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Euro-Krise

Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“

24.08.2012 | 17:05 Uhr
Bittet um Geduld, ist aber ob der Vielstimmigkeit in Deutschland irritiert: Antonis Samaras.Foto: AP

Berlin. Im sechsten Jahr der Rezession sieht der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras keine Chance, sein Land allein mit Einsparungen aus der Krise zu führen. Wachstum sei seine „große Priorität“, erläuterte er am Freitag in Berlin. Dafür benötige Griechenland allerdings „Zeit zum Atmen“.

Ob er einen Aufschub bekommt, ob einige Sparauflagen gestreckt werden, ließ seine Gastgeberin, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), offen. Sie wartet erst den Bericht der EU-Experten ab, der „Troika“. Merkel schlug versöhnliche Töne an. Der Euro sei mehr als eine Währung - „er ist eine Idee“. Sie wolle, dass Griechenland Teil des Euro-Raums bleibe, versicherte die Kanzlerin. Merkel: „Das leitet mich.“

Samaras wirkt nicht so, als müsse er den Troika-Bericht fürchten

Für einen erfahrenen Zuhörer wie zum Beispiel Joachim Poß war danach klar, dass sie Samaras entgegenkommen werde. Der SPD-Fraktionsvizechef geht davon aus, dass die Regierung im Hintergrund an einem Konsens mit Samaras arbeite. Das Ziel seiner ersten Auslandsreise - am Samstag wird er in Paris erwartet - war mit Bedacht gewählt: In Berlin sitzen die größten Geldgeber - und Skeptiker. Samaras machte nicht den Eindruck, als müsse er den Bericht der Troika fürchten. Schon eher muss er um deutsche Unterstützung bangen.

Euro-Krise
Griechenland denkt über Verkauf von Inseln nach

Kurz vor dem Deutschlandbesuch des griechischen Ministerpräsidenten Antonis Samaras wird in Athen nach neuen Geldquellen gesucht. Mittlerweile scheint Griechenland bereit zu sein, einige Inseln zu verkaufen. Griechenland sei pleite, wenn nicht die nächste Trance gezahlt werde, sagte Samaras.

Vor den Medien harmonierten Merkel und Samaras, die Parteifreunde sind und sich duzen. Der Grieche ist indes irritiert über die Vielstimmigkeit. Vor seiner Ankunft im Kanzleramt hatte Unions-Fraktionschef Volker Kauder im ZDF erklärt, dass die Griechen weder über die Zeit noch über die Inhalte der Reformauflagen verhandeln könnten und dass im übrigen ihr Austritt aus dem Euro-Raum „kein Problem“ wäre.

Kauder ist nicht irgendwer. Er ist Merkels Mehrheitsbeschaffer. Und er vertritt keine Einzelmeinung, ganz im Gegenteil. Denn auch der bayrische Finanzminister Markus Söder (CSU) und die zwei führenden FDP-Politiker Philipp Rösler und Rainer Brüderle verlieren langsam die Geduld mit der Regierung in Athen. Ob sie auf eigene Faust handeln (bei Kauder schwer vorstellbar) oder sich mit Merkel abstimmen und Teil eines Rollenspiels mit der Kanzlerin sind, das ist unklar.

Vielstimmigkeit schafft "große Probleme"

Aber für Samaras sind ihre Statements „toxische Erklärungen“. Wie sie die Atmosphäre vergiften können, machte er an einem Beispiel deutlich. Sein Land sei gerade dabei, Staatsbetriebe zu privatisieren. Aber wer werde in Euro investieren, wenn andere von der Rückkehr zur Drachme redeten? Diese Kakophonie, Vielstimmigkeit, „schafft große Probleme“. Einerseits.

Umfrage
Deutsche verlieren die Geduld mit Griechenland

Die Schuldenkrise in Griechenland entwickelt sich zunehmend zum Nervenspiel. Gerade in Deutschland sinkt dabei die Bereitschaft der Bevölkerung, immer mehr Geld auszugeben, um Griechenland zu helfen. Nur noch ein Drittel wünscht sich Griechenland in der Euro-Zone. Das ist das Ergebnis einer Umfrage.

