Saudis zweifeln schon am neuen König

Riad..  Monarch Abdullah bin Abdulaziz ist tot. Der saudische König starb am Freitag um 1 Uhr morgens in einem Krankenhaus in Riad an den Folgen einer Lungenentzündung. Bereits am Nachmittag nach dem Freitagsgebet wurde der 90-Jährige in Riad auf dem Friedhof beigesetzt, wo die gesamte saudische Königsfamilie begraben liegt.

Noch in der Nacht wurde der 79-jährige bisherige Kronprinz Salman bin Abdulaziz zum Nachfolger proklamiert. Er werde die Richtung des Königreiches nicht ändern, erklärte er in einer Mitteilung an das Volk.

Am Samstag soll eine Trauerfeier stattfinden, bei der Altbundespräsident Christian Wulff auf Bitten von Kanzlerin Angela Merkel Deutschland vertreten wird, sagte eine Regierungssprecherin in Berlin.

Für das arabische Königreich kommt Abdullahs Tod zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Im Inneren wie im Äußeren türmen sich die Probleme wie selten zuvor. Ob der neue Monarch überhaupt amtsfähig ist, daran bestehen Zweifel. Salman leidet offenbar unter den Folgen eines Schlaganfalls, möglicherweise auch unter beginnender Demenz. Der bisherige Vizekronprinz Mukrin bin Abdulaziz (69), der als Kronprinz nachrückte, ist der jüngste noch lebende Spross von Staatsgründer Abdulaziz al-Saud, unter den 34 thronberechtigten Familienstämmen jedoch umstritten – er stammt von einer Sklavin ab.

In der Gesellschaft gärt es. Im saudischen Cyberspace wächst der Unmut über die Schmarotzerklasse der rund 8000 Prinzen und der mit ihnen verbundenen Familien, einer superreichen Petrol-Nomenklatura von etwa 100 000 Personen. In keinem Land der Welt gibt es mehr Youtube-Nutzer als in der Heimat des Propheten Mohammed. Auf Facebook werden Korruptionsfälle ausgebreitet und skurrile Fatwas wahabitischer Scheichs verspottet. Als Reaktion erließ Saudi-Arabien ein Gesetz gegen Cyber-Kriminalität, das Onlinekritik unter Strafe stellt. Gleichzeitig wurden Menschenrechtler und Dissidenten mit Prozessen überzogen. Die öffentliche Auspeitschung des Bloggers Raif Badawi hat Saudi-Arabien weltweit in Misskredit gebracht. Im letzten Jahr wurden mehr als 80 Menschen in Saudi-Arabien öffentlich enthauptet.

Während des Arabischen Frühlings stellte der verstorbene Abdullah seine Untertanen mit 130 Milliarden Dollar für Gehaltserhöhungen, neue Stellen und billige Wohnungskredite politisch ruhig. Der neue König Salman ernannte als erste Amtshandlung seinen Sohn Mohammed zum neuen Verteidigungsminister, dem wichtigsten Posten zur Absicherung der Königsmacht.