Rundum-Betreuung statt Gefängnis für junge Straftäter
29.08.2012 | 07:22 Uhr 2012-08-29T07:22:00+0200
Düsseldorf. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) plant einen neuen Ansatz für jugendliche Straftäter. „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ nennt sich das Konzept, bei denen die Täter nicht mehr inhaftiert, sondern in speziellen Kursen betreut werden. Derzeit sitzen in NRW rund 1800 junge Kriminelle im Gefängnis.
Sechs Jahre nach dem Foltermord im Siegburger Jugendgefängnis geht Nordrhein-Westfalen im Umgang mit jungen Straftätern neue Wege. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) hat im Landeskabinett für einen „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ geworben. Dabei würden junge Gefangene nicht mehr hinter Gitter gesteckt, sondern in Jugendhilfe-Einrichtungen mit einem pädagogisch abgestimmten Tagesprogramm aus Frühsport, Schule, Koch- und Benimmkursen aufwändig betreut.
„Kein Kind zurücklassen – das gilt auch im Jugendvollzug. Wir müssen verhindern, dass aus einer Jugendstrafe eine kriminelle Karriere wird. Hierzu gehen wir mit dem Modellprojekt Justizvollzug in freien Formen auch neue Wege“, sagte Kutschaty der WAZ-Gruppe. Das Justizministerium machte deutlich, dass geeignete junge Gefangene bei dieser Strafverbüßung nicht mehr in Gefängniszellen müssten, aber dennoch strengen Regeln unterlägen.
Modellprojekt ist auf drei Jahre angelegt
In den kommenden drei Jahren sollen in einem Modellprojekt zunächst sieben Straftäter in einem spezialisierten Jugendhilfezentrum in Dormagen intensiver gefördert werden, als es bislang in den sieben NRW-Jugendhaftanstalten üblich war. Ziel ist es, Rückfallquoten zu senken und kriminelle Lebensläufe zu vermeiden. Kutschaty will den Erfolg des Präventionsprojektes wissenschaftlich auswerten lassen und diese neue Form des Jugendstrafvollzugs möglicherweise landesweit ausbauen. Vergleichbare Modelle würden auch in Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen erprobt.
In NRW sitzen zurzeit rund 1800 junge Straftäter im Alter von 14 bis 21 Jahren im Gefängnis. Mehr als die Hälfte von ihnen (54 Prozent) wurde wegen Gewalttaten verurteilt, zweithäufigste Straftat sind Diebstahldelikte (24 Prozent). Für viele bleibt die Jugendstrafe nicht die letzte Verurteilung. Kutschatys Pläne zur Haftvermeidung sollen sich langfristig auch für die Staatskasse auszahlen, da jeder Gefangene den Steuerzahler pro Tag 111,55 Euro kostet.
Studie: "Gewalt ist alltägliche Erscheinung im Jugendstrafvollzug"
Eine Studie des Instituts für Kriminologie der Universität Köln hatte zuletzt die Zustände im NRW-Strafvollzug beleuchtet. Danach hatten 45 Prozent der Häftlinge zugegeben, im Laufe des letzten Jahres einen Mitinsassen körperlich attackiert zu haben . Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Gewalt „alltägliche Erscheinung“ im Jugendstrafvollzug sei.

20:06
Um zu einem Ergebnis bei so einem Modellprojekt zu kommen, müssen schon ein paar Jahre ins Land gehen. Schließlich kann es auch nach Jahren noch zu einem Rückfall von Straftätern kommen. Das Projekt soll zunächst über 3 Jahre laufen. Danach wäre eine Begleitung der Jugendlichen über 10 Jahre realistisch, um zu sehen ob es zu einem Rückfall kommt und um die Rückfallquote zuverlässig wissenschaftlich ermitteln zu können.
Eine Ausweitung des Präventionsprojektes käme also erst nach dieser Zeit in etwa 10 bis 13 Jahren in Frage. Einfach weil es vorher keine wissenschaftlich haltbare Auswertung über die Rückfallquote der jugendlichen Straftäter geben kann und weil Herr Kutschaty nur bei einem Erfolg diese Maßnahme ausweiten will.
Wie soll also mit so einem Miniprojekt die vollmundige Ankündigung erfüllt werden: "Kein Kind zurücklassen – das gilt auch im Jugendvollzug." Da hat der Herr Kutschaty wohl den Mund etwas zu voll genommen.
