Rocker erhält Geld vom Staat - Banden auf dem Vormarsch

Polizeibeamte beobachten am 25. Januar in Neuss ein Treffen der  Rockergruppe „Osmanen Germania“.
Polizeibeamte beobachten am 25. Januar in Neuss ein Treffen der Rockergruppe „Osmanen Germania“.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Rockerbanden breiten sich in NRW rasant aus. Ein verurteilter Rockerboss und ehemaliger Polizist kassiert sogar weiter ein Gehalt vom Staat.

Düsseldorf.. Die Polizeibehörden schlagen Alarm: Rockerbanden breiten sich in NRW rasant aus. Innenminister Ralf Jäger (SPD) registriert nicht nur einen „Expansionsanspruch von Hells Angels und Bandidos“. Auch Rockergangs wie „Osmanen Germaia Boxclub“ und „Brothers MC“ seien mit häufig polizeibekannten Kriminellen aktiv. Ein verurteilter Rockerboss und ehemaliger Polizist kassiert sogar weiter ein Gehalt vom Staat.

Opposition in heller Aufregung

Der Fall eines führenden Kopfs der Gang „Brothers MC“ versetzte die Opposition im Innenausschuss des Landtags am Donnerstag in helle Aufregung. Der FDP-Abgeordnete Marc Lürbke kritisierte, dass der Mann „auf der Gehaltsliste der Polizei steht“, obwohl der ehemalige Polizist bereits vor sechs Jahren vom Dienst suspendiert wurde. Tim K. (41) wurde 2010 vom Landgericht Dortmund zu neun Monaten Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Rocker Nachdem ihn die Behörde entließ, legte der in Ostwestfalen lebende K. Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster ein. Dort ist der Fall seit 2013 anhängig. Die Folge: K. kassiert bis heute 50 Prozent seines früheren Gehalts. Bei einer Niederlage vor Gericht droht dem Rocker der Verlust seiner Bezüge und Pension.

Minister Jäger bestätigte im Ausschuss den „ärgerlichen“ Sachverhalt. Klar sei allerdings, dass der verurteilte Rocker niemals mehr Uniform tragen werde. Der CDU-Abgeordnete Gregor Golland äußerte Zweifel am Erfolg von Jägers „Null-Toleranz-Stategie“ gegen Rocker. „Sie ziehen einem Rocker die Kutte aus, während zwei neue die Kutte anziehen.“

Bericht: „Chapter“ in Drogenhandel und Prostitution verstrickt

Laut Innenministerium verfügt die von türkischen Migranten gesteuerte Gruppe „Osmanen Germania Boxclub“ inzwischen über 700 Mitglieder in neun Städten: Aachen, Bielefeld, Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Köln und Münster. Die kleinere „Brothers MC“ ist mit 74 Rockern in Aachen, Köln, Velbert, Witten und Ostwestfalen als Auffangbecken für ehemalige Bandidos auf dem Vormarsch.

Rocker Im Innenausschuss stellte Minister Jäger einen Bericht vor, wonach die „Chapter“ in Drogenhandel und Prostitution verstrickt sind. Treffpunkte der im Oktober 2015 erstmals in Duisburg aufgetauchten „Osmanen“ sind Kneipen und Shisha-Bars. Viele Mitglieder der Rockergang seien „vorwiegend wegen Rohheits- und Betäubungsdelikten“ aufgefallen, hießt es im Bericht des Ministeriums. Minister Jäger betonte, dass keine kriminelle Gruppe derart unter polizeilichem Druck stehe wie Rocker.