Rückendeckung für Schavan in Affäre um Doktorarbeit
15.10.2012 | 18:56 Uhr 2012-10-15T18:56:00+0200Berlin. Nicht nur Bundeskanzlerin Angela Merkel stützt die Parteifreundin und Wissenschaftsministerin. Auch ein hochrangiger Forschungs-Experte sieht die Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan eher skeptisch. Sie selbst will das geordnete Verfahren abwarten, bevor sie sich öffentlich äußert.
Die unter Plagiatsverdacht stehende Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) erhält Unterstützung von kompetenter Seite: „Die Vorwürfe gegen Annette Schavan sind in keiner Weise mit dem Fall zu Guttenberg vergleichbar“, sagte Ernst-Ludwig Winnacker, Ex-Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dieser Zeitung. Eine Täuschungsabsicht sei jedenfalls nicht eindeutig. „Es sind immer Ermessensfragen, wie man Sekundärlitertur zitiert“, so Winnacker.
Die Universität müsse das am Wochenende durchgesickerte Gutachten zurückziehen, ein neues in Auftrag geben und dafür sorgen, dass dieses dann nicht durchgestochen werde. „Die Ministerin hat wie alle Kandidaten ein Recht auf Vertraulichkeit“, so Winnacker.
Akademiker-Szene hält sich bedeckt
Winnacker ist allerdings einer der wenigen aus der Akademiker-Szene, die sich derzeit aus der Deckung trauen. Die großen deutschen Wissenschaftsorganisationen äußern sich zum Fall Schavan nicht. „Keine offizielle Stellungnahme“, heißt es bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Auch Horst Hippler, der Präsident der Deutschen Hochschulrektorenkonferenz, will zunächst das endgültige Urteil der Uni Düsseldorf abwarten: „Kein Kommentar.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich vor Bildungsministerin Annette Schavan gestellt, die wegen Täuschungsvorwürfen bei ihrer Doktorarbeit unter Druck geraten ist. „Die Ministerin hat mein vollstes Vertrauen“, sagte Merkel am Montag in Berlin.
Anders sieht es im politischen Berlin aus. Die CDU gab Schavan Rückendeckung – und kritisierte die Hochschule Düsseldorf. „Die Uni Düsseldorf hat sich nicht mit Ruhm bekleckert“, heißt es aus der Unions-Fraktion.
Nur ein einziges Gutachten
Erstaunlich sei nicht allein, wie das streng vertrauliche Gutachten, das Schavan eine Täuschungsabsicht attestiert, „nach draußen“ habe kommen können. Verwunderlich sei vor allem, dass es offenbar nur ein einziges Gutachten gebe.
In anderen Fällen habe mehr Sorgfalt gewaltet. Als vor einiger Zeit ein Kollege, ein CDU-Parlamentarier, ebenfalls ins Visier der Plagiatjäger geraten sei, da habe die betroffene Uni keineswegs einen ihrer eigenen Professoren, sondern gleich drei externe Gutachter beauftragt, die die angezweifelte Dissertation durchleuchtet hätten. Übrigens mit dem Ergebnis, dass am Ende der Plagiatsverdacht vom Tisch war.
Die Opposition feixt
Einen Stoßseufzer entlockt das Missgeschick der Bildungsministerin dem Generalsekretär des Koalitionspartners FDP: Daran müsse man sich als Politiker wohl gewöhnen, stöhnte Patrick Döring, „dass auch hier die Einzelmeinung eines Gutachters öffentlich wird, bevor das Gesamtgremium getagt hat“. Der Promotionsausschuss der Universität wird sich dem Vernehmen nach frühestens am Mittwoch mit dem Gutachten befassen. „Wie in vielen anderen Fällen“ sei das „bemerkenswert“, urteilt Döring und setzt hinzu, er gehe davon aus, dass alle Vorwürfe aufgeklärt würden.
Bei Guttenberg hatte Merkel noch erklärt, sie habe ihn als Minister bestellt, nicht als wissenschaftlichen Assistenten. Bei der Bildungsministerin ist so viel Lässigkeit nicht möglich. Die Kanzlerin sollte sich schon mal nach einer neuen Ministerin umsehen. Ein Kommentar.
Bloß nicht beeindrucken lassen. Bis auf weiteres ist das in Sachen Schavan die Verteidigungslinie der Koalition, während die Opposition feixt. „Eine Bildungsministerin, der die Aberkennung ihres Doktortitels droht, wäre eine schwere Belastung“, findet die Linkspartei. „Die Glaubwürdigkeit, die sie für eine gute Amtsführung braucht, hat sie schon verloren“, ätzt die Grüne Renate Künast.
Demonstrative Gelassenheit
Von all dem ungerührt gibt sich die Kanzlerin. Ihren Sprecher lässt sie Schavan als eine „hervorragende, sehr erfolgreiche Ministerin“ preisen, die „für Bildung und Forschung viel erreicht“ habe und ihr „volles Vertrauen“ genieße.
Die Betroffene selbst demonstriert Gelassenheit. Am Wochenende hatte sie sich empört: „Ich lasse mir das nicht bieten.“ Fünf Monate lang habe sie „eisern geschwiegen“, jetzt werde sie sich wehren.
