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Sarrazin bleibt Bundesbank-Vorstand

30.08.2010 | 15:31 Uhr
Sarrazin bleibt Bundesbank-Vorstand

Frankfurt/M.Die Bundesbank hat sich von den Äußerungen ihres Vorstandes Thilo Sarrazin über muslimische Einwanderer scharf distanziert. Die Bundesbank werde nach einem Gespräch mit Sarrazin zeitnah über das weitere Vorgehen entscheiden.

Die Bundesbank verzichtet vorerst auf einen Antrag auf Entlassung ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin. Sie erklärte am Montagnachmittag, sie distanziere sich „entschieden von den diskriminierenden Äußerungen“ Sarrazins. Er habe sich mehrfach und nachhaltig provokant geäußert, insbesondere zu Themen der Migration. Sarrazin gebe darin nicht die Ansichten der Deutschen Bundesbank wieder.

Der Bundesbankvorstand werde nun „unverzüglich“ ein Gespräch mit Sarrazin führen, ihn anhören und „zeitnah“ über weitere Schritte entscheiden, teilte die Bundesbank mit. Am Wochenende hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel der deutschen Notenbank indirekt nahegelegt, sich von Sarrazin zu trennen.

Künast fordert Ablösung von Sarrazin

„Das Maß ist voll“, sagte die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Renate Künast, angesichts Sarrazins jüngster Äußerungen zu einem „bestimmten Gen“ von Juden. „Wer Mitglied im Vorstand der Bundesbank wird, muss zur Kenntnis nehmen, dass die Meinungsfreiheit gilt, aber man auch nicht alles sagen darf, weil man die Interessen der Bank und die Interessen Deutschlands vertreten muss“, sagte Künast. Der Vorstand der Bundesbank müsse beschließen, Thilo Sarrazin abzulösen und diesen Beschluss an die Bundesregierung und den Bundespräsidenten weitergeben.

Info
Sarrazin relativiert umstrittene Äußerungen über Juden

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin hat seine umstrittenen Äußerungen über Juden relativiert. Über den DVA Verlag München, in dem sein umstrittenes Buch „Deutschland schafft sich ab“ erschien, ließ er folgende Erklärung verbreiten:

Eine Interview-Äußerung von mir vom 29. August 2010 hat für Irritationen und Missverständnisse gesorgt, die ich bedauere. Als ich sagte, dass „alle Juden ein bestimmtes Gen teilen“, habe ich mich nicht hinreichend präzise ausgedrückt.

Ich bezog mich mit meiner Äußerung ... auf neuere Forschungen aus den USA. Ich bin kein Genetiker. Aber ich habe zur Kenntnis genommen: Aktuelle Studien legen nahe, dass es in höherem Maße gemeinsame genetische Wurzeln heute lebender Juden gibt, als man bisher für möglich hielt.

Damit ist keinerlei Werturteil verbunden, damit ist auch nichts über eine wie auch immer zu verstehende „jüdische Identität“ ausgesagt. Die Frage, was aus möglichen genetischen Übereinstimmungen von Bevölkerungsgruppen zu schließen ist, ist vollkommen offen. Entscheidend für politische und wirtschaftliche Sachverhalte, die im Zentrum meines Buches stehen, sind kulturelle Faktoren.

...

Wenn neue genetische Forschungen zeigen, dass viele heutige Juden zahlreiche Gene von einer ursprünglichen jüdischen Bevölkerungsgruppe, die vor etwa 3000 Jahren im Nahen Osten lebte, gemeinsam haben, ist das zunächst einmal interessant. Politisch ist diese These neutral. Um eine rassistische Äußerung handelt es sich nicht.

Thilo Sarrazin

Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte, Tom Koenigs (Grüne) bezeichnete Sarrazin als „Brandstifter“. „Ich halte seine Thesen, die aufsetzen auf sozialpolitischen Problemen, die wir haben, für absurd. Er bedient sich Statistiken, die er sich so zu recht legt wie er gerade will“, sagte Koenigs. Sarrazin sei geprägt von einem „tiefen Anti-Islamismus“ und vertrete eine „reaktionäre Stammtischideologie.“

Die Linke warf Sarrazin vor, „gezielt am rechten Rand des demokratischen Spektrums“ zu fischen, wie der stellvertretende Vorsitzende Ulrich Maurer sagte. „Mit seinen offen rassistischen Thesen zielt Sarrazin auf die Etablierung einer sechsten Partei im Bundestag ab“, meinte Maurer. Deutschland stehe vor der Gefahr „einer Blüte des Rechtspopulismus“.

SPD-Vorstand will Sarrazin ausschließen

Die Bundes-SPD hat ein Parteiausschlussverfahren gegen den früheren Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin auf den Weg gebracht. Der Parteivorstand habe einstimmig beschlossen, „dass wir ein Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Ausschlusses von Thilo Sarrazin aus der SPD in Gang setzen wollen“, sagte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montag vor Journalisten in Berlin. Das 65-jährige Mitglied des Bundesbank-Vorstandes habe sich mit seinen Äußerungen über Ausländer und Migranten „außerhalb der sozialdemokratischen Partei und Wertegemeinschaft begeben“.