Andererseits: Griechenland sei doch „großzügigst geholfen worden“, ruft FDP-Fraktionschef Brüderle in Erinnerung. Und wenn er alles zusammensortiere, komme er auf 200 Milliarden Euro an Hilfe. Brüderle: „Jetzt muss Griechenland mal liefern.“ Der Gast aus Athen bat darum, an seinen Taten gemessen zu werden. Man sei dabei, „zwei Defizite abzubauen“: Im Haushalt und beim Vertrauenskredit.

Ein neues Hilfspaket gilt in Berlin als unwahrscheinlich, ein Aufschub nicht. Obwohl: Das Zeit Geld sei, das treffe nirgendwo mehr als für Griechenland zu, mahnte Kauder. Denkbar ist dem Vernehmen nach allerdings, dass die Europäische Zentralbank (EZB) hilft, die Zinslast zu drücken, und dass die EU Wachstumsimpulse gibt. Darauf drängt Frankreichs Präsident Francois Hollande. Wachstum sei das „große Rezept“. Als Wirtschaftswissenschaftler sei er davon überzeugt, so Samaras. Es gehe ihm nicht um mehr Geld. „Wir sind ein sehr stolzes Volk, wir mögen es nicht, von geliehenem Geld abhängig zu sein“, sagte Samaras.

Merkel empfängt Samaras (Berlin-Besuch...

Merkel würdigte die Anstrengungen. Sie lese jeden Tag die griechische Presseschau und wisse von der unterschiedlichen Wahrnehmung - dort die Opfer, hier die Klagen über zu wenig Anstrengungen. Um Vertrauen wieder zu gewinnen, müsse man Verpflichtungen und Erwartungen einhalten. Sie wolle, dass Griechenland Teil des Euro-Raums bleibe. Sie kenne niemanden in ihrer Koalition, beteuerte die Kanzlerin, „der das nicht will“.



Kommentare
26.08.2012
00:25
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Alter-MAnn59 | #30

Siehe

http://programm.ard.de/Programm/Alle-Sender/der-grosse-euro-schwindel/eid_281068135224449?list=main1#top

vom 02.07.2012 auf ARD.

Die Griechen sollten es wie die Isländer machen.

Und zusätzlich die Mrd. aus London und anderen Staaten holen.
Reeder müssen auch in Zukunft und für Vergangenheit Steuern zahlen.
Mio.- u. Mrd.-schwere Reiche zur Verantwortung ziehen.

Bestechungen abschaffen bzw. reduzieren. Sonst kann da niemand helfen.

Hilf dir selber und es wird dir geholfen. Griechen fangt an - siehe Island.

25.08.2012
23:27
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Hugo60 | #29

Was der Austritt Griechenlands bedeuten würde, das wissen auch die deutschen Politiker.
Allerdings haben sie ein Problem. Sie stehen zwischen den Stühlen der Vernunft und dem Populismus einer breiten Masse in der deutschen Bevölkerung.

2 Antworten
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von wimmel | #29-1

Sie, "die Politiker" stehen zwischen den Stühlen der Vernunft und dem aufoktuierten Scheinzwang der Banken und Finanzwirtschaft, nicht nur Ihre selbstverschuldeten,
Verluste zu retten, sondern ihren Verlust auch noch in Gewinne umzuwandeln. Das verstehen Politik und ahnungslose Bürger einfach nicht. Diese Politik wird aber nicht aufgehen da mit Spanien, Italien und Portugal schon die nächsten Probleme vor der Türe stehen. Banken, Versicherungen und Billionen Euros/Dollars von Privatvermögen sollen auf Kosten, der Bürger in ganz Europa, gesichert werden.
Nur die Isländer, die verhalten sich mit, "großem Erfolg" anders, hier werden die Schuldigen zur Kasse gebeten und die Bürger entlastet.

Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von wimmel | #29-2

Sie, "die Politiker" stehen zwischen den Stühlen der Vernunft und dem aufoktuierten Scheinzwang der Banken und Finanzwirtschaft, nicht nur Ihre selbstverschuldeten,
Verluste zu retten, sondern ihren Verlust auch noch in Gewinne umzuwandeln. Das verstehen Politik und ahnungslose Bürger einfach nicht. Diese Politik wird aber nicht aufgehen da mit Spanien, Italien und Portugal schon die nächsten Probleme vor der Türe stehen. Banken, Versicherungen und Billionen Euros/Dollars von Privatvermögen sollen auf Kosten, der Bürger in ganz Europa, gesichert werden.
Nur die Isländer, die verhalten sich mit, "großem Erfolg" anders, hier werden die Schuldigen zur Kasse gebeten und die Bürger entlastet.

