Schäuble fordert klare Aussagen von Athen

Istanbul..  Vor dem Eurogruppentreffen zur Griechenland-Krise hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble die Regierung in Athen zu klaren Aussagen über den weiteren Weg aufgefordert. „Die öffentlichen Verlautbarungen sind eher verwirrend“, sagte Schäuble nach dem Treffen der G20-Finanzminister gestern in Istanbul. Er gehe davon aus, dass der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis der Eurogruppe am heutigen Mittwoch in Brüssel „die verbindliche Haltung der neuen griechischen Regierung“ darlegen werde.

Auf die Frage nach der Konsequenz eines von Athen angedrohten Ausstiegs aus dem laufenden Hilfsprogramm sagte Schäuble: „Schön. Wir haben das nie aufgedrängt. Also überhaupt kein Problem. Aber dann ist es eben vorbei.“ Bei der Sitzung am Mittwoch in Brüssel würden die Finanzminister der Eurogruppe die Vorstellungen der griechischen Regierung „zur Kenntnis nehmen und überlegen, was die nächsten Schritte sein können“.

Angesichts der schwierigen Verhandlungen über den griechischen Schuldenberg will Regierungschef Alexis Tsipras dringend mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker telefonieren. Das berichtete das griechische Fernsehen gestern unter Berufung auf Regierungskreise.

Die Börse profitiert

Die Hoffnung auf eine Annäherung im Streit um Griechenland hat dem Dax gestern wieder auf die Beine geholfen. Die Anleger blieben jedoch vor dem EU-Gipfel nervös, wie die starken Schwankungen des deutschen Leitindex im Tagesverlauf zeigten. Nach den herben Verlusten zu Wochenbeginn kletterte das Börsenbarometer um 0,85 Prozent auf 10 753,83 Punkte. Für den MDax ging es um 0,97 Prozent auf 18 908,09 Punkte nach oben. Der Technologiewerte-Index TecDax stieg um 1,41 Prozent auf 1499,73 Punkte.

Fast jeder zweite Deutsche (48 Prozent) ist für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag von „Focus Online“. Nur 29 Prozent sind für einen Verbleib der Griechen in der Währungsunion, 23 Prozent der Befragten zeigten sich unentschlossen. Ohne große Illusionen reagierten viele Bundesbürger auf die Frage, ob es zu einem erneuten Schuldenerlass für Griechenland kommt. 44 Prozent sind davon überzeugt, 39 Prozent der Befragten glauben das nicht.