„Für uns ist das keine einfache Entscheidung gewesen“, betonte Gabriel. Sarrazin habe viel für die SPD geleistet, nun aber eine „rote Linie“ überschritten. Sarrazin habe die genetische Disposition bestimmter Bevölkerungsgruppen mit deren Intelligenz und Bildungsbereitschaft verknüpft. Dies sei „hoch problematisch“, Sarrazins Argumentation sei an der Stelle „rassistisch“. Sarrazin habe damit das „Ende der Diskussionsbereitschaft in der SPD“ erreicht und gezeigt, „dass er auf einem völlig falschen Weg ist“.

Aus Sicht der SPD sei für Sarrazin zudem kein Platz mehr im Vorstand der Bundesbank, sagte Gabriel weiter. Die SPD fordere daher die Bundesbank auf, entsprechende Konsequenzen zu ziehen.

Türkische Gemeinde begrüßt Ausschlussverfahren

Die Türkische Gemeinde in Deutschland begrüßte das Ausschlussverfahren. Dies sei ein „sehr wichtiger, längst überfälliger Schritt“, erklärte der Bundesvorsitzende Kenan Kolat.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) erklärte zu dem Verfahren gegen seinen früheren Finanzsenator, die Entscheidung der SPD-Spitze sei „unausweichlich“ gewesen. „Das menschenverachtende Gesellschaftsbild und die diskriminierenden Pauschalurteile in seinen Thesen haben mit sozialdemokratischer Politik nichts zu tun“, erklärte er.

„Ich bin in einer Volkspartei, ich werde in dieser Volkspartei bleiben“

Thilo Sarrazin, will sich einem Ausschluss aus der SPD widersetzen. In der Partei solle sich doch „erst mal jemand hinsetzen und mein Buch lesen“, sagte Sarrazin am Montag bei der Vorstellung seines umstrittenen Buches „Deutschland schafft sich ab“ in Berlin. Darin werde nichts zu finden sein, „was den Parteiausschluss rechtfertigt“.

Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin bei der Vorstellung seines Buches "Deutschland schafft sich ab". (Foto: ddp)

„Ich bin in einer Volkspartei, ich werde in dieser Volkspartei bleiben“, stellte Sarrazin klar. „Auch deshalb, weil diese Fragen in die großen Volksparteien gehören, nicht in die Hand neuer Parteien“, warnte er mit Blick auf die Partei des niederländischen Islamkritikers Geert Wilders.

Große Parteien vernachlässigten Probleme

Wenn große Parteien aus ideologischen Gründen oder, „weil es unangenehm ist“, von der Bevölkerung empfundene Probleme vernachlässigten, werde „Raum geschaffen für andere Reaktionen“, sagte Sarrazin weiter. Die größte Partei in Deutschland sei inzwischen die „Partei der Enthalter“, und man enthalte sich, „wenn man niemanden sieht, der für einen spricht“.

Im März war ein von einem Berliner Kreisverband und einem Ortsverein betriebenes Parteiausschlussverfahren gescheitert. Auslöser waren damals ebenfalls Äußerungen von Sarrazin über die Integration von Ausländern.

Sarrazin, der im Vorstand der Bundesbank sitzt, hatte mit Aussagen über eine Integrationsunwilligkeit muslimischer Migranten, deren angeblich vererbte Dummheit sowie Gene von Juden Proteste auf sich gezogen.

„Keine dienstlichen Obliegenheiten verletzt“

Forderungen nach einer Abberufung aus dem Vorstand sieht Sarrazin nach eigenen Worten gelassen entgegen. „Natürlich kenne ich meinen Dienstvertrag.“ Er wisse, „dass ich in meiner Eigenschaft als Bundesbankvorstand keine dienstlichen Obliegenheiten verletzt habe“, sagte Sarrazin. Er habe wie jeder andere Bürger das Recht, sich frei zu äußern. Da sei er „völlig zuversichtlich“.

Mit Bundesbank-Chef Axel Weber hat Sarrazin nach eigener Aussage zuletzt „beim Mittagessen vor neun Tagen“ gesprochen, also vor dem ersten Wirbel über sein Buch. Für Mittwochmorgen stehe eine Vorstandssitzung in seinem Kalender.

Macht abgeben musste Sarrazin schon nach der ersten Kritik

Thilo Sarrazin ist seit 1. Mai 2009 Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. Er war zunächst für die Bereiche Bargeld, Informationstechnologie und Risiko-Controlling zuständig. Nach ersten umstrittenen Äußerungen über Migranten musste er im Oktober 2009 seinen wichtigen Zuständigkeitsbereich Bargeld abgeben. Im Mai 2010 erhielt Sarrazin wieder einen dritten Aufgabenbereich dazu, die Revision.

