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Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert

11.11.2012 | 16:03 Uhr
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Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
Neonazis ziehen mit ihrem Demonstrationszug durch die Dortmunder Nordstadt. Foto: Archiv-Foto: Dirk Bauer, WAZ FotoPool

Essen.  Die Gewerkschaften werfen NRW-Innenminister Ralf ­Jäger vor, immer neue Programme zur Kriminalitätsbekämpfung auf den Weg zu bringen. Es gibt mittlerweile Programme gegen Salafisten, Rocker, Computer-Hacker, Rechtsextreme - ohne dass auch für die entsprechende personelle Ausstattung gesorgt wäre.

Die Polizeigewerkschaften in NRW werfen Innenminister Ralf ­Jäger (SPD) vor, die Beamten mit immer neuen Kriminalitäts-Bekämpfungsprogrammen zu überfordern. Die jüngsten Initiativen gegen Salafisten, Rocker, Computer-Hacker, Rechtsextreme und andere Gruppen hätten die Belastung der Poli­zisten auf die Spitze getrieben. Dem Land fehlten Tausende Polizisten.

Der designierte Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, sagte dieser Zeitung: „Oft verwalten Polizisten Krimina­lität nur noch. Jedes Jahr fallen zwei Millionen Überstunden bei der Polizei in NRW an.“ Für die Aufklärung eines Einbruchs blieben im Schnitt nur noch 60 Minuten, schimpft ­Wilfried Albishausen, der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK).

Einbruchkriminalität hat stark zugenommen

Die Personaldecke sei unerträglich dünn, ­andere Delikte, zum Beispiel Drogenkriminalität, würden vernachlässigt. Der BDK rechnet vor, dass in NRW 2000 Kripo-Leute fehlen. ­Albishausen: „Seit 1992 ist die Zahl der Polizisten in NRW festgeschrieben. Derzeit gibt es aber 220 000 Straftaten mehr als vor 20 Jahren.“

Hintergrund
Die Kripo kann nicht mehr

Immer mehr Fälle, immer neue Programme zur Kriminalitätsbekämpfung von der NRWLandesregierung. Dabei ist jeder zweite Beamte in Nordrhein-Westfalen...

Stark zugenommen hat beispielsweise Einbruchkriminalität, gerade hier sei die Bilanz niederschmetternd. Kripo-Beamte zweifeln sogar an den offiziell genannten Zahlen von zwölf Prozent aufgeklärten Einbrüchen. Tatsächlich seien es zwei Prozent, wenn man die Verurteilung eines Tatverdächtigen vor Gericht zum Maßstab nehme. Heißt: Einbrecher müssen sich so gut wie nie für ihre Taten verantworten.

Land "stellt genügend Polizeibeamte ein"

Wilfried Albishausen, Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, warnt vor einer Überlastung seiner Kripo-Kollegen.Foto: Bernd Lauter/WAZ FotoPool

Das Innenministerium kontert die Vorwürfe der Polizisten. Das Land stelle genügend Polizeibeamte ein, so ein Sprecher: „Wir brauchen für den Kampf gegen den Rechtsextremismus, die konsequente Bekämpfung der Kriminalität und die Sicherheit im Straßenverkehr eine gute Personalausstattung. Deshalb stellen wir jedes Jahr 1400 Polizeianwärter ein, 300 mehr als in den Jahren davor. Das wirkt sich auch positiv auf die Altersstruktur aus. Die ­Sicherheit der Menschen in NRW hat für uns oberste Priorität. Ein ­Stellenabbau bei der Polizei kommt deshalb für uns nicht in Frage.“

Die GdP macht eine andere Rechnung auf: „In diesem Jahr werden 1400 Polizisten neu eingestellt, die dann drei Jahre ausgebildet werden. Wir bekommen aber nur 1000 fertig ausgebildete Kollegen aus der Fachhochschule wieder“, so Arnold ­Plickert. Der Rest breche die Aus­bildung ab.

 

Kommentar: Mehr Sicherheit durch mehr Polizei

Matthias Kormann

Kommentare
12.11.2012
12:15
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von Joe_Bar | #27

Ist ja überall dasselbe, nicht nur bei der Polizei.
Die eine Hälfte der (potentiellen) Arbeitnehmer wird, angeblich mangelnder Arbeitsplätze, in die Hartz4-Armut getrieben...
Die andere Hälfte malocht sich mit 50 Std./Wo. krank...

Verdoppelt doch endlich die Zahl der Arbeitsplätze und reduziert die Arbeitszeit auf 30 bis max. 35 Std./Wo.. Unterm Strich dürfte sich das aufgrund sinkender Zahl von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und größßerer Flexibilität des Polizeiapparats, sogar finanziell rechenbar sein.

12.11.2012
11:48
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von JollyGreenGiant | #26

Tatsache ist, das die Kriminalitätsrate mit der Polizeidichte zusammenhängt und da ist NRW im Bundesvergleich am schlechtesten aufgestellt. Die Niederlande, die etwa 1,5 Mio. Einwohner weniger als NRW haben, haben aber 10.000 Stellen bei der Polizei mehr. Dazu kommt noch, daß auf diesen 50.000 Stellen 64.000 Bedienstete sitzen, damit es keine Fehlstellen durch Elternzeit, Krankheit etc. gibt. In NRW wäre das traumhaft, hier wird mit einem Fehl von 13-15 % gerechnet. Und das "Blitzer"-Gejammer kann ich nicht mehr hören. Fahrt einfach so schnell, wie vorgeschrieben, dann muss auch keine Geschwindigkeitskontrolle in dem Ausmaß erfolgen. Die Strafen sind im Europavergleich ohnehin lächerlich.