11:59
1800 jugendliche Straftäter sitzen z.Zt. im Gefängnis. Davon sollen 7 Straftäter in den kommenden 3 Jahren intensiver gefördert weren. Das soll die Rückfallquoten senken, denn: "Kutschaty will den Erfolg des Präventionsprojektes wissenschaftlich auswerten lassen".
Den Erfolg? Wie soll denn an 0,38 % ausgesuchten jugendlichen Straftätern überhaupt irgend etwas bewiesen werden? Dazu natürlich nur ein Erfolg. Ein Mißerfolg ist offenbar gar nicht eingeplant.
Dabei haben die Wissenschafter wahrlich viel zu forschen. Sie müssen doch tatsächlich nach 3 Jahren die Rückfallquote von 7 Leuten nachhalten. Wieviel bekommen sie denn für diese schwere Arbeit?
Das Ganze sieht doch sehr nach einer Alibiveranstaltung aus. Eine Alibiveranstaltung deren Kosten in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Damit sich ein Justizminister im Erfolg sonnen kann, ein Mißerfolg soll einfach totgeschwiegen werden.
Mit Verlaub Herr Kutschaty, veräppeln können wir uns alleine...
07:06
Bei solchen Aussichten wird die Hemmschwelle bei den „kleinen Rackern“ wohl immer weiter sinken.
Kann ja nichts passieren, außer, dass eine Einladung zum Kuschelkurs, Abenteuerurlaub oder ähnlichem ins Haus flattert.
Herr Kutschaty, hier mal eine Realitätsprognose:
Der kriminelle Lebenslauf ist bereits mit Begehen der ersten Straftat geschrieben, da hilf kein drumherumlamentieren wie es seitens der politischen Bühne immer wider gern gemacht wird.
22:35
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20:17
Sowohl das Vorhaben der Justitz als auch Bericht und Kommentar in der WAZ berücksichtigen nicht, dass der Resozialisierungsgedanke und Folglich "Erziehung vor Knast" schon seit langem insbesondere im Jugendstrafrecht angewendet werden. Wer heute als Jugendlicher noch hinter Gittern sitzt, hat entweder etwas derart Schwerwiegendes verbrochen, dass Strafe in dieser Form und gleichzeitiger Opferschutz dringend geboten sind - oder er/sie ist Wiederholungstäter mit geringer Resozialisierungsaussicht auf den im beschriebenen Wegen. Die Gewalt und das Missachten von sozialen Normen ist daher nicht primär eine Erfahrung, die jugendliche Delinquenten im Knast erlenen. Neu ist höchstens die Opferrolle.
18:39
Noch mehr Kosten, ohne was zu erreichen! Kriminelle ausweisen!
18:16
So ein Vorschlag kann nur von Rot/Grün kommen und kommt einem Armut Zeugnis gleich. Frau Kraft sollte einmal in einer „Fallstudie“ mit der Rundum-Betreuung in ihrer Heimatstadt anfangen um die Erfolgslosigkeit zuerleben.
Stadt Islamunterricht sollte lieber mehr Sozialunterricht in dem die Notwendigkeit von Disziplin und die Abhängigkeit von Rechte und Pflichten gelehrt wird eingeführt werden.
Zudem ist die Rundum-Betreuung in den Elternhäusern der jugendlichen Tätern angesagt.
16:00
Beim Backkursus können sie direkt lernen, wie man eine Feile in den Kuchenteig einbettet...Denn wie man die Feile in den Teig bettet, so flieht man.
13:36
Es klingt schon verrückt. Alle Angebote für junge Menschen werden aus Kostengründen zurückgeschtaubt, Kinos, Discos, Treffpunkte etc. Wenn sie dann kriminell geworden sind, gibt es eine Rundum- Betreuung. Warum bitte nicht vorher ansetzen und gescheite Angebote für junge Menschen machen???
13:27
Alle Straftäter tauschen ihre Plätze mit denen der Senioren in Altenheimen, wo die Generation vor sich hinsiecht, auf deren Lorbeeren wir uns alle noch ausruhen.
Zusätzlich zum "pädagogisch abgestimmten Tagesprogramm"... hätten die Senioren dann endlich Anspruch auf
ausreichend Freigang an frischer Luft
Anspruch auf ein Einzelzimmer
Arztvisiten, Medikamente
Psycho/Ergo-Therapie
tägliches Duschen
Besucherzimmer
Bibliothek, Gymnastik
kostenlose Kleidung
kostenlose Weiterbildung
eine Rundum-Betreuung eben.