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Politik

Romney geht mit Ryan volles Risiko

12.08.2012 | 18:43 Uhr
Romney geht mit Ryan volles Risiko
Mitt Romney schickt einen wirtschaftsliberalen Katholiken ins Rennen: den 42-jährige Kongressabgeordnete Paul Ryan.Foto: ap

Ab sofort fliegen im amerikanischen Präsidentschafts-Wahlkampf die Funken. Die Nominierung des Abgeordneten Paul Ryan für den Job des Vize-Präsidenten an der Seite des Republikaners Mitt Romney ist das, was ein Kanister Benzin für offenes Feuer wäre: hoch explosiv.

Kein anderer US-Politiker verfolgt so missionarisch sozial tiefgekühlte Konzepte wie der mächtige Finanzexperte aus Wisconsin. Ryan will die staatlichen Renten-, Sozial- und Krankenversicherungen, die im Zuge der aufs Altenteil strebenden geburtenstarken Jahrgänge finanziell aus dem Ruder laufen, radikal sanieren und den Staatsapparat kleinsparen. Dass die Lasten dabei grotesk einseitig bei Armen und Älteren abge­laden werden, während Reiche weitere Steuergeschenke erhalten sollen und der Militärapparat verschont bleibt, wird die ideologischen Gräben in Amerika weiter vertiefen.´

Unabhängige, liberale und vor ­allem ältere und sozial schwache Wähler sowie Angehörige der Minderheiten von Afro-Amerikanern bis Latinos haben von Paul Ryans Sparkonzept kaum Gutes zu erwarten. Das kann Mitt Romney bei der Wahl in „Schlachtfeld-Staaten“ wie Ohio, Virginia, Pennsylvania und Florida Stimmen kosten. Der 6. November wird eine glasklare Richtungswahl.

Ryan ist charismatischer als Mitt Romney

Eine dämonisierende Kampagne nach dem Motto – Zusammenhalt und Sozialstaat (Obama) oder entsolidarisierte Ellenbogengesellschaft (Romney) – können sich die Demokraten gleichwohl nicht ­leisten. Paul Ryan bringt mehr Sub­stanz, Charisma und Unterstützer auf die Waage als Mitt Romney.

Sein Credo, die enorme Staats­verschuldung mit der Axt und nicht mehr mit dem Seziermesser zu bekämpfen, gilt über das konservative Spektrum hinaus als ein politischer Rohdiamant. Gelingt es den Republikanern, ihn glaubwürdig sozial ­anzuschleifen, ist vieles möglich.

Amtsinhaber Obama muss nun liefern. Am besten eine einleuchtende Erzählung darüber, warum eine dosierte Neuverschuldung vorübergehend unumgänglich ist. Und dass ein Gespann Romney-Ryan Amerika zu einem kaputtgesparten Ort ­machen würde, in dem Oben und Unten weiter auseinanderdriften.

Dirk Hautkapp

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Kommentare
13.08.2012
23:10
Romney geht mit Ryan volles Risiko
von feierabend | #2

Es ist in der Welt eine wachsende Neigung zu spüren, die Macht der Gesellschaft über das Einzelwesen, sowohl durch die Macht der öffentlichen Meinung wie sogar durch die Gesetzgebung ungebührlich auszudehnen. Der Hang der Menschen, gleichviel ob Herrscher oder Mitbürger, ihre eigenen Meinungen anderen als Lebensregel aufzuerlegen...es braucht auch Schutz gegen die Tyrannei des vorherrschenden Meinens und Empfindens, ...es gibt einer Grenze für die rechtmäßige Einmischung öffentlicher Meinung in die persönliche Unabhängigkeit und diese Grenze zu finden und gegen Übergriffe zu schützen ist für eine gute Verfassung der menschlichen Angelegenheiten ebenso unerlässlich wie Schutz gegen politische Willkür. Man kann einen Menschen nicht rechtmäßig zwingen, etwas zu tun oder zu lassen, weil er nach Meinung anderer klug oder sogar richtig handeln würde. Über die Freiheit, John Mill

13.08.2012
22:50
Romney geht mit Ryan volles Risiko
von feierabend | #1

Beide Seiten möchten mit Ideologien die Welt retten - sprich die eigene. Es wird so beiden nicht gelingen können. Es bleibt doch die Frage, wie der passende Ausgleich zwischen individueller Unabhängigkeit und sozialer Kontrolle auszusehen hat. Die Ansichten der Leute über das, was lobens- oder tadelnswert ist, werden dementsprechend durch all die verschiedenartigen Gründe beeinflusst, welche ihre Wünsche in bezug auf das Verhalten anderer beeinflusst und die so zahlreich sind wie jene, die ihre Wünsche bezüglich anderer Gegenstände bestimmen. Das eigentliche Gebiet der menschlichen Freiheit umfasst die Gewissensfreiheit, Freiheit des Denkens und Fühlens, unbedingte Unabhängigkeit der Meinung und Gesinnung, Freiheit des Geschmacks und der Studien, Freiheit, einen Lebensplan zu entwickeln, ...keine Gesellschaft ist unabhängig, wo diese Freiheiten respektiert werden - egal wie sie regiert werden.

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