12.11.2012
11:24
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #25

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2012
11:02
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von RiN77 | #24

Genau, die Gewalt geht nur von Rockern, Hackern und Nazis aus!
Linksextreme Chaoten, Hooligans, kriminelle Familienclane und reisende Tätergruppen aus anderen Ländern sowie die organisierte Kriminalität spielen bei der Polizeiarbeit ja keine Rolle!

Hauptsache, die Polizei schützt mit Mann und Maus jüdische Einrichtungen jeglicher Art rund um die Uhr und muss mit einem dutzenden Beamten täglich jeweils hinter gefährlichen Scherverbrechen herlaufen und auf diese aufpassen, weil diese ja unbedingt aus der Sicherheitsverwahrung entlassen werden mußten..

Andererseits nutzt auch der beste Polizeiapparat nichts, wenn diese Arbeit von der Justiz nicht aufgegriffen wird.
Immer nur Strafverfahren einzustellen oder auf Einsicht des Täters zu setzen und milde Urteile zu sprechen hat sich die letzten 20 Jahre offensichtlich nicht bewährt.
Vll sollte die Justiz sich daher langsam von einer Strafverwaltungsbehörde wieder zu einer Strafverfolgungsbehörde entwickeln..

12.11.2012
10:58
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von HotteHansSchuhschreck | #23

Da ist sie wieder, die Verharmlosung.

Das Internet dient immer mehr der Radikalisierung und als Medium zum Gesinnungsaustausch.

Natürlich müssen Internetseiten und Social Communities überwacht werden. Das ist kein rechtsfreier Raum mit rosaroten Wolken, auch wenn manche dies nach dem Genuss von Kraut gerne so sehen würden.

Wir brauchen mehr Polizeibeamte, mehr Überwachung von öffentlichen Plätzen, mehr inhaltliche Überwachung im Internet und vor allem eine klare Kante bei der Anwendung der Mittel. Keine Toleranz gegenüber mutmaßlichen und vor allem agressiven Tätern.

1 Antwort
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von Erpunktkapunkt | #23-1

Stimmt, mer brauchen dringend mehr Kameras. Vor allem, nachdem die millionenteuren Programme zur Ueberwachung oeffentlicher Plaetze in England erwiesenermaßen gezeigt haben, dass die Kriminalitaetsrate durch diese Maßnahmen nicht gesunken ist.

12.11.2012
10:22
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von ExWalsumer | #22

Ich behaupte einfach mal ohne noich genau Zahlen zu kennen, wieviele Polizisten ihren Dienst im Jahr quittieren, das die Aussage, es würdne genug Polizisten eingestellt eine Lüge ist. Vielleicht sollte man einfach mal für eine Woche alle Sicherheitsbeamten in Düsseldorf am Sitz der Landesregierung und Berlin am Kanzleramt und Reichstag abziehen. Zu tun gibt es sicher woanders auch noch genug.
Vielleicht kommt dann noch rechtzeitig die Erkenntnis, das man nächstes Jahr den doppelten Abiturjahrgang nutzen kann um vielleicht mal statt 1400 direkt 3000 neue Polizisten ein zu stellen. Und vielleicht hilft es auch, wenn man sich nicht einfach auf einen Fitness-Test und ner Rechtschreibprüfung als Kriterium für alle Polizisten verlässt sondern die erforderte Qualifikation für jeden Posten seperat prüft.

Aber auf jeden fall brauchen wir mehr Polizei und weniger Tolerenz gegenüber straftätern. Wer einer Straftat überführt wurde, darf hinterher keine Möglichkeit haben sich zu beschwären.

12.11.2012
10:12
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von knutmithut | #21

Die arme Polizei!
Wie wäre es mit arbeiten? Es werden genügend Polizeibeamte eingestellt, aber wenn man sie mit der Überwachung von Internetseiten oder "Social Communitys" betraut, dann ist der Arbeisaufwand natürlich höher und schlicht dumm.


12.11.2012
10:10
Rocker, Hacker, Nazis - Polizisten fühlen sich überfordert
von StylusColor | #20

Halt Augen aufmachen bei der Berufswahl. Verkehrssünder aufschreiben, zu Streitigkeiten in Wohnungen fahren...diese "anderen"Herausforderungen haben einen anderen Stellenwert. Wenn man/(Frau) damit überfordert ist, dann "weg" mit dieser sogeannten exikutiven Gewalt. Und das viele dafür absolut nicht geeignet sind zeigen ja genug Paradebeispiele wie z.B. Stuttgart 21.

12.11.2012
10:07
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Name von Moderation entfernt | #19

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.11.2012
10:04
@ tom009 | #15
von Partik | #18

Ihren Frust in allen Ehren, aber das was "der Bürger" sieht, sind eben Kontrollen im Verkehr, und Hundertschaften beim Fußball usw.

Sie sprechen als Nachteil der Personalsituation Gelegenheiten an, die eher untergeordnete Bedeutung haben. Die Aufnahme von kleineren Unfällen mit Blechschäden (also hauptsächlich die Ausstellung des Knöllchens an den Verursacher) oder Streife laufende Altgediente - eher unnötig.

Es kann durchaus sein, dass freiwerdende Stellen oft nicht mehr besetzt werden. Dem Bürger geht es aber um die Prioritäten beim Einsatz der vorhandenen Kräfte.

Und wenn man da (ungeblitzt) an einer Lserkontrolle vorbei fährt, die mit fünf Mann besetzt ist, erhebt sich schon die Frage, wo da die Personalknappheit sein soll, wenn es um die Bekämpfung der Schwerkriminalität geht.

Kann ja an sich nur heißen, dass es ähnlich wie auf dem Arbeitsmarkt aussieht: viele gering qualifizierte Kräfte im Polizei-Fußvolk vorhanden, zu wenig spezialisierte Fachleute.

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