Ruf nach neuen Standards für Barrierefreiheit

Düsseldorf..  Nach einer Studie der Universität Münster müssten sogar 700 000 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen altersgerecht umgebaut werden. Der Behinderten-Beauftragte der Landesregierung, Norbert Killewald, appellierte deshalb an die Wohnungswirtschaft, mehr barrierefreie Wohnungen zu bauen. Er nennt dabei als Mindestzahl 300 000 zusätzliche Wohnungen.

Sechs bis sieben Quadratmeter mehr

Am Rande einer Verbändeanhörung im NRW-Bauministerium forderte Killewald bei Wohnungsum- und neubauten neue Standards für breitere Bäder, Küchen, Flure und Zuwege für Wohnungen. Im Schnitt müssten rollstuhlgerechte Wohnungen sechs bis sieben Quadratmeter größer sein als üblich, um Bewegungsfreiheit in Bädern und Fluren zu gewährleisten, so der Behindertenbeauftragte.

Derzeit gibt es in NRW 350 000 Rollstühle, außerdem wurden in den vergangenen fünf Jahren rund 450 000 Rollatoren verkauft. Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft warnte aber vor zu hohen Kosten beim behindertengerechten Umbau Hunderttausender Wohnungen in NRW.

Bestandsschutz für alte Wohnungen

Nach geltendem Recht gibt es einen Bestandsschutz für Wohnungen. Deshalb müssten Wohnungen auch aus Sicht Killewalds nur bei umfassenden Sanierungen des Altbestandes barrierefrei umgebaut werden. Während es bei der Barrierefreiheit für Neuwohnungen relativ streitfrei bleibe, seien zusätzliche Auflagen in einer neuen Landesbauordnung im Wohnungsbestand hoch umstritten.

„Ich werde mich aber mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir Missstände beheben“, sagte Killewald. Derzeit werde zu wenig bedacht, dass Menschen, die in preiswerte Wohnungen einziehen, im Alter als Rollstuhlfahrer oft aus den Wohnungen ins Pflegeheim umziehen müssten, weil die alte Wohnung nicht behindertengerecht sei. Als behindert gelten Menschen, die länger als sechs Monate an einer körperlichen Beeinträchtigung leiden.