Das aktuelle Wetter NRW 7°C
Hochschule

Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen

02.06.2013 | 15:55 Uhr
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) will die Freiheit der Hochschulen wieder eindämmen. Vor allem gehe es um die Verwendung der Milliarden aus Düsseldorf.Foto: Thomas Nitsche

Düsseldorf.   Ein internes Papier aus NRW-Wissenschaftsministerium zeigt: Die rot-grüne Landesregierung will die Eigenständigkeit der Hochschulen beschneiden. Der Hebel dazu sind „Rahmenvorgaben“ aus dem Ministerium. Widerstand kommt nicht nur von den Hochschulen, auch die Opposition wendet sich gegen die Pläne.

Das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes zeichnet zwar regelmäßig Erfindungen „made in NRW“ aus, ist aber selbst als Patentsucher bislang nicht auffällig geworden. Das könnte sich bald ändern, denn die Bürokratie von Ministerin Svenja Schulze (SPD) hat intern ein „neues Steuerungsinstrument“ ersonnen, mit dem die 30 Unis und Fachhochschulen im Land wieder stärker unter die Fittiche genommen werden sollen. Damit gewinnt der Streit um das rot-grüne „Hochschulzukunftsgesetz“, das die weitgehende Freiheit des Wissenschaftsbetriebs beschneiden soll, an Schärfe.

In einem zwölfseitigen Vermerk, der dieser Zeitung vorliegt, führen Schulzes Juristen aus, dass man mit so genannten Rahmenvorgaben, die weder Gesetz noch Verwaltungsvorschrift sind, am effektivsten „in den ehemals staatlichen Bereichen der Haushalts- und Wirtschaftsangelegenheiten sowie der Personalverwaltung“ eingreifen könne.

Lesen Sie auch:
Politik will der Uni Duisburg-Essen beim Wachsen helfen

Wie kann die Universität Duisburg-Essen ihrer wachsenden Raum-Not begegnen? Ein Vorschlag: Die Stadt Essen soll mögliche Reserve-Flächen aufspüren....

Die Opposition ist empört

„Mit Rahmenvorgaben wird zwar der Autonomiebereich der Hochschulen maßvoll eingeschränkt. In diesen Autonomiebereich wird aber keineswegs unzulässig eingegriffen“, heißt es in dem Papier. Vielmehr werde das „Demokratieprinzip optimiert“. Die Steuerung der Hochschulen mittels Gesetzen und Rechtsverordnungen sei dagegen „ungleich förmlich aufwändiger und zeitraubender“.

Die Opposition ist empört. Schulze versuche, den Hochschulen auf „untergesetzlichem Wege“ ihren Willen aufzuzwingen, sagt CDU-Wissenschaftspolitiker Stefan Berger. Das Parlament dürfe sich nicht entmachten lassen, nur weil die Landesregierung wieder von oben herab vorschreiben wolle, „was gelehrt werden soll und worüber zu forschen ist“, so Berger.

Lesen Sie auch:
Land NRW schuldet tausenden Hochschulmitarbeitern Gehalt

Das Land NRW schuldet tausenden Hochschulmitarbeitern Gehalt für die Monate März und April. Ursache der ausbleibenden Gehaltszahlungen ist die...

In den Hochschulen ist die Stimmung ohnehin am Boden, seit Schulze angekündigt hat, das von der schwarz-gelben Vorgängerregierung 2006 verabschiedete „Hochschulfreiheitsgesetz“ in Teilen wieder zurücknehmen zu wollen. Es herrsche „eine Mischung aus Skepsis, Misstrauen und Verunsicherung“, heißt es im Rektorat einer großen NRW-Uni. Die Landesrektorenkonferenz und die Arbeitsgemeinschaft der Fachhochschul-Kanzler machen auch offiziell keinen Hehl daraus, dass sie keinen Reformbedarf sehen.

„Blindflug beenden“

Rot-Grün dagegen glaubt, einen „Blindflug bei der Mittelverwendung“ beenden zu müssen. Das Konstrukt des früheren Wissenschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP), Unis unternehmerisch verwalten zu lassen und den Wissenschaftsbetrieb vor dem Zugriff der Ministerialbürokratie zu bewahren, ist vielen bei SPD und Grünen ein Graus. Da jährlich mehr als vier Milliarden Euro Steuergeld an die Hochschulen fließen, müsse die Landesregierung mehr „Steuerungsverantwortung“ wahrnehmen, so Schulzes Lesart.

Studienstart 2013
NRW-Hochschulen geben im Facebook-Chat Tipps fürs Studium

Die Abiturprüfungen sind gerade vorbei, da wartet schon die nächste Hürde auf viele Abiturienten - die Studienplatzsuche. Wem dabei noch lauter Fragen...