Für die Besetzung des Vorstandes der Bundesbank mit Sitz in Frankfurt am Main sind Bundesregierung und Bundesrat zuständig. Sie schlagen je drei Mitglieder vor. Die Vorstandsmitglieder werden für mindestens fünf, meist jedoch acht Jahre ernannt. Ernannt werden die Vorstandsmitglieder vom Bundespräsidenten. Er alleine kann sie auch entlassen.

Notwendig ist dazu ein entsprechender Antrag des Bundesbank-Vorstandes. Voraussetzung für eine Entlassung ist laut Bundesbank-Gesetz, dass das Vorstandsmitglied die Voraussetzungen für die Ausübung seines Amtes nicht mehr erfüllt oder eine schwere Verfehlung begangen hat. In der mehr als 50-jährigen Geschichte der Bundesbank sind Vorstandsmitglieder bislang aber lediglich durch einen Rücktritt vorzeitig aus dem Amt geschieden, eine Entlassung gab es nicht. (rtr/ddp/afp)

DerWesten

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Kommentare
01.09.2010
17:13
Sarrazin bleibt Bundesbank-Vorstand
von Ramon | #285

Das Voting bei Focus liegt z.Z. bei über 90% gegen Konsequenzen für Meinungsfreiheit.
In meinem grösstenteils SPD orientierten Umfeld habe ich innerhalb der letzten Jahre keine Ausländerfeindlichkeit wahrgenommen. Die Gen-Frage bei Deutsch und Türkisch gemischten Lebensgemeinschaften kommt dort insbesondere bei deren Kindern erst gar nicht auf. Viele meiner Kollegen -keine Spitzenverdiener, haben sich uneigennützig an Spenden-Maratons für ferne Länder beteiligt.
Damit dieses Klima so bleibt, sollte man Menschen wie die Soziologin Frau Necla Kelek näher zu politischen Entscheidungen in Deutschland einbeziehen. Herrn Gabriel (SPD), wie auch Politiker aus anderen Parteien fehlt offensichtlich die Volksnähe.
Wenn ein Haus brennt, lautet die erste Medienfrage, ist es Brandstiftung? Leben Ausländer, oder Asylanten in dem Gebäude. Nein? Gottseidank! Kein ausländischer Ministerpräsident-Besuch am Unglücksort in Deutschland. Da rücken automatisch deutschstämmige Deutsche als Opfer in die Ferne. Die Assoziation Abschaffen rückt dafür umso näher. Auch wenn Pressemedien nicht auf diesen Sachverhalt eingehen, wird er dennoch wahrgenommen. s.o. 90%.
Daher denke ich, man sollte den Themen des Herrn Sarrazin mehr Seriösität zukommen lassen. Und weniger den farbig gestalteten Bucheinband, oder Anweisungen von Zentralräten hervorheben.

01.09.2010
14:37
Sarrazin bleibt Bundesbank-Vorstand
von Hetwig 01 | #284

Saarazin hat völlig recht wer als Ausländer in Deutschland arbeitet und leben will die Deutsche Saatsangehörigkeit auch noch beantragt sollte auch Deutsch sprechen und sich so verhalten wie es sich gehört.Sie können zwar scheiß Deuscher sagen aber sagen wir du blöder Türke sind wir Deutschen die angeschmierten, dann heißt es Ausländerfeidliche Beschimpfung.Es stimmt doch das die T.mehr rechte in unserm Land haben als wir Deuschen wir sind doch schon Gast in unserem eigenem Land.Frau Merkel soll mal einen Bauantrag für eine Katholische und Evangelische Kiche neben einer Moschee Bauen in der Türkei mal sehen was die dazu Sagen wenn überall unsere Kirchen dort gebaut werden.Solange diese Ausländer immer mehr Rechte bekommen als die Deutschen ist alles für Sie in Ordnung, ist es aber nicht der Fall weil sich einer was zu Schulden kommen lassen hat sei es bei Mord an der Schwester oder Ehefrau sollen wir ihre Kultur Akzeptieren,machen wir das nicht
werden wir bedroht,
Wenn dann ein Herr Saarazim unsere Politiker auf so etwas aufmerksam macht wird er von denen auch noch verdammt weil dieser Politiker kein Rrückrad haben.

31.08.2010
14:42
Sarrazin bleibt Bundesbank-Vorstand
von Wolfgang_R | #283

Nein links ist die gesellschaftliche ,historisch -politische Intelligenz

Arrogant. Selbstgerecht. Überheblich.

31.08.2010
13:47
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von Sarrazin ist ein geistiger Brandstifter und Volksverhetzer | #282

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31.08.2010
11:16
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von pi-news.net | #281

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31.08.2010
05:42
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von pana39 | #280

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31.08.2010
01:11
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von John Maynard Keynes | #279

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30.08.2010
23:56
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von glaube gar nix | #278

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30.08.2010
23:53
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von glaube gar nix | #277

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30.08.2010
23:52
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von glaube gar nix | #276

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