Wenigstens durch Nahrung und medizinische Versorgung: „Urgent help needed for food an medical supplies“ ist einer der Hilferufe von libyschen Bloggern.

Doch die Internet-Aktivisten schweben in Lebensgefahr. Unter hohem Risiko sorgen sie für Transparenz im Land - mit Kritikern verfährt das Regime rigoros: es drohen Gefängnis, Folter, Tod. Deshalb ist die Nachrichtenlage rar und nicht immer ist die Quellenlage bei den Blogs klar. Es ist schwer zu sagen, ob ein Blogautor tatsächlich direkt von Libyen aus berichtet, nur so tut oder abschreibt. Trotzdem ergibt sich ein Bild der libyschen Zustände aus einzelnen Nachrichten-Puzzleteilen. So widersprüchlich ist das Bild nicht und scheint einen Ausschnitt des wirklichen Geschehens abzubilden. DerWesten hat einige Puzzleteile unter die Lupe genommen.

Videos im Internet zeigen schreckliches Ausmaß

„Misrata ist in diesem Aufruhr eine der am härtesten getroffenen Städte Libyens. Skrupellose Regierungstruppen haben willkürlich Zivilisten getötet, darunter ein Baby, was auf diesem Video aufgenommen worden ist.“ Das ist ein vom Englischen ins Deutsche übersetzte Wortlaut des Blogs „Feb17th“. Dann folgt ein Video, was die schrecklichen Ausmaße der Kämpfe zeigt. Feb17th ist ein Blog der libyschen Jugendbewegung. Der 17. Februar ist von vielen Libyern als Tag des Zorns ausgerufen worden. Dort hatten die Aufstände gegen Gaddafi ihren Anfang gefunden.

Die Kämpfe in Libyen sind Kämpfe um Städte. Am Montag sollen Rebellen die Ölstadt Brega eingenommen haben, das geht aus dem Blog Feb17th hervor. Ein Rebell soll dem arabischen Sender Al Jazeera gesagt haben: „Heute haben bewaffnete Kräfte und die revolutionäre Jugendbewegung die Kräfte Gaddafis neu geordnet (...), die sehr schwach sind, weil sie nicht für eine Sache kämpfen. Die meisten von ihnen sind Söldner, die für Geld kämpfen. (...) Die Revolutionäre schafften es deshalb, so viele von ihnen zu töten und gefangen zu nehmen.“ (Aus dem Englischen übersetzt)

Auch „Libyafeb17“ und „Help Free Libya“ berichten über Geschehenes. Libyafeb17 zitiert Nachrichtenagenturen und Medien und stellt Videoaufnahmen hoch, Help Free Libya platziert bestätigte und unbestätigte Nachrichten. Eine Landkarten zeigt angebliche „befreite“ Regionen und Regionen unter der Kontrolle von Gaddafi. Viele Bilder und echt erscheinende Videos sind auf dem Blog Anglo-Libyan zu sehen. „Murdered by Gaddafi“ - zwei Männer, die Gaddafis Kräfte getötet haben sollen, springen beim Öffnen des Blogs ins Auge. Wer nach weiter nach unten scrollt, sieht erschütterndes Videomaterial aus Libyen.

Politische Hintergründe der Autoren meist nicht klar

„Qaddafi Forces Advance On Benghazi As ‘Final Phase Of Conflict’“, so „alphgenerator“ in einer Twitter-Meldung. Leiten Gaddafis Kräfte mit einem Angriff auf Bengahazi wirklich die „Endphase des Konflikts“ ein? Auf Twitter lassen sich sekündlich diese und andere Ereignisse in den bürgerkriegsähnlichen Zuständen nachlesen. Die Schlagwörter (Hashtags) #Libya, #feb17, #Tripoli führen zu weiteren Tweets. Doch auch hier ist nicht klar, wer der Autor ist und mit welchen politischen Hintergründen er twittert.

Weltbekannte Medien schärfen das Bild. Die arabischen Medien Al Jazeera und Al Arabiya (auf der jeweils englischen Website) und die britischen Medien BBC und the Guardian berichten laufend auf englisch über die Zustände im nordafrikanischen Land.

„In Libyen sind die Dinge noch nie normal gewesen“

Facebook und Youtube sind wichtige und bekannte Plattformen für Berichte und Beweise von Bluttaten. Autoren liefern dort zahlreiche Videos und Gruppen, die ständig mit Neuigkeiten aus Libyen erweitert werden. Viel Zulauf haben offensichtlich zudem manche Blogs, hinter denen Einzelpersonen stehen. Tarek Alwan, so beschreibt er es in seinem Blog, informiert eigentlich internationale Unternehmen, die am libyschen Markt interessiert sind. Doch auch auf seinen Seiten finden sich Videos von sterbenden Menschen und einem Massenbegräbnis.