Kritik am Instrument der Rahmenvorgabe weist ein Ministeriumssprecher zurück: „Wir werden dem Landtag in jedem Fall wieder mehr Einfluss geben.“ Die neuen Steuerungsideen will das Ministerium noch vor dem Sommer mit den Hochschulen diskutieren. Im Spätherbst soll der erste Referentenentwurf zu Schulzes „Hochschulzukunftsgesetz“ formuliert werden. Das Ende der weitgehenden Wissenschaftsautonomie in NRW ist zum Wintersemester 2014/15 geplant.

Tobias Blasius

Kommentare
03.06.2013
10:46
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
von woelly | #7

Rot-Grün kann die Bevormundungen nicht lassen! Wir sind doch freie Bürger- auch in NRW! Das sollte uns allen eine deutliche Warnung sein!

03.06.2013
10:29
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
von 1920 | #6

Rot-Grüne-Ideologie??????
Wähler wach werden.

03.06.2013
10:28
Rot-Grün will nicht die Freihet der Unis beschneiden,
von meigustu | #5

sondern dafür sorgen, dass die nicht preiswerte Dienstleister der Industrie bleiben. Die CDU war es doch, die die Selbstverwaltung der Unis aufhob und statt dessen wie überall in den staatlichen Organisationen, mehr Macht auf Einzelpersonen konzentrierte .

03.06.2013
09:21
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
von Olli-B | #4

Kommt nach dem Versuch, die Schulen gleichzumachen, nun der Versuch, dass auch mit den Unis zu tun? Und das nach rot-GRÜNER Denke? Rot-Grün sollte seine Finger aus den Dingen lassen, von denen sie keine Ahnung haben. Ach ja, dann müssten sie ja gleich abschließen und nach Hause gehen...

03.06.2013
08:50
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
von WuppiMax | #3

Frau Schulze soll erstmal sehen, dass sie ihren eigenen Misthaufen auf Vordermann bringt bevor sie sich an Steuerungsaufgaben wagt. Stichwort: Nicht gezahlte Gehälter wegen eines SAP-Fehlers.

http://www.derwesten.de/politik/land-nrw-schuldet-tausenden-hochschulmitarbeitern-gehalt-id7933659.html

03.06.2013
08:36
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
von DrDr | #2

Da sehe ich wieder üble Zeiten auf die NRW-Hochschulen zukommen. Den roten Filz bei der Ernennung von Professoren brauchen wir nun wirklich nicht mehr.

02.06.2013
17:23
Rot-Grün will Unis stärker an die Kandare nehmen
von Der.Marlboro.Mann | #1

Mein erster Gedanke:
dann fällt es den (gift)grünen endlich leicht, ihre eigenen Mitglieder dort ins Amt zu bringen. Siehe Aachen.

Funktionen
Aus dem Ressort
Zehntausende trauern um Kreml-Gegner Boris Nemzow
Russland
Der Mord an dem Politiker bewegt bewegt die Menschen. Viele verdächtigen die Staatsmacht. Denn der Tatort war gut bewacht und Nemzow ein Putin-Gegner.
Essener CDU setzt auf das Grundgesetz gegen Salafismus
Kampagne
Die CDU hat in Essen das Grundgesetz verteilt und wollte ein Zeichen gegen Salafismus setzen. "Lies"-Aktivisten erschienen trotz Ankündigung nicht.
Wie die EU den Kampf gegen resistente Keime verstärken will
Keime
Tausende sterben jedes Jahr, weil Antibiotika ihre Wirkung verlieren. Eine Ursache ist der Masseneinsatz in der Tiermast. Auch Salat ist oft verkeimt.
Bremer Polizei weiter in erhöhter Wachsamkeit
Terrorgefahr
Alarm am Wochenende in Bremen: Die Polizei hatte Hinweise auf einen möglichen Terroranschlag. Doch es blieb ruhig. Die Ermittlungen laufen weiter.
Nordkorea reagiert mit Kurzstreckenraketen aus US-Manöver
Konflikte
Mit Raketentests und kriegerischen Tönen hat Nordkorea auf den Beginn gemeinsamer Manöver der Streitkräfte der USA und Südkoreas reagiert.
Fotos und Videos
article
8019067
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
Rot-Grün will Unis in NRW stärker an die Kandare nehmen
$description$
http://www.derwesten.de/politik/rot-gruen-will-unis-staerker-an-die-kandare-nehmen-id8019067.html
2013-06-02 15:55
Universitäten,NRW,Schulze,Hochschulen,Kandare,Hochschulfreiheitsgesetz
Politik