Sarkozy ist Sieger der Regionalwahlen

Was wir bereits wissen
Seit nicht mal vier Monaten hat Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy seinen Frühruhestand beendet und den Vorsitz der zerstrittenen UMP übernommen. Danach gelang es ihm, Le Pen ihre bei den Europawahlen 2014 eroberte Rolle der Oppositionsführerin zu entreißen.

Paris.. Es muss den Franzosen eine diebische Freude machen, ihre Meinungsforscher vorzuführen. Eine Enthaltungsquote nahe der 60 Prozent und einen Front National (FN), der als stärkste Partei des Landes die 30 Prozent-Marke knackt – so lauteten die Prognosen für die erste Runde der Departementswahlen. Doch am Sonntag gab jeder zweite Wahlberechtigte seine Stimme ab, und am Ende war es die bürgerliche UMP-Partei, die auf 30 Prozent kam und den Rechtspopulisten klar das Nachsehen gab.

Diese Ergebnisse als unerwartet zu bezeichnen, wäre eine nette Untertreibung. Schließlich ist es ein mehrfach totgesagter politischer Wiedergänger, der der FN-Chefin Marine Le Pen die Luft aus den Reifen ließ.

Sozialisten nur auf Platz drei

Keine vier Monate ist es her, dass Ex-Präsident Nicolas Sarkozy seinen Frühruhestand beendete und den Vorsitz der heillos zerstrittenen UMP übernahm. Trotzdem bestand er nun nicht nur den ersten wirklichen Popularitätstest seit seinem Comeback. Es gelang ihm auch, Le Pen ihre bei den Europawahlen 2014 eroberte Rolle der Oppositionsführerin zu entreißen. Kein Wunder also, dass Sarkozy das gute Abschneiden seiner Partei als einen persönlichen Erfolg verbucht und von einer Wende spricht, „die nicht mehr aufzuhalten ist“.

Frankreich-Wahl Wohl gut die Hälfte aller von den auf kümmerliche 20 Prozent zurückgestutzten Sozialisten regierten Departments wird am kommenden Wochenende an das rechte Lager fallen. Das bedeutet nichts weniger als eine Umkehrung der regionalen Machtverhältnisse, da die Linke bislang in 61 der insgesamt 101 Departments den Ton angibt.

Front National legt um zehn Punkte zu

Der Front National hingegen hat nur wenige Chancen, in mehr als zwei Departements die Mehrheit zu übernehmen. Aber davon war Marine Le Pen wegen des sie benachteiligenden Mehrheitswahlrechts auch gar nicht ausgegangen. Mit knapp 26 Prozent der Stimmen mag der FN zwar hinter den von den Umfragen geschürten Erwartungen zurückbleiben. Dennoch installiert er sich mit diesem Resultat auf einem bedenklich hohen Niveau. Von einer Niederlage der Rechtspopulisten kann keine Rede sein.

Frankreich Tatsächlich war Le Pen keine Enttäuschung anzumerken. Immerhin konnte der FN im Vergleich zu den letzten Departementswahlen 2011 satte 10 Punkte zulegen, was die blonde Juristin als „ein massives Votum für uns“ und als einen Beleg „für unsere lokale Verwurzelung“ feierte. Dass das Resultat auch ein Beleg dafür ist, wie solide sich die Frontisten mittlerweile in der politischen Landschaft etabliert haben, brauchte Le Pen gar nicht zu erwähnen. Es ist längst unübersehbar.

Rückschlag für Präsident Hollande

Als „ehrenwertes Ergebnis“ versuchte derweil Regierungschef Manuel Valls die Ohrfeige für seine Genossen schönzureden. In Wirklichkeit hat sich die Sozialistische Partei nach den Kommunal- und den Europawahlen bereits die dritte schwere Abfuhr in Folge eingefangen. Immer schärfer bläst Staatspräsident François Hollande der Wind ins Gesicht, dem nicht nur die Wähler davonlaufen.

Auch sein ohnehin prekärer Rückhalt in der Regierungspartei wird weiter schrumpfen, wenn der Stichwahlgang das ganze Ausmaß des Debakels in den Departements offenlegt.