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Ruhrbischof Overbeck glaubt nicht an große Kirchen-Reform

17.10.2012 | 15:48 Uhr
Ruhrbischof Overbeck glaubt nicht an große Kirchen-Reform
Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck glaubt nicht an große Reformen in der Katholischen Kirche: „Warum soll ich mich festkämpfen an Punkten, die auf absehbare Zeit nicht zu ändern sind?“Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Frauenpriestertum, Pille, Zölibat – die starre Haltung des Vatikan gegen Reformen lässt viele Katholiken verzweifeln. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck rechnet kaum mit Veränderungen. Er fragt im Interview: „Warum soll ich mich festkämpfen an Punkten, die auf absehbare Zeit nicht zu ändern sind?“

Er wurde in Marl geboren, studierte in Rom Theologie und Philosophie und wurde 1989 von Kardinal Joseph Ratzinger, dem heutigen Papst, zum Priester geweiht. Franz-Josef Overbeck (48) ist seit fast auf den Tag drei Jahren Bischof von Essen. Walter Bau sprach mit dem Ruhrbischof über die wachsende Kluft zwischen Amtskirche und Gläubigen – und wie er diese Entfremdung stoppen will.

Herr Overbeck, braucht die Katholische Kirche 50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil einen neuen Reformschub, so wie 1962?

Franz-Josef Overbeck: Einspruch! Das II. Vaticanum war kein einfaches Reformkonzil, sondern ein Konzil, das die Lebenskraft der Kirche mit Blick auf das Heute stärken und entfalten wollte.

Aber es hat doch einschneidende Veränderungen gebracht, etwa die Reform des Gottesdienstes.

Overbeck: Veränderungen und Neuerungen, ja. Aber keine Reform im Sinne, dass einfach alles ganz anders wurde. Es wurden damals keine Dogmen festgeschrieben, wie etwa bei dem Konzil 1870/71. 1962 hat sich die Kirche der Moderne gestellt. Nicht mehr und nicht weniger. Das Etikett "Reformen" im umgangssprachlichen Sinn erhielt das Konzil erst nachträglich durch die Zeiten der so genannten 68er-Bewegung.

Das müssen Sie erklären.

Overbeck: Das Zweite Vatikanische Konzil dauerte bis Ende 1965. Die allmähliche Umsetzung der Veränderungen fiel dann genau in die Zeit der 68er-Bewegung. Eine neue Bewertung der Sexualität, die Gleichstellung der Frau und einiges mehr – all diese Forderungen der 68er wurden plötzlich auch auf die Kirche bezogen. Das alles hatte aber mit dem, was zuvor auf dem Konzil beraten und beschlossen worden war, nicht viel zu tun.

Die Kirche war damit überfordert?

Overbeck: Die Kirche verändert sich Schritt für Schritt, nicht in großen Sprüngen, von einem Tag auf den anderen.

Vielen Gläubigen sind die Schritte zu klein. Sie fordern, dass sich die Kirche mehr an der Lebenswirklichkeit orientiert. Ein Beispiel: Geschiedene Wiederverheiratete sind von der Heiligen Kommunion ausgeschlossen, was viele Betroffene sehr belastet.

Overbeck: Es gibt Bewegung, etwa beim geltenden Dienst- und Arbeitsrecht...

Wonach katholische Einrichtungen wiederverheirateten Geschiedenen das Arbeitsverhältnis kündigen können.

Overbeck: Ja. Hier wird nun geprüft, ob und wo Veränderungen möglich sind.

Und die Frage der Teilnahme an der Kommunion?

Overbeck: Da ist unsere Haltung eindeutig. Dass dies auch künftig nicht möglich sein wird, hat der neue Präfekt der Glaubenskongregation in Rom kürzlich noch einmal bestätigt. Das hohe Gut der Unauflöslichkeit der Ehe ist nicht verhandelbar.

Wie sieht es aus beim Thema Frauen? Ist die Katholische Kirche nicht zu männlich?

Overbeck: Ich stimme zu, dass wir der Kirche ein weiblicheres Angesicht geben müssen. Die Berufsgruppe der Gemeindereferenten und Gemeindereferentinnen ist zu 90 Prozent weiblich. In Pfarreien und Verbänden wird das Leben der Kirche zu großen Teilen von Frauen getragen.

In den kirchlichen Leitungsfunktionen aber sieht es anders aus. Im Ruhrbistum etwa sind diese Stellen zu 25 Prozent mit Frauen besetzt. Ich würde es sehr begrüßen, wenn sich der Anteil erhöhen würde.

Wollen Sie das Priesteramt für Frauen öffnen?

Overbeck: Papst Johannes Paul II. hat erklärt, die Kirche habe kein Recht, Frauen zu Priesterinnen zu weihen. Dem ist hier nichts hinzuzufügen. Aber unabhängig davon können und werden Frauen zunehmend in der Kirche Verantwortung übernehmen.

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Kommentare
20.10.2012
23:30
Ruhrbischof Overbeck glaubt nicht an große Kirchen-Reform
von peerbeinstueck | #10

Das Fatale ist, dass derzeit im Bistum essen ein "Dialogprozess" stattfindet zwischen Overbeck und seinen untergebenen, sorry, dem Kirchenvolk.

Und...
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1 Antwort
Ruhrbischof Overbeck glaubt nicht an große Kirchen-Reform
von Murphy07 | #10-1

Danke...so und nicht anders. Die Menschen sollten endlich einmal Augen und Ohren aufmachen. Selbst Erzkonservative Christen hier haben die Nase gewaltig vol von diesem Bischof. Ere hält Hof und nichts anderes....

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2012-10-17 15:48
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