25.08.2012
23:24
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Hugo60 | #28

@wimmel

Ein Austritt Greichenlands hätte fatale Folgen, auch für Deutschland.

Zunächst käme es zu einem Zusammenbruch der griechischen Banken.Sie müssten ihre griechischen Staatsanleihen abschreiben. Es käme zu einem "bank run" und die griechischen Banken würde ihre Liquidität verlieren.
Unmitelbar danach käme es dann zur Ansteckung Portugals, Spaniens, Italiens und Irlands. Auch hier kommt es zum Bankenrun, Banlkenzusammenbrüche.
Dann ist Deutschland dran, denn alle deutschen Gläubigerbanken müssten ihre Kredite an die Banken in diesen Ländern abschreiben.
Ein Zerfall der Eurozone und die Wiedereinführung einer neuen D-Mark wird zu einer massiven Aufwertuing der deutschen Währung führen. Deutsche Waren werden zu teuer. Der Export bricht zusammen. Deutschland gerät in die schwerste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren.
Wollen Sie das?

2 Antworten
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von wimmel | #28-1

Das ist Unsinn, aber Sie haben Recht, Europa wird von einem Austritt nicht profitieren, aber die Griechen. Genau darum geht es hier doch. Die meißten verstehen das immer noch nicht:-))

Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von wawad | #28-2

Es sind nur zwei Sachen fuer mich vorstellbar entweder kehrt Griechenland zur Drachme zurueck.Oder Griechenland muss fuer alle Zeiten mit dem Geld der Nordlaender finanziert werden .Die Griechen koennen noch soviele Oliven auspressen wie sie wollen ,die werden nimals ihre Schulden zurueckzahlen koennen.Ich bin fuer den Austritt

25.08.2012
23:18
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Hugo60 | #27

@pucky2

Vor allen Dingen begreift der "Stammtisch" nicht, dass Deutschland profitiert.

Im übrigen: die Statistiken Griechenlands waren gar nicht falsch. Das ist ein Märchen.
Man hatte nur die Methodik der Buchhaltung geändert.
Und das ist auch vollkommen unerheblich.
Hat denn etwa Italien geschummelt? Oder Spanien? Portugal? Irland?

Die Krise hat ihre Ursachen in der Finanzkrise. Heute wird sie zur Staatsschuldenkrise umgedeutet.

25.08.2012
18:54
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Pucky2 | #26

Wenn ich so die Kommentare lese, bin ich entsetzt über die Solidaritätslosigkeit mit dem griechischem Volk. Was habt ihr denn davon, wenn dort Hunger und Elend herrscht?

Es ist richtig, dass die "Reichen und Mächtigen" in Griechenland Misswirtschaft, Korruption und Geschenke an die Wähler verteilt haben. Es ist richtig, dass die Statistiken GR zur Euroeinführung gefälscht waren. Es ist richtig, dass das griechisches Arbeits- und Sozialrecht von vielen ausgenutzt werden.
Es ist aber auch richtig, dass dt. Politiker die Fälschungen erkannt haben und weggeguckt haben, es ist auch richtig, dass DE gute Geschäfte auf Kosten GR gemacht hat und es ist vor allem richtig, dass Deutschland den Euro ruiniert hat, da es die vertragl. Inflationsrate ständig und extrem unterschritten hatte. DE hat sein Arbeitsrecht auf Dritte-Welt-Standard zusammengestrichen und den übrigen Europäern somit die Märkte geraubt. DE ist größter Waffenlieferant für GR.

Also mal nicht so großkotzig über GR richten!!!!

