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Deutschland-Besuch

Sarkozy sprüht vor Tatendrang

12.11.2007 | 19:16 Uhr

Berlin. Am Vorabend der großen Streikwelle daheim ist Nicolas Sarkozy dankbar für die Visite in Berlin und für alle Fragen nach Reformen. "Schauen Sie sich an, was Deutschland gemacht hat!", rät Frankreichs Präsident den Journalisten.

Der Nachbar als Vorbild, als Land der Reformen! Eine Million neue Jobs! Gastgeberin Angela Merkel hat die Zahl parat. Sie hat gut reden. Vor allem hat sie es besser. Merkel hatte einen Vorgänger, der ihr die Reformen hinterließ. Nicolas Sarkozy steht es hingegen noch bevor, sich unbeliebt zu machen. "Wir sind gewählt worden", sagt er, "um Frankreich zu verändern."

Fünf Stunden lang ist Sarkozy in Berlin, sein erster Ministerrat. Er sprüht vor Tatendrang. Alles soll anders werden. Für die Treffen der Regierungen wollen er und Merkel fortan immer ein Schwerpunkt-Thema festlegen. Gestern war es die Integration.

Deshalb fährt Sarkozy nach der Ankunft auch nicht direkt ins Kanzleramt, sondern trifft Merkel in der Romain-Rolland-Oberschule im Berliner Norden, wo sie mit Schülern diskutieren. In Kreuzberg sitzen später die Außenminister beider Länder im Tonstudio und nehmen mit Jugendlichen eine CD auf. Originell soll der deutsch-französische Neuanfang sein.

Über Politik wird später auch geredet. Zwei Probleme haben sie schon angepackt: Den vereinfachten EU-Verfassungsvertrag, Merkels Leistung. "Beachtenswert", säuselt der Gast. Frankreich will den Vertrag nach Sarkozys Worten Anfang 2008 ratifizieren. Zum anderen haben sie sich auf eine Führung für den EADS-Konzern geeinigt. Da hat es ganz schön gerappelt. Der Franzose tritt robust auf.

Was er an Merkel und an den Deutschen hat, weiß Sarkozy gleichwohl. "Wir haben die Pflicht, Lösungen zu finden, uns zu verständigen, Einigkeit zu finden." Sie schaut eher nach vorn, er kommt unweigerlich auf die Vergangenheit zu sprechen: "Wir sind die erste Generation", so Nicolas Sarkozy, die nicht gegeneinander gekämpft hat."

Der Staatspräsident ist der Prototyp eines neuen Frankreichs, auch, weil er ein Einwandererkind ist. Er ist in seinem Element, als sie mit Schülern diskutierten. Falsch verstandene Toleranz passt nicht zu seiner Biografie. Nicolas Sarkozy lässt keinen Zweifel daran, dass in Frankreich nur willkommen ist, wer die Sprache lernt, Gesetze, Werte und Kultur akzeptiert; und Frankreich lieben will, so wie einst Sarkozys Vater, der aus Ungarn stammte.

Die Schüler kommen kaum zu Wort. Sie sind Stichwortgeber und Publikum. Vielleicht sind sie auch nur beeindruckt vom Franzosen. Wie Merkel. "Wir müssen an der Stelle hart sein." Sie nimmt gleich seinen Ton an.

Von Miguel Sanches

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