Auch KhadijaTeris Blog sollen bereits über 338 000 Menschen besucht haben. Allerdings seit Oktober 2004. „Ein normaler Tag in Tripolis“ titelt sie jüngst und schreibt weiter: „Eine Woche lang war ich nicht mehr außer Haus“. Eine alltägliche Erfahrung der Menschen in den libyschen Städten. „Ich möchte, dass endlich wieder alles normal wird“ soll sie zu einer Freundin gesagt haben. „In Libyen sind die Dinge noch nie normal gewesen“, soll die Freundin geantwortet haben.

Vanessa Klüber



Kommentare
15.03.2011
07:13
Schaut auf uns! Der Hilferuf der libyschen Blogger
von kadiya26 | #11

USA und EU halten den Diktator Ghaddafi seit Jahrzehnten an der Macht. Natürlich gegen Geld und Öl.
Deshalb besteht kein Interesse diesem Krieg gegen das eigene Volk Einhalt zu gebieten. Die Berichte über die Weigerung des Sicherheitsrats, zumindest ein Flugverbot zu verhängen, sprechen Bände... Die Welt mach sich (wieder einmal) der Duldung eines Massenmords schuldig.
Dabei könnte der Rest der Welt eingreifen, wäre der Wille da. Nicht militärisch, sondern mit einem Arsenal an wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen.

14.03.2011
20:10
Schaut auf uns - Der Hilferuf der libyschen Blogger
von guelleguelle | #10

Was stutzig macht, ist das die Revolution von Bengasi ausgeht. Dort sind befinden sich die schlimmsten Islamisten, die zwar Demokratie rufen, aber alles andere als Demokratie wollen. Dieses Wissen haben die Regierungen der Welt auch......

14.03.2011
16:35
Schaut auf uns! Der Hilferuf der libyschen Blogger
von Andreas1203 | #9

So leit mir das tut aber das interessiert jetzt nen Toten, was da unten passiert. Wenn der Gadafi schlau ist , haut er jetzt noch mal richtig rein. Das ist das Perverse an dieser Welt die Nachrichten von Gestern interessieren keine Sau mehr, nur das neue zählt und das ist ja noch Spektakulärer als der alte Senf. Man merkt er schon an der Anzahl der Kommentare hier. 7 an der Zahl.

14.03.2011
16:24
Schaut auf uns - Der Hilferuf der libyschen Blogger
von Emagic | #8

Die Staatengemeinschaft der Welt hat viel zu lange gezögert der lybischen Rebellion zu helfen. Sie haben zugeschaut wie ein Machthaber sein Volk mordet. Die Flugverbotszone kommt viel zu spät und wer weiß was sein wird, wenn Gaddafi die komplette Macht zurück gewinnt. Klasse, das ist ein ganzes Land weiterhin versklavt ;(((
Traurig die Katastrophe in Japan, aber eigentlich war es absehbar. Dieses Land liegt genau auf dem Feuergürtel der Erde.
Darüber Libyen zu vergessen ist irgendwie gemein. Ich kann mir nicht vorstellen, das es den Leuten dort besser geht als den Opfern der Naturkatastrophe in Asien. Obwohl ein Krieg mit einem Erdbeben direkt nicht zu vergleichen ist, vielleicht aber von den Auswirkungen her.

14.03.2011
14:05
Schaut auf uns! Der Hilferuf der libyschen Blogger
von Pit01 | #7

Bis der UN Sicherheitsrat in die Pötte kommt, hat Gaddafi Fakten geschaffen. dann wird noch China von seinem Vetorecht Gebrauch machen und das Schiksal der Libyer ist besiegelt und es kann lustig mit den Geschäften weiter gehen.

14.03.2011
13:51
Schaut auf uns! Der Hilferuf der libyschen Blogger
von Herold_Albert_Schincke | #6

Zu Kommentar 4 von brunoxw , am 14.03.2011 um 13:41

Sind Sie der Auffassung, daß deutsche Soldaten in Libyen einmarschieren sollten?
.

14.03.2011
13:49
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Name von Moderation entfernt | #5

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14.03.2011
13:41
Schaut auf uns! Der Hilferuf der libyschen Blogger
von brunoxw | #4

Also der Bericht oben von der Vanessa Klüber sagt nicht viel aus und verwirrt nur. Ihre Mutmaßungen sind unwichtig.
Hät sie lieber lassen sollen. Fakt ist aber, habe ich aus den Zustandsberichten von Funk und Fernsehen, dass in Libyen Hilfe notwendig ist. Und zwar jetzt!! Doch die Verantwortlichen, die sie geben könnten, zögern ängstlich und schieben sich die Zuständigkeiten gegenseitig zu.

14.03.2011
13:24
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

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14.03.2011
13:13
Schaut auf uns! Der Hilferuf der libyschen Blogger
von KFR001 | #2

Langsam bekomme ich den Verdacht, das ist nicht nur Unfähigkeit der Politiker, EU, NATO, UN sondern gezielte Unterstützung von Ghaddafi und anderen Diktatoren durch Passivität.

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