Gestern sagte ihr Sprecher, Schavan wolle sich „an die Spielregeln halten“. Das Verfahren sei in den Händen der Universität. In dessen Verlauf werden „wir dann um eine Stellungnahme gebeten“. So lange will sich Schavan gedulden.

07:58
Ich vermisse das konkrete Eingehen auf Fakten. Die Anhänger der Vorverurteilungstheorie sollten bei www.schavanplag.de in Ruhe nachlesen, was der Ministerin vorgeworfen wird. Jeder, der selbst einmal eine wissenschaftliche Arbeit schreiben musste, ist schnell von der Richtigkeit der Vorwürfe überzeugt. Wenn man sogar Schreibfehler (z.B. Josef statt Joseph) vom Autor übernommen hat, bei dem man - ohne ihn korrekt zu nennen - abschrieben hat, dann war´s das halt!!
13:00
Ich habe noch das Wort :"Demokratie wagen" im Ohr.
Gehört Vorverurteilung auch zur Demokratie oder ist das ein unerlaubtes Mittel der Diktatoren zum Machterhalt?
10:59
Diese Rückendeckung dürfte zunhst mal von Mutti tatsächlich bestehen - ganz im Gegensatz zum Fall Guttenberg, wo Mutti genau wie Seehofer und Söder und sämtliche politischen Biedermänner mit kaum zu verbergender Genugtuung den - sachlich sicher berechtigten - "Absturz" verfolgt haben, da ein viel zu beliebter Konkurrent entsorgt werden konnte. Zumindest wird Mutti hoffentlich in dieser Angelegenheit aber solche viel zu schnell vergessenen Ungeheuerlichkeiten wie "sie habe schließlich keinen wissenschaftlichen Assistenten berufen" unterlassen.
10:37
Der sprechene Hosenanzug gibt mal wieder Rückendeckung. Das macht diese Tante doch ímmer so und anschließend kommt der Tritt. Wer überprüft denn mal endlich den Doktortitel der ach so fähigen und tollen Kanzlerin? Vielleicht sollte man diese mal etwas genauer unter die Lupe nehmen. Aber da traut sich keiner ran. Wie heißt es immer so schön: Feigheit vor dem Feind.
10:24
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09:05
Sie werden wohl demnächst den "Doktor a.D." einführen. Mit Urkunde, heißem Dank für die Bemühungen und allem Drumherum, und danach ist die Welt wieder in Ordnung. Und dann dürfen die Reporter nur noch fragen: "Haben Sie einen Doktortitel oder hatten Sie mal einen?"
23:58
sie sollte aufpassen wenn mutti hinter ihr steht. aus dieser position hat
sie schon einigen den letzten tritt gegeben.
die ganze politik ist nur noch ein schmierentheater.
22:51
Die Person, die vertrauliche Informationen aus dem Gutachten an die Presse weitergeleitet hat, gehört zur Verantwortung gezogen. Die mediale Vorverurteilung gleicht einer Rufmordkampagne.
Der Ausschuss hat noch nicht entschieden, die Beschuldigte erfuhr aus der Presse von dem Gutachten.
Jedes Detail wird in den Medien genüsslich ausgeschlachtet, Kommentare in den Printmedien fordern den Rücktritt. Das Verfahren der Universität lässt an der Kompetenz und der Unabhängigkeit zweifeln. Bei der Beurteilung der Doktorarbeit sind anders als bei anderen Fällen die Verhältnisse an Universitäten vor 30 Jahren zu berücksichtigen.
Journalisten als Meinungsbildner - wie stürze ich einen Politiker.
Warum wartet man nicht auf die Entscheidung der Universität, die Stellungnahme der Beschuldigten zum Gutachten? Egal wie die Entscheidung ausfällt - dann hätten wir eine saubere Lösung. Ohne politisches Geschmäckle.
Bei Abfassung der Doktorarbeit vor 30 Jahren hatte Schavan keinen Ministerposten im Auge.
aha doch noch ein cdu wähler der an den klapperstorch glaubt.natürlich werden in der cdu alle menschen wahrheit lieben verurteilt,weil sie das ja nicht kennen.wer merkel und genossen hinter sich hat ,muss immer mit dem messer rechnen.
22:06
Auch der Redakteur des Deutschlandfunkes kritisierte das Verfahren, dem ich mich auch anschließe. Was hat denn da den Kanzler der Uni Düsseldorf geritten? Die Veröffentlichung durch die Medien durch eine undichte Stelle in der Uni ist schon schlimm genug, dazu wurde nur ein Gutachter beauftragt, wo sonst immer mindestens zwei Gutachter tätig sind. Der Ausschuss hat verlauten lassen, dass noch nichts entschieden ist. Doch die ganze mediale Wucht der Printmedien prasselte schon auf Frau Schavan nieder. Dazu noch die "genüsslichen" Bemerkungen der Opposition! Ich hoffe einmal, dass dieses Verhalten gerügt wird! So darf man mit -bis jetzt- unbescholtenen Bürgern nicht umgehen.
21:57
Vielleicht sind sie sich so einig weil auch Merkel ein Huhn im Ofen hat!
WER hat denn mal ihre Doktorarbeit überprüft?