25.08.2012
16:24
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #25

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

25.08.2012
14:45
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Alter-MAnn59 | #24

Frau Merkel sollte auch mal dt. Medien zur Kenntnis nehmen u.Richtung Süden schauen.
Da gibt es Politiker, die Hartz-Gesetze als Erfolg verkaufen wollen.
Wie passen dann
-der Stand der "Schuldenuhr" der BRD-BUND-Länder-Kommunen?
-die aktuelle Verarmung von immer mehr Bürgern ...?
-die wachsende expl. Altersarmut ...
-die Ungerechtigkeit bei Löhnen -
Soll das soziale Gerechtigkeit sein?
Alle Arbeiter arbeiten am selben Produktionsort:
Festangestellter des Unternehmens erhält 25 Euro pro Stunde
Leiharbeiter, LA direkt über das Unternehmen erhält 18 Euro pro Stunde
LA über Zeitarbeit-Unternehmen erhält 8 Euro pro Stunde
-die Tafeln nehmen immer mehr zu. Demütigungen auf der ganzen Linie.
- wie kann man Arbeitnehmer mit z.B. 37-43 Jahren "Berufsweg" mit Menschen, die noch nie
gearbeitet haben, gleich setzen u. nach Hartz gleich behandeln?
D.h. Haus oder Wohnung verlieren, Familie kaputt machen,..
!
Warum erhalten nicht alle Kinder die gleiche Höhe Kindergeld?
Erfolg sieht anders aus!!

25.08.2012
14:31
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Alter-MAnn59 | #23

wimmel | #21 hat Recht- Beispiel Island. Die Bürger retten, Staatsanwälte, die die Spekulanten verfolgen. Nicht wie in BRD 6 unerfahrene Staatsanwälte, die hunderten von teueren Anwälten von Bänkern und Politikern gegenüberstehen.
Hat sich in der BRD etwas geändert - seit 2008-9? Siehe Panorama vom 23.08.2012.
Nein - Politiker, die Null (0) Fachkenntnisse haben spekulieren weiter in Mrd. Höhe.
NRW-Bank 20.8 Mrd. hochgefährliche Papiere. Aber solange sich Abgeordnete weigern
UN-Konvetion gegen Abgeordneten-Bestechung zu ratifizieren wird sich nichts ändern.
Warum weigern sich die Mehrheit im Bundestag die UN-Konvention gegen Korruption zu unterzeichen und zu ratifizieren? Und wer ist die Mehrheit? www.bundestag.de/dokumente/protokolle/plenarprotokolle/17163.pdf . Siehe Seite 22- 23 von 76 Abschnitt B. Warum weigern sich die Politiker in der BRD Volksabstimmungen durchzuführen? Z.Z. werden wir doch praktisch entmündigt und sind der Parteiendiktatur mit den Alpha-Männ- u. Weibchen

25.08.2012
12:50
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Hugo60 | #22

@Plem | #17

Sie müssten allerdings auch darauf hinweisen, dass das alles Märchen sind.
Griechen verdienen nicht mehr und kriegen auch keine höhere Renten.
Wer setzt eigentlich solche Märchen in die Welt?
Kommen die aus Deutschland? Um diesem sau-böden deutschen Volk zu erklären, dass das deutsche Lohndumping richtig war?


1 Antwort
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von Plem | #22-1

Ja, ich hatte auch ein flaues Gefühl, als ich den Beitrag absendete. Aber gut, daß Sie das nochmal klargestellt haben. Danke.

25.08.2012
12:17
Samaras bittet Merkel um „Zeit zum Atmen“
von wimmel | #21

Wie beschränkt kann man denn sein ? Greichenland hätte schon vor einem Jahr austretten müssen, dann hätten die europäischen Banken ihre griechischen Anleihen nicht an die EZB verkaufen können und die reichen Griechen, sowie die wenigen griechischen Konzerne, ihr Kapiltal ins Ausland schaffen können.
Die Griechen sind doch hier von ihren Politikern verraten und verkauft worden. Es profitiert doch nur Europa, von dem verbleiben der Griechen.
ZB. Deutschland leiht sich Geld, für 0 % Zinsen und gibt es für 4,6 % an Griechenland weiter, ein Milliardengeschäft.
Mit der Drachme könnte Griecheland abwerten und Wirtschaftsinvestitionen würden sich rasch ergeben, parallel die kommunalen und staatlichen Strukturen in
Ordnung bringen, dann würde es auch mittelfristig wieder bergauf gehen.
Die Isländer haben es doch vorgemacht, aber da hört man wenig von, denn hier profitieren nicht europäische Banken, sondern die isländische Bevölkerung.

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